Kann ich meinem Baby zu viel Obst geben?

Obst ist gesund, das weiß jedes Kind. Und lecker noch dazu. Da kann es phasenweise schon mal vorkommen, dass unsere Kleinen sich scheinbar fast ausschließlich von Früchten ernähren. Mein Großer zum Beispiel isst mit seinen vier Jahren immer noch vier Bananen auf einmal, nur um danach das Abendessen fast gänzlich zu verschmähen. Aber wie ist das eigentlich – kann ich ihn das ohne Probleme machen lassen, oder ist zu viel Obst für Kinder schädlich? Kann ich meinem Baby zu viel Obst geben?

Ich habe mich auf die Suche nach Antworten gemacht.

Die Inhaltsstoffe von Obst

Obst enthält von Natur aus Fruchtzucker (Fruktose). Dadurch ist es süß und bei Kindern meist sehr beliebt. Je nach Obstsorte ist mal mehr, mal weniger Fruchtzucker enthalten. Fruchtzucker hat genauer betrachtet keinerlei Mehrwert. Dazu später mehr.

Obst ist so gesund, weil die meisten Obstsorten Vitamine enthalten. Vor allem Vitamin C ist wichtig für unsere Abwehrkräfte und für die Aufnahme von Eisen aus der Nahrung. Aprikosen zum Beispiel enthalten Beta-Carotin, eine Vorstufe von Vitamin A. Bananen enthalten Vitamin B6, das für den Fettstoffwechsel, das Immunsystem und das Nervensystem benötigt wird. Wieder andere Obstsorten, zum Beispiel Orangen, enthalten Folsäure (Folat) und Antioxidantien (zum Beispiel Weintrauben und Beeren).

Auch Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium, oder Mangan finden sich in bestimmten Obstsorten.

Ballaststoffe sind wichtig für die Verdauung und die Darmflora.

Nicht zuletzt enthält Obst sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide oder Monoterpene. Diese helfen zum Beispiel beim Schutz gegen Krebs, unterstützen das Immunsystem oder den Zellschutz.

Hört sich also super an, oder? So, als könne man von Obst niemals zu viel bekommen? Ja. Aber.

Obst könnte andere Nahrungsmittel verdrängen

Ein zu Viel an Obst ist auf Dauer auch nicht förderlich. Natürlich musst Du nicht genau überwachen, wie viel Mango auf einmal Dein Baby oder Kleinkind in sich hineinstopft, weil es ihm gerade so schmeckt. Wenn Dein Kind sich allerdings ausschließlich von Obst ernährt, also gar nichts anderes essen mag, solltest Du Dir vielleicht schon Gedanken machen. Denn nicht alle Nährstoffe, die es für eine gesunde körperliche und geistige Entwicklung braucht, sind in Obst enthalten. Auch Gemüse, Proteine und Kohlenhydrate in verschiedener Form brauchen Kinder. Wenn also Obst die anderen Lebensmittel von Speiseplan verdrängt, könnte das langfristig zum Problem werden.

Obst enthält Säure

Je nach Obstsorte ist in den süßen Früchten auch jede Menge Fruchtsäure, zum Beispiel Apfelsäure, Citronensäure, Weinsäure, Salicylsäure usw. enthalten. Diese Substanzen werden oft auch chemisch hergestellt und z.B. in Reinigungsmitteln genutzt. Denn wie Säure das so an sich hat, wirkt sie teilweise ätzend.

Im menschlichen Körper kann es durch zu viel Säure zu einer Übersäuerung des Säure-Basen-Haushalts kommen. Mit vielfältigen Auswirkungen auf die Gesundheit. Essanfänger im Speziellen können häufig die Fruchtsäuren noch nicht so gut verdauen. Das äußert sich in einem wunden Po, Hautreaktionen, Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall.

Ganz nebenbei enthalten viele Obstsorten übrigens auch Allergene. Solange Dein Kind nicht unmittelbar auf eine Frucht reagiert, musst Du Dir aber keine Sorgen machen und brauchst die Obstsorte nicht zu meiden oder zu reduzieren. Das führt entgegen früher verbreiteter Emfpehlungen nicht zu einer Reduzierung des Allergierisikos. Im Gegenteil.

Fruchtzucker: Das Problem am Obst

Und dann gibt es da noch einen weiteren einen Haken: Den Fruchtzucker, auch Fruktose genannt. Der ist im Obst zu Haufen enthalten und hat vor allem negative Auswirkungen auf die Gesundeheit. Zum Beispiel führt er bei übermäßigem Verzehr zu Übergewicht und hohen Cholesterinwerten – und begünstigt so das Risiko, später an Diabetes zu erkranken oder einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden.

