16 Grundregeln und Richtlinien von BLW

Hier sind die Grundlagen und Grundregeln für Baby led Weaning. Erfahre jetzt, welche Richtlinien bei BLW beachtet werden müssen.

Einleitung

Die Umsetzung einer vom Baby geleiteten Umstellung auf feste Nahrung erfordert ein Verständnis dafür, warum dieser Ansatz sowohl logisch als auch als sicher sein kann. Der erste Abschnitt „Grundlagen“ unten erläutert die Gedankengänge und zugrunde liegenden Prinzipien, die diese Methode der Beikosteinführung unterstützen.

Der letzte Abschnitt „Grundregeln“ enthält einen kurzen Überblick der wichtigsten Punkte. Das Befolgen dieser Richtlinien erhöht die Chance, dass sowohl das Baby, als auch seine Eltern Freude am Übergang zur festen Nahrung haben und tragen zum Wohlergehen des Babys bei.

Die meisten Babys fangen mit etwa sechs Monaten an, mit fester Nahrung zu experimentieren. Eltern von Babys, die zu früh geboren wurden (also vor der 37. Schwangerschaftswoche) oder die unter einer Krankheit leiden, die ihre Fähigkeit beeinträchtigen könnte, sicher mit Lebensmitteln umzugehen oder bestimmte Lebensmittel zu verdauen, sollten mit einem Arzt oder anderen Experten besprechen, wann sie mit Beikost starten sollen und ob BLW als alleinige Methode für ihr Baby geeignet ist.

5 Grundlagen für eine vom Baby geleitete Umstellung auf feste Nahrung

1. Stillen ist die Grundlage zum Selberessen

In den ersten sechs Lebensmonaten sollte man ausschließlich stillen. Stillen ist die ideale Vorbereitung für das eigenständige Essen fester Lebensmittel. Stillende Babys ernähren sich im eigenen Tempo – es ist gar nicht möglich, sie zu etwas anderem zu zwingen!

Sie steuern auch die Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit dadurch, dass sie entscheiden, wie lange sie jeweils stillen. Und da Muttermilch ihren Geschmack je nach Ernährung der Mutter verändert, bereitet Stillen das Baby auf verschiedene Geschmacksrichtungen vor.

Normale, gesunde Stillkinder scheinen mit der richtigen Unterstützung durch ihre Eltern durchaus fähig, ihre Umstellung auf feste Lebensmittel selbst in die Hand zu nehmen. Obwohl es der Charakter der selbstbestimmten Nahrungsaufnahme ist, durch den das Stillen die Theorie von BLW unterstützt, finden auch viele Eltern, die ihre Babys mit der Flasche füttern, dass diese Methode für sie genauso gut funktioniert. Der einzig wirkliche Unterschied ist der, dass man sicherstellen muss, dass dem Baby auch andere Getränke als Milch angeboten werden.

2. Die Motivation des Babys verstehen

Dieser Ansatz zur Einführung fester Nahrung bietet einem Baby die Möglichkeit, im Rahmen des Erforschens seiner Umwelt herauszufinden, was Lebensmittel zu bieten haben. Dafür nutzt es seinen Wunsch, zu erforschen und  zu experimentieren und die Handlungen anderer nachzuahmen. Indem man dem Baby erlaubt, das Tempo jeder Mahlzeit selbst zu bestimmen und den Fokus auf Spiel und Erkundung anstatt auf die Nahrungsaufnahme zu legen, wird die Beikosteinführung so natürlich wie möglich gestaltet. Denn scheinbar motiviert nicht der Hunger, sondern die Neugierde Babys zu diesem Übergang.

Es gibt keinen Grund, warum die Mahlzeiten mit den Milchmahlzeiten des Babys übereinstimmen müssen.

Tatsächlich hilft es, Milchmahlzeiten und Beikost als zwei verschiedene Kategorien zu sehen. Das führt zu einer entspannteren Herangehensweise und macht die Erfahrung wertvoller für Eltern und Kinder.

