Keine Wurst für Babys

Alles, was Du wissen musst

Wurst ist hoch verarbeitetes Fleisch und damit ungesund auf so vielen Ebenen. In der Kinderernährung  hat sie nichts zu suchen – und eigentlich auch auf dem Teller von uns Erwachsenen nicht. Wenn Du Dich also fragst, ab wann Babys Wurst, Aufschnitt, Salami, Geräuchertes oder andere Wurstsorten essen dürfen, welche Wurst für Kinder geeignet ist oder ähnliches, dann findest Du hier die Gründe, warum Dein Kind in keinem Alter Wurst bekommen sollte. 

Ab wann dürfen Babys Wurst essen???

Wurst ist für Babys kein notwendiges Lebensmittel. Während der Beikostzeit sind unverarbeitetes, gut durchgegartes Fleisch, Fisch oder pflanzliche Eisenquellen die sinnvolleren Optionen. Besonders salzreiche und rohe Wurstwaren sind für Säuglinge ungeeignet.

Wurst und verarbeitetes Fleisch krebserregend

Es existiert seit 2015 eine Erklärung der WHO, in der unmissverständlich deutlich wird, dass verarbeitetes Fleisch Krebs auslösen kann. Wurst ist damit der Gruppe 1 „krebserregend“ zuzurechnen – Wurstwaren gelten als genauso sicher krebserregend wie Aspest oder Tabakrauch!

Natürlich, das ist klar, ist das immer eine Mengenfrage und vermutlich ist die Menge an Wurst, die es braucht, um Krebs zu hervorzurufen, verhältnismäßig hoch im Vergleich zum Rauchen. Darüber sagt die obige Kategorisierung genauso wenig aus wie über die Stärke der Korrelation. Lediglich, dass die Kausalität als gesichert gilt. 

Trotzdem: Wir sind uns einig, dass Zigaretten in der Nähe von Babys nichts zu suchen haben –  während es völlig normal ist, dass die Verkäuferin an der Wursttheke fragt, ob mein 11 Monate altes Baby ein gratist Wiener Würstchen möchte. 

Weitere Gründe, warum Wurst für Babys ungesund ist

Abseits von diesem Fakt, den Du übrigens mit ein paar Klicks auf Google vielfach bestätigt finden wirst, gibt es weitere gute Gründe, warum Babys frühestens ab 12 Monaten Wurst essen sollten. Wurst ist hochverarbeitetes Fleisch und unterscheidet sich deutlich von einem frisch zubereiteten Stück Fleisch.

  • häufig relativ viel Salz
  • je nach Sorte viel gesättigtes Fett
  • Verarbeitung und Pökelung
  • teilweise Nitritpökelsalz
  • bei Rohwurst ein zusätzliches Infektionsrisiko
  • im Vergleich zu frischem Fleisch kein besonderer Vorteil für die Nährstoffversorgung

Sie wird gepökelt, erhitzt, gewürzt, geräuchert und mit Zusatzstoffen haltbar gemacht. Das bedeutet nicht, dass ein einmaliges Stück Wurst ein Baby krank macht. Es bedeutet vielmehr, dass es keinen ernährungsphysiologischen Grund gibt, Wurst regelmäßig auf den Speiseplan eines Babys zu setzen.

Wurst ist zu salzhaltig

Zunächst enthält Wurst sehr viel Kochsalz. Die DGE führt Wurstwaren ausdrücklich als natriumreiche verarbeitete Lebensmittel auf. Für Säuglinge gelten wesentlich niedrigere angemessene Natriumzufuhren als für Erwachsene. Die DGE nennt für 4 bis unter 12 Monate einen Schätzwert von 200 mg Natrium pro Tag. 

Deshalb solltest Du für Dein Baby nicht einfach die Ernährung der Erwachsenen übernehmen. Gerade stark gewürzte und gesalzene Lebensmittel wie Wurst können einen erheblichen Teil der täglichen Natriumzufuhr liefern.

Das ist für uns Erwachsene auch nicht gesund, aber für Säuglinge noch schwieriger zu verarbeiten. Die Nieren können größere Mengen an Salz nur schwer wieder abbauen. Das belastet den Organismus und bringt den Flüssigkeitshaushalt durcheinander. Im späteren Leben steigt die Gefahr, an Bluthochdruck und anderen Erkrankungen zu leiden. 

