beikostreifezeichen

Beikostreifezeichen: Wie erkenne ich Beikostreife bei Babys?

Beikostreifezeichen erkennen – ab wann ist es Zeit für Beikost?

Eine Frage – mehrere Antworten zum Thema Beikoststart aus verschiedenen Zeitepochen!

  • 1956: Frau Dr. med. Hannah Uflacker vertritt in ihrem Ratgeber „Mutter und Kind“ aus dem Jahr 1956 die Meinung, dem Kinde „ab dem 4. Lebensmonat Obstsaft oder -brei zu zu füttern“.
  • 2008: Im GU-Buch „Unser Baby“ kommen die Autoren Frau Dagmar von Cramm und Herr Prof. Dr. med. Eberhard Schmidt zu dem Ergebnis „zwischen dem 4. und 6. Lebensmonat kleine Mengen Beikost zu füttern“.
  • 2020: Babykosthersteller Hipp behauptet auf seiner Homepage unter der Kategorie „Ratgeber“, dass die Milchnahrung nach dem 4. bis 6. Monat alleine nicht mehr ausreicht und empfiehlt daher die Erweiterung des Speiseplans – natürlich wie kann es anders sein – am Besten ausschließlich mit seinen Produkten.

Der ehemalige Kinderarzt meiner großen Tochter Madeleine (geb. 2016) vertrat übrigens auch die Meinung des großen deutschen Babynahrungsherstellers und verschenkt sogar voller Überzeugung Plastikdosen für das Pre-Milch-Pulver mit dem Logo des Babynahrungsriesen. Ein sinnvolles Geschenk für eine Mama, die ihr Baby stillt und im Alltag unnötiges Plastik vermeidet. „Hipp, hipp, hurra!“ (Achtung! Ironie!).

Die derzeitige Kinderärztin meiner zwei Töchter Madeleine und Baby Josepha (geb. 2019) betonte bereits mehrfach, dass Muttermilch recht früh nicht mehr alle wichtigen Vitamine enthält und verordnete Brei ab dem 4. Lebensmonat. Offensichtlich hatte bei ihr bisher noch kein Herr Hipp oder anderer Babybreihersteller geklopft, denn sie tendiert dazu, Brei selbst herzustellen.

Aber wie ist das denn nun? Braucht ein Baby wirklich so früh schon Beikost? Mutter Natur ist wohl bei der Zusammenstellung der Muttermilch ein Fehler unterlaufen! Zum Glück hat aber jemand all die schlauen Babymilch- und -brei und- wasserhersteller zur Welt gebracht, die den Fehler von Mutter Natur korrigieren (Achtung! Ironie!).

Komisch nur, dass die WHO (World Health Organization) anderer Meinung ist und dazu rät, sechs Monate ausschließliches zu stillen.

Ab wann denn nun Beikost?

Wenn man der WHO Glauben schenkt, ist wahrscheinlich um den 6. Lebensmonat herum ist der Zeitpunkt gekommen, an dem Dein Nachwuchs bereit für andere Nahrung ist. Jedes Kind ist allerdings individuell in seiner Entwicklung und Persönlichkeit. Achte also darauf, ab wann Dein Baby die sogenannten Beikostreifezeichen erfüllt.

Was sind die Beikostreifezeichen?

Für den Beginn mit der Beikost sollten sowohl motorische als auch kognitive Voraussetzungen gegeben sein. Das Baby sollte

  • den Kopf bereits selbst unter Kontrolle halten und
  • mit Unterstützung aufrecht sitzen können.
  • Es sollte fähig sein, etwas gezielt eigenständig in den Mund zu stecken und
  • der Zungenstoßreflex (also alles automatisch mit der Zunge wieder nach draußen zu schieben) sollte stark gemindert bis nicht mehr vorhanden sein.
  • Der Nachwuchs zeigt es meist deutlich, dass er Interesse hat am Familientisch mit zu essen und macht eindeutige Kaubewegungen.

Wenn diese Beikostreifezeichen erfüllt sind, ist Dein Kind bereit für feste Nahrung.

Beikostreifezeichen: Was sollten Mamas und Papas auf keinen Fall?