3. Wird sich das Baby nicht verschlucken?

Viele Eltern machen sich Sorgen, dass Babys sich verschlucken. Es gibt jedoch gute Gründe, zu glauben, dass Babys ein geringeres Risiko für Verschlucken haben, wenn sie die Kontrolle darüber behalten, was in ihren Mund gelangt, anstatt mit dem Löffel gefüttert zu werden. Dies liegt daran, dass Babys erst in der Lage sind, gezielt Lebensmittel in den Rachen zu befördern, wenn sie die Fähigkeit zu Kauen entwickelt haben. Und sie entwickeln die Fähigkeit erst zu kauen, wenn sie nach etwas Greifen und es Festhalten können.

Die Fähigkeit, sehr kleine Dinge aufzunehmen, entwickelt sich erst später. Ein sehr kleines Baby kann sich also nicht so leicht selbst in Gefahr bringen, weil es keine kleinen Stückchen in den Mund bekommen kann. Im Gegensatz dazu ermutigt das Füttern mit dem Löffel, das Essen direkt auf den Gaumen zu saugen, was das Verschlucken vermutlich wahrscheinlicher macht.

Es scheint, dass die allgemeine Entwicklung eines Babys parallel zur Entwicklung seiner Fähigkeiten verläuft, mit Essen im Mund umzugehen und es zu verdauen. Ein Baby, das Schwierigkeiten hat, Essen in den Mund zu bekommen, ist wahrscheinlich auch noch nicht ganz bereit, zu essen.

Es ist wichtig, der Versuchung zu widerstehen, dem Baby in dieser Situation zu „helfen“. Sein individueller Entwicklungsstand stellt sicher, dass der Übergang zur festen Nahrung in seinem eigenen Tempo stattfindet und das Risiko, zu ersticken, möglichst gering gehalten wird.

Es ist übrigens gefährlich, ein Baby nach hinten zu lehnen oder es hinzulegen, um es mit fester Nahrung zu füttern. Ein Baby, das isst, sollte immer aufrecht sitzen. Dadurch geht man sicher, dass Lebensmittel, die es noch nicht schlucken kann oder nicht schlucken möchte, aus dem Mund fallen können.

Ein vom Baby geleiteter Beikoststart bedeutet nicht, den gesunden Menschenverstand bezüglich Sicherheit aufzugeben. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass es einem kleinen Baby gelingt, eine Erdnuss zu greifen, wird es in seltenen Fällen doch passieren und zu einem Unglück führen – egal, ob das Baby gefüttert wird oder selbst isst.

Die normalen Standards bezüglich Sicherheit beim Essen und Spielen sollten auch dann weiter befolgt werden, wenn der Übergang zu fester Nahrung vom Baby gesteuert wird.

4. Eine gute Ernährung gewährleisten

Säuglinge, die selbst essen dürfen, scheinen ein breites Spektrum an Nahrungsmitteln zu akzeptieren. Dies ist vermutlich so, weil sie mehr als nur den Geschmack des Essens in den Mittelpunkt stellen – sie dürfen auch Textur, Farbe, Größe und Form kennen lernen.

Indem man Babys die Nahrungsmittel getrennt oder in einer Weise gibt, die es ihnen ermöglicht, sie für sich selbst zu trennen, haben sie außerdem die Möglichkeit, eine Reihe verschiedener Geschmacksrichtungen und Texturen kennen zu lernen. Und wenn sie alles übrig lassen dürfen, was sie nicht mögen, wird sie das ermutigen, neue Lebensmittel auszuprobieren.

Die allgemeinen Grundsätze guter Kinderernährung gelten auch für kleine Babys, die ihre Beikosteinführung selbst in der Hand haben. So sollten „Fast Food“ und Lebensmittel mit Zuckerzusatz und Salz vermieden werden. Sobald ein Baby jedoch über sechs Monate alt ist, besteht keine Notwendigkeit, (es sei denn, es liegt eine familiäre Allergieneigung oder eine bekannte oder vermutete Verdauungsstörung vor) die Nahrungsmittel, die dem Baby angeboten werden können, anderweitig einschränken.

