Muss mein Baby Fleisch essen? 7 Mythen und Fakten

Auf den ersten Blick scheinen die Empfehlungen eindeutig: Babys brauchen Fleischbrei, und zwar spätestens ab dem 7. Lebensmonat. Und genau so haben es viele von uns auch selbst erlebt: Kinder müssen Fleisch essen, um “groß und stark” zu werden. Doch was ist dran am Mythos Baby & Fleisch? Muss ich meinem Baby Fleisch geben? Bei näherem Hinsehen sind nicht nur die scheinbaren Argumente für die frühe Einführung von Fleischbrei in der Babyernährung hinfällig, tatsächlich sprechen einige Argumente dagegen, es überhaupt zu tun. Einige dieser Argumente werden Dich vermutlich überraschen oder sogar schockieren, denn Fleisch kann wirklich gravierende gesundheitliche Folgen haben. Und das ist keine einfache Behauptung, sondern stützt sich auf wissenschaftliche Ergebnisse und Veröffentlichungen.

Soll ich meinem Baby Fleisch geben? 3 Mythen entkräftet

1. Ohne Fleisch droht Eisenmangel

Einer der häufigsten Gründe, früh von der Muttermilch oder Pre-Milch auf Fleischbrei umzusteigen ist in gängigen Ratgebern das Thema Eisenmangel. Rotes Fleisch sei der beste und beinahe konkurrenzlose Eisenlieferant für Babys. Dass das Eisen aus tierischen Produkten eine bessere Bio-Verfügbarkeit hat als Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln, stimmt tatsächlich. Allerdings lässt sich das ganz leicht ändern, indem man dem Körper zusammen mit der eisenhaltigen Nahrung Vitamin-C zur Verfügung stellt. Damit kann der Körper das Eisen besser absorbieren. Auch Muttermilch enthält übrigens Enzyme, die die Eisenaufnahme fördern. Stillen vor bzw. nach dem Essen hilft also ebenso. Fast ironisch finde ich auch, dass mittlerweile fast alle dieser Ratgeber, die Fleisch als unbedingt notwendig anpreisen, weiter hinten einen Absatz hinzugefügt haben. In diesem heißt es dann, dass auch pflanzliche Lebensmittel wie Hirse oder Hafer ausreichend Eisen enthalten. Im gleichen Atemzug wird dann auf den Vitamin-C-Trick verwiesen.

2. Die Eisenspeicher von Säuglingen sind nach 6 Monaten leer

Große Angst schüren auch immer wieder dubiose Studien bzw. Interpretationen von Studien, die folgenden Zusammenhang suggerieren: Gesunde Säuglinge kommen mit prall gefüllten Eisenspeichern zur Welt. Allerdings seien diese nach 4-6 Monaten aufgebraucht und nur durch möglichst viel Fleisch im Babybrei wieder aufzufüllen. Zuletzt wurde eine solche Studie 2010 veröffentlicht. Finanziert von der Agrarindustrie und unterstützt von diversen Gläschenherstellern. Ziel war es, zu beweisen, dass auch voll gestillte Kinder nach 4 Monaten schon Fleischbrei essen sollten. Die entsprechenden Schlussfolgerungen führten kurzzeitig sogar dazu, dass die Universität Bonn und das Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) vorübergehend empfahlen, Stillkinder mit fleischhaltigem Babybrei vor einem “gefährlichen Eisenmangel” zu schützen. Dass diese Interpretation der Datenlage relativ schnell von verschiedenen Experten als fehlerhaft entlarvt wurde, ändert nichts an der Verunsicherung, die solche Aussagen bei besorgten Eltern hinterlassen. Die Ratschläge der Großelterngeneration, für die Fleisch weiterhin ein sehr wertvolles Lebensmittel ist, tun zum Teil ihr übriges. Fakt ist dagegen, dass Muttermilch hochgradig bioverfügbares Eisen liefert (bis zu 50% davon können direkt aufgenommen werden, bei Nahrung sind es nur etwa 5%). Auch nach dem 6. Monat verwandelt sich die Muttermilch nicht wundersam in Wasser, sondern bleibt weiterhin wahnsinnig nahrhaft – und eisenhaltig. Bei Kindern, die im ersten Lebenshalbjahr voll gestillt wurden, stellt Eisenmangel im ersten Lebensjahr darum so gut wie nie ein Problem dar, sagt Gisela Janßen, Oberärztin der Abteilung Kinderonkologie und -hämatologie an der Uni-Klinik Düsseldorf. Auch aus biologischer Sicht kann das Eisenspeicher-Argument nicht stimmig sein. Denn in den Jahrzehntausenden der menschlichen Evolution, die ja unsere genetischen Grundlagen geprägt hat, gab es eine Situation wie die aktuelle kein einziges Mal. Säuglinge wurden a. nicht mit 6 Monaten abgestillt, b. nicht mit Brei ernährt, und es gab c. nicht an mehreren Tagen die Woche Fleisch zur Verfügung. Wären also die Eisenspeicher von Menschenbabys nach wenigen Monaten leer und nur durch fleischhaltigen Brei wieder aufzufüllen, hätten diese Kinder niemals überleben können. Zumindest nicht ohne schwerwiegende Schäden.