Fruktose fördert Diabetes-Risiko

Wie genau das funktioniert? Fruktose erhöht im Gegensatz zu Glucose den Blutzuckerspiegel nicht. Stattdessen wird er direkt in der Leber abgebaut und zu einer Vorstufe von Fett umgewandelt. Fruktose erhöht also das Diabetesrisiko nicht durch eine Überlastung der Bauchspeicheldrüse (wie Haushaltszucker bzw. Traubenzucker), sondern durch die Begünstigung von Übergewicht – ebenfalls ein Riskofaktor für die Zuckerkrankheit.

Fruchtzucker macht hungrig

Forscher konnten nachweisen, dass Fruktose uns außerdem nicht satt macht, sondern den Hunger im Gehirn weiter stimuliert. Das heißt, auch in diesem Zusammenhang führt Fruktose zu Übergewicht.

Fruktoseintoleranz

Manche Kinder oder Erwachsene können Fruchtzucker im Darm nicht richtig zerteilen und leiden dadurch an einer sogenannten Fruktoseunverträglichkeit. Sie leiden unter Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfällen, wenn sie Obst essen. Beobachte Dein Baby also – wenn Obst solche Effekte verursacht, solltest Du Deinen Kinderarzt dazu konsultieren.

Fruktose wirkt abführend

Sehr viel Fruktose auf einmal hat eine abführende Wirkung. Das heißt, wenn Dein Baby eine halbe Wassermelone auf einmal verdrückt, passiert im schlimmsten Fall folgendes: Es bekommt Bauchweh, Blähungen und Durchfall. Wenn der Fruchtzucker den Organismus verlassen hat, ist es überstanden. Es gibt keine langfristigen negativen Wirkungen von zu viel Fruktose auf einmal.

Kann ich meinem Baby also zu viel Obst geben?

Bedeutet das Fruktose-Problem im Umkehrschluss denn nicht, dass unsere Babys lieber die Finger vom Obst lassen sollten? Immerhin schaffen wir in den ersten Lebensjahren das Fundament für spätere Ernährungsgewohnheiten. So könnte zu viel Obst im Babyalter zu zu viel Fruktose im späteren Leben führen, oder?

Ganz so einfach ist es nicht. Denn die schädlichen Effekte, die ich oben beschrieben habe, treten erst bei einer übermäßigen Zufuhr über einen längeren Zeitraum hinweg auf.

Bei den meisten Menschen ist aber eher das Gegenteil der Fall: Sie essen über den Tag verteilt viel zu wenig Obst – oder in einer Form, in der der Fruchtzuckeranteil enorm erhöht ist, zum Beispiel in Säften und Softdrinks, eingedickten Fruchtpürees oder mit Fructose gezuckerten Süßspeisen. Auch in scheinbar nicht süßen Lebensmitteln wie Fertigpizza oder Saucen ist Fruchtzucker enthalten. Der Grund: Das Süßungsmittel ist günstig und doppelt so süß wie Traubenzucker.

In diesem Fall hast Du also alle negativen Effekte von Fruktose, ohne die dringend benötigten Vorteile in Form von Vitaminen, Ballaststoffen, Antioxidanten und Co.

Fazit: Obst musst Du nicht regulieren

Theoretisch kann man ein Baby zu viel Obst essen, in der Praxis ist das aber sehr unwahrscheinlich. Wenn Kinder hin und wieder mal sehr viel Obst auf einmal essen, ist das schlimmste, was passieren kann, dass sie Durchfall oder Bauchschmerzen bekommen. Das hat keine langfristig negativen Effekte.

Wenn Du unsicher bist, sprich mit einer Ernährungsberatung oder Kinderarzt /-ärztin.

Ansonsten solltest Du, statt den Verzehr von frischem Obst zu regulieren, lieber auf eine ausgewogene Ernährung achten und von Fertigprodukten und gezuckerten Joghurts, Getränken und Süßspeisen Abstand nehmen. Die Gefahr, dass Du Dein Baby an dauerhaft zu viel Obst gewöhnst, ist minimal. Die Gefahr, dass Du es an industriell hergestellte Lebensmittel und Fast Food gewöhnst, dagegen real.

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Bild: bigstockphoto – Natalia Deriabina

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