Obst und Gemüse sind ideal, wobei härtere Lebensmittel leicht gekocht werden sollten, damit sie weich genug zum Kauen sind. Anfangs bietet man Fleisch am besten als großes Stück an, das erforscht und ausgesaugt werden kann. Sobald das Baby es schafft,
Lebensmittel mit der Faust in den Mund zu schieben, geht auch Hackfleisch gut.

Hinweis: Säuglinge brauchen keine Zähne zum Beißen und Kauen – das geht auch sehr gut mit den Kieferknochen!

Es ist auch nicht notwendig, Lebensmittel in mundgroße Stücke zu schneiden. Dadurch wird es in der Tat schwieriger für kleine Babys, damit umzugehen. Bei der erforderlichen Größe und Form kann man sich an der Größe der Faust des Babys orientieren, wobei ein zusätzlicher Faktor zu berücksichtigen ist: Kleine Babys können ihre Faust nicht öffnen, um Dinge loszulassen. Das heißt, dass sie am besten mit Lebensmitteln klar kommen, die die Form von Chips oder einen ‚Griff‘ (wie der Stiel eines Brokkolistücks) haben. Sie können dann das Stück kauen, das aus ihrer Faust herausragt und den Rest später fallen lassen. Meistens passiert das, wenn sie nach dem nächsten interessant aussehenden Stück greifen. Wenn sich ihre Fähigkeiten verbessern, lassen sie weniger Nahrung fallen.

5. Wie sieht es mit Getränken aus?

Der Fettgehalt von Muttermilch steigt während einer Stillmahlzeit an. Ein gestilltes Baby erkennt diese Veränderung und nutzt sie zur Kontrolle seiner Flüssigkeitsaufnahme. Wenn es Durst hat, trinkt es eher nur kurz und vielleicht von beiden Brüsten, während es bei Hunger länger stillt. Dies ist der Grund, warum nach Bedarf gestillte Babys keine zusätzlichen Getränke benötigen, auch nicht bei heißem Wetter.

Dieses Prinzip kann während der gesamten Zeit des Übergangs zur Familienkost funktionieren, solange das Baby auf Verlangen stillen darf. Ein Glas Wasser kann trotzdem zu den Mahlzeiten angeboten werden – als  Gelegenheit zum Erforschen. Aber es besteht kein Grund zur Sorge, wenn das Baby es nicht trinken will.

Babys, die mit Milchpulver ernährt werden, brauchen ein etwas anderes Vorgehen, da Formula-Milch während der gesamten Mahlzeit dieselbe Konsistenz hat und daher weniger durstlöschend ist. Eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme wird sichergestellt, indem dem Baby in regelmäßigen Intervallen, sobald es kleine Mengen an Nahrung zu sich nimmt,  Wasser angeboten wird.

Wenn während der Beikosteinführung weiterhin Milchnahrung nach Bedarf gegeben wird, kann das Baby selbst entscheiden, wie und wann es seine Milchaufnahme reduziert. Sobald es bei gemeinsamen Mahlzeiten mehr isst, wird es nach einigen Milchmahlzeiten „vergessen“  zu fragen – oder wird bei einzelnen Mahlzeiten umso weniger trinken. Es gibt also keinen Grund, dass die Mutter das für das Baby entscheidet.