3. Mangel weiterer Nährstoffe ohne Fleisch

Seit ich mich selbst mehr und mehr vegan ernähre, höre ich immer öfter ein Vorurteil: Meine Kinder dürfte ich nicht vegan ernähren, denn sonst würden sie womöglich einen Nährstoffmangel erleiden und sich nicht richtig entwickeln. Immer mal wieder gibt es Schlagzeilen, dass irgendwo auf der Welt Eltern ihr Kind vegan ernährt hätten und dieses sich nicht richtig entwickeln würde. Tatsächlich gibt es diese Fälle auch bei omnivore ernährten Kindern genug – nur ist die Schlagzeile eben nicht so reißerisch. Also habe ich da mal genauer nachgelesen.

Es stimmt tatsächlich, dass vegan essende Menschen, so auch Kinder, die Nährstoffe Jod und Vitamin B12 aus Supplementen beziehen müssen. Laut einer aktuellen Studie scheint dies zumindest bei Vitamin B12 kein Problem zu sein. Jod dagegen fehlte Studienteilnehmern in jeder Ernährungsgruppe, genauso wie Calcium und Vitamin B2.

Kurz gesagt hat diese Studie ergeben, dass es in der Entwicklung zwischen den Kindern in der Studie keine signifikanten Unterschiede gab. Egal, ob sie vegan, vegetarisch oder mit Fleisch aßen.  Ich zitiere:

Vegetarische und vegane Kostformen sind offenbar auch im Kindes- und Jugendalter geeignet, ein altersgemäßes Wachstum sowie eine ausreichende Versorgung mit Makronährstoffen sowie den meisten Mikronährstoffen sicherzustellen. VeChi-Youth-Studie, 2020

Die Datenerhebung wurde an 401 Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Eine groß angelegte Studie zur veganen und vegetarischen Ernährung bei Babys und Kindern gibt es leider noch nicht. Hast Du Dich schon einmal informiert, wie genau Vitamin B12 und Jod ins Fleisch kommt? Tatsächlich kommt nichts davon mehr “natürlich” im Tier vor, sondern sie werden mit Supplementen gefüttert. Warum also können wir diese Supplemente nicht einfach selbst nehmen?

3 echte Fakten über Fleisch für Babys

Wirkliche gründe, Deinem Kind gegen Dein Gewissen oder gegen seinen Willen Fleisch zu geben, scheint es also nicht zu geben. Babys müssen kein Fleisch essen, um sich gesund zu entwickeln. Egal, wie Eltern ihr Kinder ernähren, sollten sie immer auf eine ausgewogene Zufuhr aller relevanten Nährstoffe achten. Bei meiner Recherche bin ich allerdings auf interessante Fakten gestoßen, die sich aus aktuellen Studien zum Thema Fleischkonsum ergeben – und nicht wie die oben beschriebenen Mythen ganz einfach widerlegen lassen.

