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Ab wann sollen Kinder mit Esslernbesteck anfangen?

Zuerst der Einfachheit halber für alle schnell-Rat-suchenden-Mamas-und/oder-Papas die wichtigsten Fragen und Antworten nachfolgend in Kurzform:

Ab wann darf ich meinem Baby einen Löffel geben?

Spielerisch und der Fairness halber (schließlich hat ja jedes Familienmitglied Besteck am Tisch) mit Beginn der Beikost. Wobei zielorientiertes effektives Löffeln aufgrund der erforderlichen Feinmotorik frühestens erst ab ca. 10 Lebensmonaten zu erwarten ist.

Ab wann darf ich meinem Baby eine Gabel geben?

Eine Gabel würde ich dem Baby erst dann geben, wenn es die Versuche, den Löffel an Alles in Reichweite zu Klopfen und zu Hämmern, hinter sich hat. Bei meiner großen Tochter war dies mit ca. 10 Lebensmonaten der Fall. Mit einer Gabel wird sich der Nachwuchs auch leichter tun. Aufspießen statt löffeln geht i.d.R. besser.

Ab wann darf ich meinem Baby ein Kinder-Messer geben?

Ab wann kann ein Baby mit dem Messer umgehen? Eigentlich gar nicht, würde ich sagen. Einem Baby würde ich nie ein Messer in die Hand geben! Denn auch ein Kinder-Messer kann ins Auge gehen! Mit 1 ½ bis 2 Jahren wird Dein Kleinkind vermutlich viel selbst machen wollen. Auch das Schneiden mit dem Messer. Mit einem Kinder-Messer kannst Du – natürlich immer unter Aufsicht! – Dein Kind üben lassen wie man z.B. eine Banane klein schneidet.

Warum Esslernbesteck für Kinder?

Na das liegt doch auf der Hand! Kleines Besteck für kleine Leute und großes für große Leute! Wer möchte denn als Erwachsener seine Suppe mit der Suppenkelle löffeln? – So ungefähr würden sich nämlich die Kleinen fühlen, wenn sie mit Erwachsenenbesteck hantieren müssten.

Warum ist Esslernbesteck besser für Kinder?

Was sind nun eigentlich konkret die Vorteile von Esslernbesteck? Zunächst einmal ist Esslernbesteck in der Größe angepasst, also klein.

Zudem gibt es wunderschöne kindgerechte Motive auf den Griffen.

Die Griffe sind etwas breiter um eben handlicher für Kinderhände zu sein.

Die Kindergabel und das Kindermesser sind nicht so spitz und scharf wie Erwachsenenbesteck. Das dient der Sicherheit.

Manche Löffel sind auch so geformt, dass der vordere Teil gebogen ist. Dies hat den Hintergrund, dass die Motorik der Kleinen erst noch reifen muss. Ein Baby kann die erforderliche Drehung des Handgelenkes nicht von Anfang an. Das erfolgreiche Drehen des Handgelenks (ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung) klappt meist erst mit ca. 18 Monaten. Bis dahin haben sich schlaue Menschen als kleine Hilfe ausgedacht, den Kinderlöffel vorzubiegen, um dem Baby das selbst Essen, also das erfolgreiche Löffel-in-den-Mund-schieben zu erleichtern.

Kriterien für Kinderbesteck ab 1 Jahr

Meiner Erfahrung und Recherche nach solltest Du beim Kauf eines guten Esslernbestecks auf folgende Punkte achten:

– hochwertige Verarbeitung
– für Umweltschutz und Langlebigkeit: Edelstahl (plastikfrei)
– es muss Eltern und Kind gefallen (kindgerechtes Motiv/Gravur)
– abgerundete Gabelspitzen, abgerundetes nicht scharfes Messer
– spülmaschinenfest

Ab wann darf ich meinem Baby Esslernbesteck geben?