Salz für Babys
Dabei ist Salz nicht per se schädlich oder gefährlich, auch nicht für Babys. Natrium ist ein lebensnotwendiger Mineralstoff. Problematisch ist eine dauerhaft zu hohe Zufuhr.

Nitritpökelsalz

Neben herkömmlichem Salz werden viele Wurstwaren außerdem mit Nitritpökelsalz (Natriumnitrit, E 250) behandelt. Nitrit erfüllt bei der Herstellung verschiedene technologische Funktionen, unter anderem bezüglich Farbe und Haltbarkeit. Dadurch können bei der Verarbeitung unter bestimmten Bedingungen Nitrosoverbindungen entstehen. 

Zusatzstoffe

In allen Wurstwaren finden sich noch weitere Zusatzstoffe wie Phosphate (E450), Ascorbinsäure (E300), Gluten oder Laktose. Mit anderen Worten: Es gibt einen Grund, warum uns Wurst so gut schmeckt. Von der Nahrungsmittelindustrie werden hier sämtliche Anstrengungen unternommen, durch künstliche Zusatzstoffe unsere Geschmacksnerven zu treffen. 

Ungesunde Fette

Aber nicht nur die Zusatzstoffe, auch die enthaltenen Fette werden nicht in hohem Maß empfohlen. Es handelt sich hier um gesättigte, tierische Fette. Das ist nicht dasselbe wie mehrfach ungesättigte Fettsäuren aus Pflanzenölen, die man der Beikost beifügt. 

Unappetitliches in der Wurst

Wenn Dir das noch nicht reicht, auf Wurst zu verzichten, hier noch eine Auflistung an unappetitlichen Bestandteilen vieler Wurstsorten: 

  • Schleimhäute der Tiere (Nase, Euter, Magen etc.)
  • Knorpelanteile
  • teilweise Innereien

In Leberwurst, aber auch in anderen Wurstsorten ist zum Beispiel Leber verarbeitet. In der Leber eines Lebewesens reichern sich Schwermetalle und andere Schadstoffe an. Auch die Stresshormone vom Schlachten und der unnatürlichen Lebensweise sind dort gespeichert und kommen über diesen Umweg auf unseren Teller.

Rohwurst

Einige Teesorten wie Teewurst, Rohsalami, Mettwurst sind nicht gekocht bzw. hoch erhitzt, sondern lediglich gepökelt und geräuchert. Damit sind sie nicht nur langfristig, sondern auch unmittelbar ungeeignet für Babys, die keine rohen tierischen Lebensmittel essen sollten. Das gilt auch für Rohmilchprodukte, nicht ganz durchgegartes Fleisch, Fisch oder Ei. Mit eventuellen bakteriellen Belastungen durch Salmonellen, Toxoplasmose oder Listerien wird nicht jedes unreife Immunsystem von Säuglingen fertig. 

Keine Rohwurst für Säuglinge
Das BfR nennt Rohwurst, insbesondere streichfähige, kurz gereifte Sorten wie Teewurst und Zwiebelmettwurst, ausdrücklich als Lebensmittel mit Infektionsrisiko.

Mehr: Ungeeignete Lebensmittel für Babys

Wertvolle Bestandteile der Wurst?

Aber steckt in der Wurst nicht am Ende auch Fleisch, das ja immer noch vielfach für die kindliche Versorgung mit Eisen und anderen essentiellen Nährstoffen angepriesen wird? Im Prinzip ja. Aber zwei Punkte solltest Du bedenken: 

  • Wurst ist nicht gleich Fleisch! Durch den hohen Verarbeitungsgrad und die häufig minderwertigen Bestandteile des Tieres, die zu Wurst verarbeitet werden, ist das Endprodukt nicht mehr mit Fleisch zu vergleichen.
  • Wenn dein Baby Fleisch essen soll, musst du dafür nicht zu Wurst greifen. Ein Stück gut durchgegartes Fleisch liefert die gewünschten Nährstoffe, ohne dass dafür eine stark verarbeitete Fleischware notwendig ist.