Lass Dir nicht reinreden

Auf keinen Fall sollten sich Eltern verrückt machen lassen von diversen Meinungen. So wie die oben beschriebenen. Dein Baby ist letztendlich selbst am Schlausten und wird seinem Umfeld schon verdeutlichen, was das Richtige und Beste für ihn ist. Und auch wenn Du kein Mediziner oder Pädagoge oder Ernährungscoach bist, mach Dir immer wieder bewusst, dass Du selbst der Experte in allen Bereichen für Dein Kind bist.

Niemals zum Essen drängen

Sein Kind zur Nahrungsaufnahme sozusagen zu nötigen und das Essen in den Mund zu schieben ist meiner Meinung nach der falsche Weg. Auch der oftmals von Eltern ausgesprochene Satz: „Schatzi, noch die drei Löffelchen Brei, dann ist das Glas leer“ ist meiner Ansicht nach unangebracht. Ein Kind sollte nicht mit Zwang in die Norm gepresst werden. Wenn es satt ist, sollte dies berücksichtigt werden und nicht noch gedrängt werden, die letzten Reste nun auch noch zu essen.

Dies wird sinngemäß in einem Beitrag aus dem Jahr 2017 auf der Homepage „Gesund ins Leben“ bestätigt. Dort heißt es:

„Das Kind entscheidet, wie viel es isst und trinkt. Wenn es die Mahlzeit frühzeitig beendet, dann genügen ein bis zwei Versuche, das Kind zum Essen zu ermutigen. Bleibt es beim „Nein“, dann werden keine Alternativen angeboten, sondern die Mahlzeit wird beendet. Werden dagegen die Hunger- und Sättigungssignale nicht beachtet, auf Dauer falsch interpretiert oder jedes Unwohlsein mit Essen beantwortet, kann dies zu zu großen oder zu kleinen Verzehrmengen führen. In der Stärkung der Selbstregulationsfähigkeit sehen Experten einen wichtigen Ansatzpunkt zur Übergewichtsprävention.“

Beikostreifezeichen: Was sollten Mamas und Papas unbedingt?

Auf Beikostreifezeichen warten

Eltern sollten meiner Meinung nach auf ihr eigenes gesättigtes Bauchgefühl hören und auf die oben erwähnten Beikostreifezeichen achten.

Baby niemals alleine lassen

Und wenn es dann soweit ist, sich absolut nie ablenken lassen! Das Baby niemals alleine mit dem Essen lassen oder gar im Liegen Essen erkunden lassen! Sollte sich der Nachwuchs verschlucken, nach Möglichkeit immer Ruhe bewahren. Das Kleine mit dem Bauch auf den Schoß legen und auf den Rücken klopfen.

Erste Hilfe für Babys lernen

Ich selbst habe an zwei erste Hilfe Kursen speziell fürs Baby/Kleinkind teilgenommen und mich dadurch absolut gewappnet gefühlt. In meiner Laufbahn als BLW-Mama musste ich bisher (Gott sei Dank) noch keine erste Hilfe beim Nachwuchs leisten. Mal abgesehen von kleinen Wehwechen, die man mit einem Kuss und einem selbst bemalten Pflaster in Windeseile heilt.

Fazit:
Ich bin absolut davon überzeugt, dass jede Mama und auch jeder Papa intuitiv weiß, was ihr Nachwuchs gerade benötigt.
Mit ein bisschen Gespür und Verstand erziehen wir unseren Nachwuchs zu ganz wunderbaren Persönlichkeiten. Mit einem früheren Beikoststart oder mit einem späteren! In jedem Fall mit einem ordentlichen Schuss Liebe! Denn davon kann man nie genug zu füttern.

Meine persönliche Erfahrung zum Thema Beikostreife

Zum Abschluss will ich mal erzählen, wie das bei meinen BLW-Kindern war. Bei Töchterchen Madeleine war es lange lange Zeit ausschließlich Muttermilch, von der sie sich ernährte. Sie zeigte erstmals mit 8 Monaten Interesse am Essen und entschied sich, Spätzle zu ihrem ersten Essen und schließlich auch zu ihrem Lieblingsessen zu ernennen.

Richtig regelmäßig und halbwegs nennenswerte Portionen aß sie jedoch erst mit über 12 Monaten. Bis dahin war Muttermilch und ab dem 7. Monat auch Ziegenmilch die Hauptnahrung. Bei Madeleine waren bzw. sind bis heute keinerlei Mangelerscheinungen oder gar Entwicklungsverzögerungen aufgetreten. Sie hat weder Über- noch Untergewicht.

