Wasser für Babys: Ab wann soll ich Wasser anbieten?

Grundsätzlich genügt einem gesunden Baby in den ersten sechs Monaten Muttermilch bzw. Pre-Milch als ausschließliche Nahrung. Eine Zugabe von anderer Flüssigkeit ist bei einem gesunden Baby überhaupt nicht erforderlich. Dies empfiehlt die WHO (World Health Organization). Wasser solltest Du Deinem Baby also erst ab dem 7. Monat geben. Vorher kann Wasser unter Umständen sogar gefährlich für Babys sein!

Als Zweifach-Mama habe ich mich an diese Empfehlung auch gehalten und es hat sich richtig angefühlt. Hierzu möchte ich anmerken, dass ich für Ratschläge und Empfehlungen von Fachleuten, anderen Eltern oder dergleichen grundsätzlich offen bin und auch gerne Statistiken und Studienergebnisse lese – allerdings muss bei mir immer auch das Bauchgefühl stimmen, damit ich auch etwas davon dauerhaft umsetze.

Ab wann darf ich meinem Baby Wasser geben?

Sobald Dein kleiner Schatz seine ersten Beikosterfahrungen macht, bei vielen Babys also mit ca. sechs Monaten, ist es ratsam, wenn Du ihm am Tisch auch Wasser anbietest. Nicht aus dem Grund, weil es für Deine Minimaus lebensnotwendig wäre. Vielmehr deswegen, weil Dein Baby mit am Esszimmertisch sitzt und sieht, dass die übrigen Familienmitglieder aus Gläsern/Tassen trinken und essen. Babys bzw. Kinder lernen dadurch, dass sie beobachten und nachahmen.

Der Nachwuchs und seine natürliche Eigenschaft, seine Bezugspersonen nachzuahmen, ist somit auch der gewichtigste Grund für einen selbst, bestimmte Eigenarten abzulegen, sofern man diese nicht später am eigenen Kind wiederentdecken möchte. Das kann die Angewohnheit sein, das Messer abzulecken – oder wie in meinem Fall, den Ausflug der Hennen in das Gemüsebeet mit einem empörten „Herrschaftszeiten! Schlacht´ghört´s alle mitanand!“ (für alle Nicht-Bayern übersetzt: „Hola, die Waldfee! Ich bin so empört von Eurem tierisch verfressenen Gemüsebeet zerstörerischen egoistischen Verhalten, dass ich Euch als Konsequenz am Liebsten sofort zu Broilern verarbeiten wollte!“) zu kommentieren. Aber zurück zum Thema Wasser!

Welches Wasser soll ich meinem Baby anbieten?

In der heutigen Zeit haben wir in ziemlich allen Lebenslagen die Qual der Wahl. Das Angebot ist groß. Leitungswasser, spezielles Babywasser oder Mineralwasser? In Tetrapaks, in Plastik- oder in Glasflaschen?

Deine persönlichen Ansichten (Umweltschützer? Gesundheitsapostel?) sowie Dein Geldbeutel werden beim Thema Verpackung entscheiden.
Bei der Frage Leitungswasser, spezielles Babywasser oder Mineralwasser nachfolgende Fakten als Entscheidungshilfe:

Leitungswasser

Es ist beruhigend zu wissen, dass deutsches Leitungswasser scharfen und regelmäßigen Kontrollen unterliegt. Leitungswasser wird in der Tat genauer und öfter kontrolliert als der Essenslieferdienst um die Ecke.

Generell ist Leitungswasser deshalb auch Trinkwasser.

Es schadet aber nicht, sich bei seinem Versorgungsbetrieb nochmal selbst nach der Eignung des Wassers für die Zubereitung von Babynahrung zu erkundigen. Manche Versorgungsbetriebe geben auch auf ihrer Homepage darüber nähere Auskünfte. So z.B. auch in Augsburg. Auf der Homepage der Stadtwerke Augsburg wird erklärt, dass der Nitratwert im Augsburger Trinkwasser so gering ist, dass es für Babys bestens geeignet ist.

Desweiteren gibt es die Möglichkeit, das Wasser zusätzlich kostenpflichtig von einem Fachunternehmen detailliert prüfen zu lassen oder spezielle Teststreifen zu erwerben und selbst zu testen. Denn vor allem bei sehr alten Häusern kann es sein, dass durch die privaten Rohre, die von der öffentlichen Wasserversorgung zu Deinem Wasserhahn führen, das Leitungswasser mit Schwermetallen angereichert wird.

Du solltest Dich also schlau machen, welche Leitungen Du im Haus hast. Alte Bleileitungen oder neue Kupferleitungen wären zum Beispiel für mich ein Grund, kein Leitungswasser zu trinken. Neue Kupferleitungen geben ca. ein halbes Jahr erhöhte Mengen des Metalls an das Wasser ab, welche für Säuglinge gesundheitsschädlich sein können. Erst nach circa einem halben Jahr der Nutzung hat sich in den Rohren eine dicke Oxidschicht gebildet, die es verhindert, dass größere Mengen Kupfer in das Wasser gelangt. Die Verbraucherzentrale rät daher zur besonderen Vorsicht bzw. das Wasser abzukochen.