Wie viel Wurst für Babys ist okay?

Für Babys gibt es keine sinnvolle „Portionsgröße Wurst“, die Eltern regelmäßig einplanen sollten. Wurst ist für die Ernährung nicht notwendig und sollte daher eher die Ausnahme bleiben.

Und wenn Oma dem Baby eine Wiener gibt?

Ein einzelnes Stück Wurst ist kein Grund zur Panik. Wenn dein Baby bei Oma einmal von einer Wiener abbeißt, musst du deshalb nicht davon ausgehen, dass ihm etwas passiert. Entscheidend ist die Ernährung über längere Zeit.

Du kannst trotzdem klar sagen, dass du Wurst im Alltag deines Babys möglichst nicht anbieten möchtest. Gerade bei salzreichen und stark verarbeiteten Lebensmitteln macht die Häufigkeit einen Unterschied.

Welche Wurst für Babys?

Eine spezielle Babywurst ist nicht sinnvoll. Wenn du deinem Baby Fleisch anbieten möchtest, sind gut durchgegartes, möglichst wenig verarbeitetes Fleisch oder Fisch beziehungsweise geeignete pflanzliche Eisenquellen die naheliegendere Wahl.

Wurst Für Babys? Warum?
Salami eher vermeiden verarbeitet, häufig salzreich; bei Rohsalami zusätzlich Infektionsrisiko
Teewurst nein streichfähige Rohwurst, nicht ausreichend erhitzt
Mettwurst nein, sofern roh Risiko durch rohe tierische Lebensmittel
Mett nein rohes Hackfleisch
Schinken eher selten verarbeitet und häufig salzreich
Wiener eher nicht regelmäßig verarbeitet, häufig salzreich
Bratwurst eher selten verarbeitet, häufig salzreich und fettreich
Leberwurst nicht als regelmäßiger Brotbelag verarbeitet, häufig salzreich; Leber bringt zusätzliche Besonderheiten mit
selbstgemachte Fleischbällchen möglich aus gut durchgegartem Fleisch und ohne bzw. wenig Salz

Was ist mit veganer Wurst?

Vegetarische oder vegane Wurst ist nicht automatisch die gesündere Alternative für Babys. Auch pflanzliche Ersatzprodukte enthalten oft viel Salz und sind stark verarbeitet. Außerdem unterscheiden sie sich hinsichtlich Protein, Eisen, Vitamin B12 und anderer Nährstoffe erheblich von herkömmlicher Wurst oder Fleisch.

Auch zwischen den Produkten gibt es starke Unterschiede, angefangen bei der Proteinbasis. Wenn Du ein Produkt als Wurstersatz einsetzen willst, lohnt sich deshalb ein Blick auf die Zutatenliste und Nährwerttabelle.

Für ein Baby sind einfache Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Tofu, Gemüse, Getreide und Nussmus oft die unkompliziertere Alternative.

Welche Wurstalternativen gibt es?

Ja, aber was soll denn nun aufs Brot fürs Baby? Darf denn dann mein Kind niemals eine Bratwurst beim Grillen oder eine Gelbwurst aufs Brot haben?

Meine persönliche Antwort: Nein. Solange es sich irgendwie vermeiden lässt, würde ich das einfach lassen. Dein Kind kommt noch früh genug zu Freunden oder Verwandten, wo ohnehin kein Weg an der Wurst vorbei geht. Bis dahin gibt es genug Alternativen, die man auf den Grill oder aufs Butterbrot legen kann. 

Außerdem findest Du ja hier auch viele Ideen für Baby-Fingerfood und meine BLW-Rezepte.

Und ja, das bedeutet auch, dass ihr Eltern aufhören solltet, ungesunde Wurst und verarbeitetes Fleisch zu essen. Denn sonst werdet ihr euer Kind nicht lange davon fern halten können. 

In meiner Lebensmittel-Fibel für Babys findest Du zahlreiche Infos zu verschiedenen Lebensmitteln. Wenn Du eines nicht findest, schreib mir unbedingt einen Kommentar oder eine Nachricht, damit ich das ergänzen kann!

Altersempfehlungen für andere Fleischhaltige Produkte

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