Während Madeleine eher länger mit dem ersten richtigen Essen gewartet hatte, scheint Töchterchen Josepha mit ihren 5 Monaten bereits schon am Tisch mit essen zu wollen und hat auch schon eifrig Banane, Apfel, Gelbe Rübe (Übersetzung: Möhre), Nudeln und Pfannkuchen auf deren Beschaffenheit geprüft und gelutscht.

Mein eigener Beikost-Start

Aus der Praxis eines Papas, nämlich meines Papas: Mein leider bereits verstorbener Papa würde über all die „Gscheidhaferl und hungrigen Geldesel – studiert oder net“ (Übersetzung: klugen Menschen und Kapitalisten mit höherem oder niedrigerem Bildungsabschluss) und deren gesamtes „Gschwätz“ (Übersetzung: Gerede/Vorträge) nur lachen. Mein geliebter Papa war ein Mann der Tat und machte stets das seiner Meinung nach Richtige.

Zurück also in die 80er Jahre: Eines Tages saßen Papa und ich mutterseelenallein (die war nämlich gerade mit meinem großen Bruder unterwegs) am heimischen Esszimmertisch. Und wie wir so da sitzen und vor uns hin staunen, da knurrt es plötzlich. Nachdem wir jedoch zu dem Zeitpunkt weder Hund noch Katze hatten, musste es wohl Papas Magen sein. Und dieses Knurren war Zeit seines Lebens gefährlicher als jedes Vierbeiner Geknurre! Papa und schlechte Laune wegen Hunger, das ging gar nicht! Papa wusste sich jedoch zu helfen und deckte den Tisch mit allerlei Köstlichkeiten für eine deftige Brotzeit.

Da saß er nun und aß genüsslich! Doch da knurrte es erneut! Etwas leiser allerdings. Eher ein zaghaftes Knurren. Nachdem in der kurzen Zeit weder Katze noch Hund bei uns Unterschlupf gesucht haben, musste es wohl ein weiterer hungriger Magen sein. Und nachdem kein anderer in der Wohnung war erkannte mein Papa schnell, dass das Knurren aus dem Magen seiner sechs Monate jungen Tochter kam.

Und der Nachwuchs mit leerem Magen, dass war sogar noch unerträglicher als Papa „mit einem Loch im Bauch“. Schließlich tat die hungrige Tochter dem Papa nicht nur leid sondern auch seine eigenen empfindlichen Ohren. Kurzerhand legte er mir ein Stück Breze (mit oder ohne Salz darauf, das lässt sich nicht mehr rekonstruieren) und ein Stück Käse auf ein Tellerchen. Und schwups schon ebbte mein Geknurre und Geheule ab. Breze und Käse mussten von mir Feinschmecker ausgiebig untersucht und getestet werden.

Meine Mama fiel damals wohl aus allen Wolken, als sie entdeckte, wie mein Papa schnell und unkompliziert den bis dato nur mit Muttermilch gestillten Nachwuchs ruhig und zufrieden gestellt hat. Aber es muss wohl auch eine Wonne gewesen sein, mir beim Essen entdecken zuzusehen und so überzeugte ich meine Eltern davon, mich breifrei zu ernähren. Und das ganz ohne aufwändige Recherche in der Literatur oder im Internet. Breifrei als günstigere und unkompliziertere Variante sein Kind satt zu bekommen.

Woher kommen die falschen Empfehlungen zum Beikoststart?

Wahrscheinlich kennen wir es alle, ungefähr ab dem 4. Monat: „Die hat bestimmt Hunger!“ – „Jetzt gib ihm doch mal was richtiges zu essen.“ Deshalb noch kurz ein paar Worte dazu, welche Mythen oder veralteten Ansichten es zum Thema Beikostreifezeichen gibt und warum man Babys vorher lieber nichts zu essen geben sollte. Was spricht konkret dagegen, den Empfehlungen mancher Ärzte und Hipp zu folgen?

Babys zu kleinen Konsumenten machen?

Wir Menschen sind stets daran interessiert, alles immer noch schneller, digitaler und effizienter zu trimmen. Aber es gibt eben noch gewisse Dinge, bei denen wir unsere von Staat, Gesellschaft und Industrie eingetrichterte Denkweise an der Garderobe ablegen sollen. So eben auch bei vielen Angelegenheiten die unseren Nachwuchs betrifft. Menschenkinder brauchen nun mal ihre Zeit, um Dinge (kennen) zu lernen und sich an alles außerhalb des geschützten Mamabauchs zu gewöhnen. So ein kleines Wunder braucht neben Liebe in den ersten Monaten eben nur Mamamilch oder Pre-Nahrung zum Leben.