Soviel in aller Kürze. Nun die Version für all diejenigen Mamis und/oder Papis, die gerade zu den Glücklichen zählen, die a) im Moment eines oder mehrere schlafende Kind/er haben und b) selbst gerade Zeit und Muse haben und nicht selbst zu müde sind, um die ausführlicheren Antworten zu lesen:

So einige von Euch kennen wahrscheinlich den alten Spruch aus dem Volksmund bzw. evtl. aus dem Mund der buckeligen Nachbarin:

„Messer, Gabel, Schere, Licht – sind für kleine Kinder nicht!“

Natürlich sind Messer, Gabel, Schere und Licht kein Spielzeug! Es sind vielmehr Hilfsmittel, die Groß und Klein den Alltag erleichtern. Ich bin der Meinung, dass wir Erwachsenen Kinder nicht schützen, indem wir ihnen etwaiges Gefährliches vorenthalten. Gerade, wenn sie etwas von Erwachsenen verboten bekommen, ist es doch erst recht interessant für Kinder und wird dann eben heimlich ausprobiert – und geht dann erst recht schief.

Den richtigen Umgang begleiten

Daher bin ich der Meinung, dass man nach und nach den Kindern zeigen und erklären soll wie etwas funktioniert und auch auf mögliche Gefahren aufmerksam machen muss (jedoch möglichst ohne den Kindern unnötig Angst davor zu machen, sondern eben eher den verantwortungsvollen Umgang zu lehren). Den Kindern sollte bewusst sein, dass gewisse Gegenstände nur in Gegenwart von Erwachsenen benutzt werden dürfen. Selbstverständlich ist dies nicht so zu verstehen, dass ich mich vor mein Baby setze, ihm Messer, Gabel, Schere und Licht in die Patschehändchen drücke und einen Vortrag über diese Gegenstände halte. Alles hat seine Zeit!

Am Anfang geht alles durch die Hände

Sobald Dein Baby sich für Essen interessiert und auch wirklich alle Beikostreifezeichen erfüllt sind, kannst du mit Beikost in Form von in Streifen/Stiftform geschnittenes Gemüse/Obst etc. beginnen. Statt Besteck wird Dein Nachwuchs seine Patschehändchen nehmen und nach dem vor ihm Hingelegten greifen. Das ist auch richtig so. Denn erst einmal braucht Dein Baby Zeit, das Essen mit seinen Händen bzw. Fäustchen zu erkunden. Dabei wird getestet wie es sich anfühlt, sowohl in der Hand als auch im Mund, ob man es matschen kann, ob es klebt, ob es sich als Haarpomade eignet, als Accessoire auf der Hose oder doch eher als Fußbodenbelag.

Als Mama, Papa und/oder große Schwester/Bruder braucht man in dieser Erkundungsphase Geduld und am Besten noch neben einen Wischmob zusätzlich einen stets hungrigen (Wisch-)mops.

Kinder lernen durch Nachahmung

Der Nachwuchs beobachtet gleichzeitig mit wachsendem Interesse seine ersten Idole, also Mama, Papa und große Geschwister, ausgiebig. Kinder lernen vieles durch Nachahmung. So eben auch das Essen und etwaige Tischmanieren.

Meine Töchter haben mit Beikostbeginn auch stets einen eigenen Löffel zu jeder Mahlzeit hingelegt bekommen. Der Fairness halber – schließlich hatte jedes andere Familienmitglied auch Besteck! Meine Töchterchen bekommen aber nur kleine Löffel, mit breitem Griff und am Liebsten plastikfrei. So ein Löffel lässt sich auch wunderbar werfen haben meine beiden Töchter schnell herausgefunden. Bevorzugt, wenn die Oma da ist, damit diese dann auch direkt ihre Dehnübungen durchführen kann.