Die Verbraucherzentrale rät ferner – sofern man das Leitungswasser zum Trinken/Essenszubereitung benötigt – das Wasser eine Weile laufen lassen, damit das abgestandene Wasser aus der Leitung läuft und dann das frische Wasser benutzt wird. Das abgestandene Wasser kann jedoch sehr wohl für andere Zwecke benutzt werden wie z.B. zum Blumen gießen oder als Toilettenspülwasser.

Leitungswasser für Babys kochen?

Das Abkochen vom Wasser tötet etwaige Keime ab. Somit ist sichergestellt, dass keinerlei Keime oder Krankheitserreger mitgetrunken/gegessen werden. Während gesunde Erwachsene keine Probleme mit Keimen haben, sind Babys aufgrund des noch nicht ausgereiften Immunsystems empfindlicher. Durchfall kann eine Folge sein.
Am besten daher das Wasser fürs Baby das erste halbe Jahr abkochen. Eine Thermoskanne leistet hier gute Dienste und vermeidet mehrmaliges stromfressendes Abkochen. Allerdings bitte höchstens für max. einen Tag auf Vorrat abkochen! Nachdem Keime erst nach ca. zwei bis fünf Minuten Kochzeit abgetötet werden, eignet sich ein Wasserkocher nicht (dieser schaltet sich nach Erreichen der Höchsttemperatur automatisch und eben viel zu früh ab).

Ein großer Vorteil von Leitungswasser ist, dass es zu jeder Zeit vorhanden ist und nicht extra eingekauft und nach Hause geschleppt werden muss.

Babywasser

Babywasser ist grundsätzlich keimfrei und den Bedürfnissen des Babys betreffend geringem Natrium- und Sulfatgehalt abgestimmt. Es kann ohne Abkochen verwendet werden.

Sobald das Babywasser geöffnet ist können sich aber auch hier Keime bilden. Daher ist nach Öffnung eine Aufbewahrung im Kühlschrank sinnvoll und sofern es länger als ein bis zwei Tage geöffnet ist auch das Abkochen erforderlich.

Nachteile des Babywassers sind die zusätzlichen Kosten (3 bis 4 Mal so teuer wie normales Mineralwasser und dabei qualitativ nicht hochwertiger) und das erforderliche Nachhause schleppen.

Mineralwasser

Hier solltest Du darauf achten, dass auf dem Mineralwasser steht, dass es für Säuglingsnahrung geeignet ist. Natürlich ist es auch wie das Babywasser keimfrei und muss nicht extra abgekocht werden – außer es ist länger offen. Mineralwasser ist i.d.R. viel günstiger als Babywasser, aber immer noch viel teurer als Leitungswasser. Ferner muss es eben auch nach Hause geschleppt werden, was eben Kraft-, Energie und Zeitaufwand bedeutet.

Wieviel Wasser benötigt mein Baby?

Die Empfehlung der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.) lautet: max. 400 Milliliter pro Mahlzeit bei einem Baby im Alter von 5 bis 12 Monaten. Hierzu möchte ich anmerken, dass ich bisher noch nicht mit dem Messbecher die Trinkmengen meiner Kinder abgewogen habe. Meine große Tochter (geb. 2016) meldet sich häufig selbst bevor ich überhaupt fragen muss, ob sie auch etwas trinken möchte. 400 Milliliter sind fast ein halber Liter, die wenigsten Babys werden im ersten Lebensjahr so viel trinken.

Was passiert, wenn ich meinem Baby zu früh Wasser gebe?

Dein Baby ist ohne Frage perfekt, bedarf aber trotzdem noch einer gewissen Reifezeit. Zuviel und zu früh Wasser zu geben kann zu einer sog. Wasservergiftung (Überhydrierung) führen. Auch von der Streckung der Muttermilch mit Wasser oder Zubereitung von Pre-Milch mit zuviel Wasser (Zubereitungshinweis immer einhalten!) wird dringend abgeraten!

Zu viel andere Flüssigkeit (außer eben Milch), also auch Tee, kann den Wasser- und Mineralhaushalt des Babys durcheinanderbringen. Das Wasser sammelt sich im Körper an, im schlimmsten Fall auch in den Gehirnzellen. Anzeichen einer Wasservergiftung sind Apathie und Aufgedunsenheit. Die Körpertemperatur kann unter 36,1 Grad fallen. Beim kleinsten Zweifel bitte lieber einmal zu viel zum Arzt.

Angst vor Wasser musst Du jetzt aber nicht haben. Solange Du Dein Baby selbstbestimmt trinken lässt, wird es nicht zu viel Wasser trinken. Die Gefahr besteht eher, wenn Du einem sehr hungrigen Säugling statt Nahrung (Milch) aus der Flasche Wasser anbietest. Denn egal, wie schwer oder groß Dein Baby ist, es sollte immer Nahrung bekommen, wenn es danach verlangt. Eine Baby-Diät gibt es nicht!

Hinweis:
Ich bin keine Ärztin, keine Hebamme, keine Doula, keine Stilberaterin und keine Erzieherin, ich bin stolze Mama von zwei wunderbaren Töchter. In meinen Beiträgen gehe ich stets von gesunden Müttern und gesunden Kindern aus. Sollten Zweifel bestehen z.B. bei der Menge der Muttermilch empfehle ich mit Fachkundigen persönlich das Gespräch zu suchen.

Auf Pinterest merken:

Bild: bigstockphoto.com – Akarat Phasura

Schreibe einen Kommentar