Weitere Empfehlungen sind meiner Meinung nach nur dazu da, möglichst früh möglichst viele Kinder an industriell gefertigte Nahrung zu gewöhnen und als zahlende, regelmäßige Kunden zu gewinnen.

Die Kinderärztin, bei denen ich die Standarduntersuchungen durchführen lasse, hat mir ziemlich schnell empfohlen, mit Beikost zu beginnen. Allerdings hat sie dabei noch nicht einmal kontrolliert oder nachgefragt, ob die Beikostreifezeichen bei meinem Baby überhaupt schon gegeben sind. Sie vertraut bei ihrer Empfehlung schlichtweg auf irgendwelche anderen schlauen Experten, die festgelegt haben, wann ein Baby bestimmte Sachen können soll (Kopf heben, krabbeln, brabbeln etc).

Jedes Kind hat sein Tempo

Diese Schriften der Experten sollen meiner Ansicht nach lediglich als Stütze dienen, damit man einen Anhaltspunkt hat, wie sich gesunde Kinder entwickeln können. Es sollte jedoch keine zwingende Vorgabe sein, wie sich alle Kinder in gewissen Zeiträumen entwickeln müssen. Jeder hat sein individuelles Tempo und das ist meiner Meinung nach gut so. Bei zu früher Beikosteinführung wird ein Baby eher Gesundheitsprobleme bekommen wie z.B. Allergien, spätere Gewichtsprobleme, Bauchweh (der Darm ist noch nicht ausgereift für anderes außer Milch).

Falsche Beikostreifezeichen

Nachdem sich ein Baby naturgemäß noch nicht für alle verständlich äußern kann, bietet diese Tatsache Raum für unzählige wilde Spekulationen.

Baby nimmt Dinge in den Mund

So wird einem Baby, das etwas in den Mund nimmt gerne auch mal unterstellt, dass es Hunger hat. Natürlich kann ein Baby damit auch mal verdeutlichen wollen, dass es hungrig ist. Meist ist dieses Händchen oder Gegenstände in den Mund stecken einfach nur eine Phase, die wohl jedes Baby durchläuft. Es gehört schlichtweg zur Hirnentwicklung alles erst mal in den Mund zu schieben.

Baby schmatzt

Ebenso wird einem schmatzendem Baby gerne unterstellt, Hunger zu haben. Schmatzen kenne ich von meinen Mädels eher als einen Ausdruck von Zufriedenheit. Wenn meine Kleine nach einer Milchmahlzeit schmatzt, sagt mir ihr Gesichtsausdruck, dass sie satt und glücklich ist und oftmals danach auch prompt friedlich schlummert.

Schmatzen verbunden mit Sabbern kann ein Zeichen dafür sein, dass die Zahnwurzeln die Zahnkronen nach oben schieben.

Baby schläft nicht durch

Sobald ein Kind mehrere Nächte immer wieder aufwacht wird ihm rasch unterstellt, hungrig nach fester Nahrung zu sein. Zudem herrscht in Europa überwiegend die Ansicht, dass ein Baby baldmöglichst durchschlafen sollte. Dabei ist das nächtliche Wachwerden ein angeborener Schutzmechanismus vor dem plötzlichen Kindstod. Meine Kleinste mit 5 Monaten wird öfters in der Nacht mal unruhiger (selten jedoch ganz wach), tastet dann nach mir (nahezu blind, da sie selten die Augen ganz aufmacht) und wird nach ein paar Zügen Mamamilch wieder ruhiger. Würde sie Brei oder andere feste Nahrung wollen, würde sie sicherlich sich mit ein paar Zügen Mamamilch nicht beruhigen lassen.   

Hinweis:
Ich bin keine Ärztin, keine Hebamme, keine Doula, keine Stillberaterin und keine Erzieherin, ich bin stolze Mama von zwei wunderbaren Töchter. In meinen Beiträgen gehe ich stets von gesunden Müttern und gesunden Kindern aus. Sollten Zweifel bestehen empfehle ich mit Fachkundigen persönlich das Gespräch zu suchen.

Bild: pohodzhay – bigstockphoto.com

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