1. Fleisch ist krebserregend

Ja, das klingt nach einer harten Behauptung angesichts der Kultur, in der wir leben. Im Jahr 2015 hat im Durchschnitt jeder Deutsche mehr als 60 kg Fleisch gegessen. Das ist in etwa das Gewicht einer Erwachsenen Frau wie mir! Nach wie vor empfehlen fast alle Ratgeber, dass zu einer ausgewogenen Ernährung Fleisch und Fisch gehört. Wie passt das zusammen?

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Immer noch gibt es das Gerücht, Wurst wäre etwas für Kinder. – bigstockphoto.com – ©Quality Stock Arts

Leider gar nicht. Denn seit längerem stuft die WHO Fleisch als “wahrscheinlich krebserregend” und verarbeitetes Fleisch (z.B. Wurst) als “krebserregend” ein. Wurst ist damit in derselben Klasse mit Zigarettenrauch! Unfassbar, dass meinem Kind an der Wursttheke trotzdem regelmäßig ein Würstchen angeboten wird! Eine Studie aus 2020 legt außerdem einen direkten Zusammenhang zwischen Rindfleisch und Milchprodukten und Krebserkrankungen nahe. Ein neuartiger Erreger, sogenannte Bovine Milk and Meat Factors (BMMFs) aus Rindern können sich auf den Säugling übertragen, dessen Immunsystem in den ersten Lebensmonaten noch wenig entwickelt ist. Im Magen-Darm-Trakt, so die Vermutung der Forscher, bleibt der Erreger und verursacht chronische Entzündungen. Diese Entzündungen erhöhen das Risiko einer Zellveränderung, die dann zu einer Krebserkrankung führen kann. Leider kann man den BMMF-Erreger nicht einfach durch Hitze oder andere Verfahren abtöten, denn es handelt sich weder um ein Virus, noch um ein Bakterium. Einzig die Muttermilch bietet derzeit einen Schutz gegen eine Infektion. Enthaltene Zuckerarten legen sich wie ein Schutzmantel über die Darmwand und verhindern ein Eindringen des Erregers. Darum empfehlen die Wissenschaftler auch nicht einen generellen Verzicht auf Produkte vom Rind, sondern eine möglichst lange Stillzeit. Wenn das Immunsystem ausgereift ist, droht vor dem Erreger angeblich keine Gefahr mehr.

2. Zusammenhang zwischen Fleisch und Zivilisationskrankheiten

Weiterhin vermuten Forscher einen Zusammenhang zwischen dem Konsum tierischer Lebensmittel, insbesondere Fleisch, und Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes Typ II. Die enthaltenen Fette sollen sich in den Arterien einlagern und diese verengen. Laut einer 2009 durchgeführten Studie könnten jährlich etwa 18.000 Todefälle durch zu hohen Fleischkonsum vermieden werden. Genauere Zusammenhänge konnten allerdings noch nicht ausgewertet werden. Die Kosten für das Gesundheitssystem sind in jedem Fall enorm – sodass es schon Stimmen gibt, die in diesem Zusammenhang eine Fleischsteuer erheben wollen.

3. Fleisch zerstört unsere Umwelt

Auch im Hinblick auf die Welt, in der Dein Kind leben wird, sollest Du überdenken, ob Fleisch eine gute Idee ist. Denn die Viehzucht und Fleischproduktion zerstört nachweislich unsere Umwelt und unser Klima. Die Klimakatastrophe scheint kaum mehr aufzuhalten und braucht die Mithilfe eines jeden Einzelnen. Durch das frühe Gewöhnen an ein Lebensmittel schaffst Du Gewohnheiten für das restliche Leben. Das heißt, dass Du es Deinem Kind schwer machen wirst, später auf Fleisch zu verzichten. Wenn man den Berechnungen des Bestseller-Autoren Jonathan Safran Foer glauben schenkt, ist das aber der einzige Weg in eine lebenswerte Zukunft. Quellen:

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