Ab wann dürfen Babys Hirse essen?

Früher war Hirse als glutenfreies, alternatives Getreide im Babybrei verbreitet für Kinder mit erhöhtem Allergierisiko. Heute dürfen und sollen auch solche Kinder mit familiärer Vorbelastung schon in den ersten Beikostmonaten glutenhaltiges Getreide essen – und trotzdem weiterhin Hirse.

Ab wann ist Hirse für Babys geeignet?

In Form von Hirse-Instantflocken oder gekochten Hirseflocken wird Hirse für den Babybrei ab dem 5. Monat empfohlen. Lange war Hirse vor allem als glutenfreie Alternative im Getreidebrei verbreitet für Babys, die eventuell empfindlich auf Gluten oder Weizen reagieren.

Allerdings haben Forscher in den letzten Jahren herausgefunden, dass ein früher Kontakt mit nicht allzugroßen Mengen Gluten die Gefahr, an einer Allergie oder Unverträglichkeit (Zöliakie) zu erkranken, sogar reduzieren kann. Statistisch gesehen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder an Zöliakie erkranken, um 25%, wenn sie erst nach dem 7. Lebensmonat mit Gluten vertraut gemacht werden.

Hirse als vegetarischer Eisenlieferant

Gleichzeitig erfreut sich Hirse nun aus einem anderen Grund immer größerer Beliebtheit: Hirse hat viele Mineralien, zum Beispiel Eisen (doppelt so viel wie jedes andere Getreide) für die roten Blutkörperchen und Muskeln. Vor allem für Eltern, die ihre Kinder vegan oder vegetarisch großziehen möchten, ist Hirse im Speiseplan also durchaus sinnvoll. Um die Eisenaufnahme für den Körper zu erleichtern, solltest Du Hirse für Babys mit Vitamin C kombinieren, also zum Beispiel mit einer Scheibe Orange oder einer roten Paprika.

Auch Kieselsäure für die Knochen, Knorpel und Bindegewebe, Kalium und Magnesium sind enthalten. Weil Kieselsäure auch eine positive Wirkung auf die Haut hat, wird sie übrigens für Babys und Kinder mit Neurodermitis ausdrücklich empfohlen.

Können Babys Hirse gut verdauen?

Hirse ist an sich sehr leicht verdaulich, es ist also unwahrscheinlich, dass Hirse beim Baby für Verstopfung, Bauchweh oder Blähungen verantwortlich ist.

Noch leichter verdaulich und am besten geeignet für die Breiherstellung sind Instant-Hirseflocken für Babys, denn hier findet man das Getreide in „aufgeschlossener Form“. Sie werden unter Hitzeeinwirkung aus Hirsemehl gepresst und lösen sich als Schmelzflocken in Verbindung mit Flüssigkeit sofort auf. Instant-Flocken müssen im Gegensatz zu rohen (gepressten) Hirseflocken nicht gekocht werden. Beide Produkte sind aber auf jeden Fall für Babys geeignet.

Allerdings solltest Du hier wissen, dass gepresste Hirseflocken und meist auch Hirse-Schmelzflocken nach dem Öffnen der Packung nur wenige Wochen haltbar sind. Denn die Öle aus dem Kern der Hirse reagieren mit Sauerstoff, sie oxidieren und werden ranzig. Dasselbe würde auch bei jedem anderen Mehl oder Getreideflocken passieren, allerdings werden die meisten anderen Getreideprodukte (wie Haferflocken oder Weizenmehl) einem industriellen Prozess unterzogen, der die gesunden Öle im Getreidekern zerstört und die Produkte so haltbar macht.

Ganze Hirsekörner lassen sich trocken sehr lange lagern, auch ohne Prozess zur Haltbarmachung. Hier wird empfohlen, für Babys nur geschälte Hirse (z.B. Goldhirse) zu verwenden. So werden die Gerbstoffe im der Getreidehülle entfernt. Gerbstoffe können die Aufnahme wichtiger Nährstoffe im Verdauungstrakt behindern. Außerdem lohnt es sich, die Hirsekörner vor dem Kochen 1-2 Stunden in Wasser einzuweichen. Dadurch werden, kurz gesagt, Prozesse im Getreidekorn in Gang gesetzt, die die enthaltenen Mineralien für den Menschen besser verfügbar machen.

Hirse im Brei

Wenn Du Hirsebrei für Dein Baby selber machen willst, kannst Du also Instant-Hirseflocken, gekochte Hirseflocken oder eingeweichte und gekochte Goldhirse verwenden. Sowohl Hirseflocken, als auch pürierte, gekochte Hirse, werden in den ersten Breiwochen meist durch ein Sieb gestrichen, um die Konsistenz entsprechend fein werden zu lassen.

Hirse bei Baby Led Weaning

Für die breifreie Beikosteinführung eignet sich Hirsebrei natürlich nicht. Hier eignen sich nur Gerichte mit Hirse, die Kinder selbst mit den Händen aufnehmen und in den Mund befördern können. Du kannst zum Beispiel Hirsebällchen anbieten, Hirsepuffer oder die Hirse in Kekse oder Muffins mischen. Erlaubt ist alles, was schmeckt.

Ist Hirse für Babys schädlich?

Vor einigen Jahren wurden in verschiedenen Hirseprodukten Verunreinigungen in Form von Stechapfelsamen gefunden. Diese Pflanze wächst in unmittelbarer Nachbarschaft zur Hirse und ist offenbar durch zu wenig Vorsichtsmaßnahmen unter die Ernte geraten. Stechapfel enthalten schädliche Pflanzenstoffe, die vor allem in Babyprodukten nichts zu suchen haben. Es ist davon auszugehen, dass die Qualitätskontrollen seitdem verschärft wurden – trotzdem gibt es seitdem das Gerücht, dass Hirse an sich schädlich sein könne.

Tatsächlich ist Hirse aber, wie eben erläutert, ein sehr gesundes Getreide.

Ab wann Hirsekringel oder Hirsestangen für Babys?

Im Babyregal im Supermarkt oder in der Drogerie gibt es zahlreiche Knabberprodukte mit Hirse, die mit verschiedenen Altersangaben (meist ab dem 8. Monat) angegeben werden. Bei diesem Alter geht es meist darum, dass die Snacks im Mund zunächst zerkleinert werden müssen, also keine Brei-Konsistenz haben. Auch wenn das sogar ohne Zähne, also lediglich durch das Hin- und Herschieben im Mund passiert, erfordert es mehr Zungenfertigkeit, als zum Beispiel ein Baby mit 4 Monaten aufweisen kann. Teils wird aber im 5. Monat schon dazu geraten, mit der Beikost zu starten. Dann solltest Du wirklich noch keine Hirsekringel geben.

Wenn ihr aber mit BLW in die Beikost startet, sind Hirsekringel von Anfang an kein Problem. Achte nur darauf, dass keine Zusatzstoffe wie Zucker oder Salz in den Produkten enthalten sind.

In meiner Lebensmittel-Fibel für Babys findest Du zahlreiche Infos zu verschiedenen Lebensmitteln. Wenn Du eines nicht findest, schreib mir unbedingt einen Kommentar oder eine Nachricht, damit ich das ergänzen kann!

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