Nüsse & Samen bei Babys

Als ich klein war, wussten meine Eltern nicht, dass Babys und Kleinkinder keine Nüsse essen dürfen. Zum Glück sind meine drei Brüder und ich trotzdem alle gesund groß geworden. Was hätte passieren können und ab wann Kinder bzw. in welcher Form auch Babys Nüsse essen dürfen, will ich Dir jetzt erklären.

Ab wann dürfen Babys Nüsse essen?

Nüsse gehören tatsächlich zu den gefährlichen Lebensmitteln für Babys und Kleinkinder. Allerdings nur ganze Nüsse und große Stücke. Denn ganze Nüsse sind mitunter rund und hart und können, wenn sich ein Baby daran verschluckt, die Luftzufuhr in der Luftröhre blockieren und zum Ersticken führen. Vor allem Erdnüsse (und ähnlich geformte Pistazien und Haselnüsse) geraten mit ihrer oval-rundlichen Form besonders schnell in die Atemwege. In ihrer Diplomarbeit an der Universität Graz fand Christiane Elsner heraus, dass 56% der verschluckten bzw. eingeatmeten Fremdkörper an der dortigen Notaufnahme Erdnüsse waren! Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gibt bekannt, dass mehr als die Hälfte der Fremdkörperaspirationen bei Kleinkindern Nüsse waren.

Aber auch größere Nussbrösel können in die Luftröhre gelangen, wenn ein Kind beim Essen hustet oder abrupt einatmet, weil es erschrickt. Man spricht dann von Aspirationsgefahr. Das Problem mit Nussbröseln ist, dass diese so leicht zerbröseln, dass sie selbst von Ärzten mit entsprechenden Werkzeugen (unter Vollnarkose mit einem Bronchoskop) nur schwer aus den Atemwegen entfernt werden können. Fremdkörper in der Lunge sind nicht nur unangenehm, sondern können eine lebensgefährliche Lungenentzündung verursachen.

Dürfen Babys also absolut keine Nüsse essen? Nicht ganz. Nussmus, Nussmehl und fein gemahlene Nüsse sind auch für Babys und Kleinkinder erlaubt – und erwünscht. Gehackte Nüsse für Kleinkinder sind dann okay, wenn sie verarbeitet sind, also zum Beispiel in einem Kuchen oder Keks. Löffelweise gehackte Nüsse würde ich nicht geben. Denn dann wird der Mund sehr trocken und es besteht, wie oben beschrieben, Aspirationsgefahr.

Wenn Du von Nussmus bisher noch nie etwas gehört hast: Cashewmus, Mandelmus, Haselnussmus, Erdnussmus und andere Erzeugnisse kannst Du im Biomarkt oder Drogeriemarkt jeweils ohne Zuckerzusatz kaufen. Während also Erdnussbutter oder Nuss-Nougat-Creme viel Zucker enthält, besteht Nussmus zu 100% aus Nüssen oder nur aus Nüssen und Öl. Theoretisch kannst Du Nussmus auch selber machen, meine Erfolge dabei sind aber bisher mäßig. Nussmus eignet sich gut als Brotaufstrich oder zwischendurch zum Naschen vom Löffel.

Gesunde Sattmacher

So können die Kleinen schon früh den Geschmack von Walnüssen, Pekannüssen, Mandeln, Macadamianüssen und was es alles gibt kennen lernen. Ein Baby von Anfang an an vielseitige Geschmäcker zu gewöhnen macht auf jeden Fall Sinn – umso reichhaltiger und damit gesünder wird die Ernährung im späteren Leben ausfallen.

Und in jedem Fall sind Nüsse ein wertvoller Bestandteil im Ernährungsplan. Denn sie enthalten sehr viele Nährstoffe, sowie:

  • gesunde Öle (mehrfach ungesättigte Fettsäuren)
  • langkettige Kohlenhydrate, die länger satt machen und für eine gesunde Darmflora sorgen
  • je nach Sorte Magnesium, Eisen, Selen
  • Folsäure, Vitamin E

Weil Salz und andere Zusatzstoffe, weniger gesund sind, sollten gesalzene oder ummantelte Nüsse in der Kinderernährung besser nicht zum Einsatz kommen.

Allergiepotential in der Nuss

Auch wenn Nüsse, insbesondere Erdnüsse und Haselnüsse, sehr häufig Allergien auslösen können, dürfen auch Babys schon davon probieren. Ja, es wird sogar ausdrücklich empfohlen, auch im ersten Lebensjahr Lebensmittel mit hohem Allergiepotential zu geben. Denn entgegen früherer Annahmen hat sich herausgestellt, dass es die Wahrscheinlichkeit senkt, dass Kinder eine Allergie gegen Nüsse entwickeln.

Wenn Dein Baby allerdings Anzeichen einer Allergie zeigt, wenn es Produkte mit Nüssen isst, solltest Du einen Arzt aufsuchen. Solche Symptome können sein:

  • tränende, rote und geschwollene Augen
  • Hautrötungen oder Ausschlag im Gesicht oder am ganzen Körper
  • laufende Nase
  • geschwollene Schleimhäute in Mund und Nase
  • Verdauungsprobleme wie Durchfall oder Bauchschmerzen
  • Übelkeit oder Erbrechen

Ab wann dürfen Kinder Nüsse essen?

Wie ist das jetzt aber mit ganzen Nüssen? Sind Nüsse im Kindergarten schon okay? Häufig heißt es, man soll Kinder erst Nüsse essen lassen, wenn sie auch „Nüsse“ schreiben können. Das wäre also in der ersten Klasse. Oft wird auch ein Alter von 5 Jahren angegeben, ab dem Kinder sicher Nüsse essen können.

Wir haben unseren heute 5-jährigen etwa ab 3 Jahren ganze Nüsse essen lassen. In dem Alter hatte er seine Backenzähne, um diese fein zu zermahlen und genug Übung im Selberessen – schließlich hatte er mit 6 Monaten mit fester Nahrung (Baby Led Weaning) begonnen. Allerdings habe ich lange darauf geachtet, dass er Nüsse nicht irgendwo unterwegs im Rennen futterte, sondern in Ruhe im Sitzen oder Stehen kaute. Auch ließ ich ihn nie beim Nüsse essen allein, sondern blieb immer bei ihm.

Das heißt, Kinder dürfen Nüsse essen, wenn:

  • das Gebiss ganz ausgewachsen ist
  • sie gründlich kauen und schlucken geübt haben
  • sie im Sitzen und unter Aufsicht essen
  • oder älter als 5 Jahre sind.

In meiner Lebensmittel-Fibel für Babys findest Du zahlreiche Infos zu verschiedenen Lebensmitteln. Wenn Du eines nicht findest, schreib mir unbedingt einen Kommentar oder eine Nachricht, damit ich das ergänzen kann!

Altersempfehlungen für andere Nuss-Sorten

Quellen:

  • Elissa M. Abrams and Allan B. Becker. Food introduction and allergy prevention in infants.
  • Christiane Elsner: Fremdkörperaspiration und -ingestion im Kindes- und Jugendalter: Häufigkeit und klinische Relevanz. Diplomarbeit Medizinische Universität Graz, 2012. 
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Erstickungsgefahr von Kleinkindern durch Nüsse. Presseinformation 37/2009

Bild: bigstockphoto.com – ©2YouStockPhoto

 

Auf Pinterest merken: 

baby-isst-nuesse