16 Grundregeln für die Beikosteinführung

  1. JA ✔ Biete Deinem Baby immer etwas zu Essen an, wenn jemand anderes in der Familie isst.
    Du kannst damit anfangen, sobald es Interesse zeigt, Dich zu beobachten – obwohl es unwahrscheinlich ist, dass es bereit ist, Nahrung in den Mund zu nehmen, bevor es etwa sechs Monate alt ist.
  2. JA ✔ Achte darauf, dass Dein Baby beim Experimentieren mit Nahrung in aufrechter Position sitzt.
    In den ersten Tagen kann man es auf den Schoß setzen, mit dem Gesicht zum Tisch. Sobald es geschickter darin wird, die Lebensmittel aufzuheben, ist es höchstwahrscheinlich auch reif genug, um mit minimaler Unterstützung auf einem Hochstuhl sitzen.
  3. JA ✔ Beginne damit, Nahrungsmittel in Baby-Faust-Größe anzubieten, vorzugsweise in Chip-Form (d.h. mit einem ‚Griff‘).
    Biete ihm, soweit möglich und sofern sie geeignet sind, die gleichen Lebensmittel an, die Du isst, sodass es sich als Teil des Geschehens fühlt.
  4. JA ✔ Biete eine Vielzahl von Lebensmitteln an.
    Es gibt keinen Grund, die Erfahrung Deines Babys mit Lebensmitteln einzuschränken. Genauso wenig wie bei Spielzeug.
  5. NEIN Dränge Dein Baby nicht.
    Erlaube ihm, das Tempo seines Handelns selbst zu bestimmen. Vor allem lass Dich nicht dazu verleiten, ihm zu „helfen“, indem Du ihm Dinge in den Mund legst.
  6. NEIN Erwarte nicht, dass Dein Baby schon bei den ersten Gelegenheiten und Versuchen erfolgreich Nahrung zu sich nimmt.
    Sobald es entdeckt, dass diese neuen Spielzeuge gut schmecken, beginnt es zu kauen und später zu schlucken.
  7. NEIN Erwarte nicht, dass ein kleines Baby anfangs jedes einzelne Stückchen Nahrung aufisst.
    Denk daran, dass es noch nicht die Fähigkeit entwickelt hat, an Nahrung zu kommen, die in seiner Faust steckt.
  8. JA ✔ Probiere abgelehnte Nahrungsmittel später noch einmal aus.
    Babys ändern oft ihre Meinung und akzeptieren später Lebensmittel, die sie ursprünglich abgelehnt haben.
  9. NEIN  Lasse Dein Baby NICHT allein mit dem Essen.
  10. NEIN Biete keine Nahrungsmittel an, die eine offensichtliche Gefahr darstellen, wie z.B. Erdnüsse.
  11. NEIN Biete keine „Fast Food“-Lebensmittel, Fertiggerichte oder Lebensmittel an, die Salz oder Zucker zugesetzt haben.
  12. JA ✔ Biete Wasser aus einer Tasse an, aber machen Dir keine Sorgen, wenn Dein Baby kein Interesse daran zeigt.
    Insbesondere gestillte Babys werden wahrscheinlich noch einige Zeit lang ihr Bedürfnis nach Flüssigkeit aus der Brust stillen.
  13. JA ✔ Sei auf das Chaos vorbereitet!
    Eine saubere Plastikfolie auf dem Boden unter dem Hochstuhl
    wird Deinen Teppich schützen und das Aufräumen erleichtern. Außerdem kannst Du damit
    Lebensmittel, die fallen gelassen wurden, zurück auf den Teller legen, sodass weniger verschwendet wird. (Du wirst auf angenehme Weise überrascht sein, wie schnell Dein Baby lernt, mit sehr wenig Unordnung zu essen!)
  14. JA ✔ Lass Dein Baby weiterhin stillen, wann immer es will, solange es will.
    Stell Dich darauf ein, das sein Stillrhythmus sich ändert, wenn es beginnt, mehr feste Nahrung zu sich zu nehmen.
  15. JA ✔ Wenn Du in Deiner Familie eine Nahrungsmittelunverträglichkeit, Allergie oder Verdauungsprobleme hast, bespreche diese Methode der Beikosteinführung auf jeden Fall mit verschiedenen Fachpersonen, bevor Du damit beginnst.
  16. JA ✔ Genieße es auf jeden Fall, Deinem Baby dabei zuzusehen, wie es etwas über Ernährung lernt – und dabei seine Fähigkeiten, mit Händen und Mund umzugehen, weiterentwickelt.

16 Grundregeln zum Download und Ausdrucken: 

16 Grundregeln für die breifreie Beikosteinführung


Übersetzung des Originaltextes von Gill Rapley „Guidelines for implementing a baby-led approach to the introduction of solid foods – updated, June 2008“ – übersetzt von Johanna Bose

Bilder:

©Shutterstock.com - Tanya Yatsenko

©bigstockphoto.com - zilvergolf

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