Ab wann kann ein Kind mit Löffel und Gabel essen? Den Lernprozess unterstützen

Madeleine und Josepha wird das Essen nicht in den Mund gesteckt. Vielmehr lasse ich beide stets selbst das Essen einnehmen. Eines habe ich sowohl bei meiner großen Tochter als auch jetzt bei der kleinen Tochter getan: Ich nehme ab und an den Löffel und gebe etwas auf den vorderen Teil z.B. Joghurt oder Kartoffelbrei (am Besten etwas, dass am Löffel klebt und nicht gleich herunterflutscht) und reiche den Löffel dann meiner Kleinen weiter.

Was ich selten bis nie tue, ist, den Löffel in den Kindermund stecken und den Nachwuchs auf diese Weise füttern. Natürlich wäre es manchmal effektiver und sauberer, aber die Kinder lernen mit BLW viel rascher, eigenständig zu Essen. Töchterchen Madeleine dippte auch in der Zeit, als sie den Löffel noch nicht so recht als Löffel benutzen konnte/ wollte, einfach die Essensstifte in diverse Aufstriche oder in Quark. So benutzte sie ihre Gurken-, Gelbe Rüben- (Möhren-) und Brotstifte schlichtweg als Hilfsmittel, um in den Genuss der Dips zu gelangen. Relativ schnell konnte Madeleine, also bevor viele andere in ihrem Alter überhaupt das erste Mal eine Gabel und einen Becher in der Hand halten durften, problemlos selbst mit Löffel und Gabel essen und aus einem normalen Becher trinken (in dieser Kategorie gewinne ich meist das Eltern-Kinder-Quartettspiel).

Nach einigen Wochen/Monaten, bei Madeleine war es damals mit ca. 10 Monaten, wird der Löffel i.d.R. schon mit mehr Erfolg und viel Begeisterung als Schöpfhilfsmittel angenommen. Ich habe ihr mit ca. 10 Monaten auch schon eine Gabel in die Hand gedrückt, denn mit der Gabel konnte sie besser Essen aufnehmen.

Die Krönung des mit Besteck essen lernen ist das Verwenden vom Messer. Da große Messer für Kinderhände nicht sehr griffig sind und meist auch sehr scharf: Lass bitte Dein Kind stets nur ein Kindermesser benutzen. Bitte nicht falsch verstehen. (Kopfkino: Die 90jährige Mama deckt den Mittagstisch für sich und ihren 70jährigen Sohn. Der Sohn bekommt aber stets nur sein Kinderbesteck. So natürlich nicht!)
Zurück zu Löffel und Gabel, nein zur letzten Kategorie des Bestecks, nämlich dem Messer:

Lass Dein Kind einfach – natürlich nur unter Aufsicht! – sein Brot mit Butter oder einem Aufstrich bestreichen oder eine Banane klein schneiden. Zum einen sind das super einfach im Alltag zu integrierende Motorik-Übungen um das Verwenden des Messers zu erlernen und zum anderen schmeckt Essen, dass man selbst zerkleinert oder angerichtet hat, viel besser.

Abschließendes: Zugegeben, wenn ich in meinem „Mama und Kind“ Ratgeber aus den 50er Jahren nachschlage, entdecke ich so Einiges, dass mir die Haare zu Berge stehen lässt. Auch beim Thema Essen lernen war der vorgenannte Ratgeber wieder anderer Meinung als ich. Dort sollte erst ab dem 2. Lebensjahr die Mutter das Kind „planvoll unterstützen beim selbständigen Essen“. Der Zeitplan des Ratgebers schreibt vor, zu Beginn des 3. Lebensjahres selbständig essen und trinken zu können.

Im Internet bin ich noch auf folgende Sätze gestoßen:

„Ab drei Jahren kann der Nachwuchs üben, mit kindgerechtem Besteck zu essen. Mit vier bis fünf können das die meisten schon ganz gut.“

www.baby-und-familie.de

Hierzu darf ich anmerken: Mamis und Papis traut Eurem Nachwuchs mehr zu! Lasst Euren Kindern einfach mehr Zeit um Dinge, in dem Fall Essen, selbst zu erkunden. Naturgemäß dauert es bei dem einen etwas länger und bei dem anderen nicht. Ihr habt ja auch Individuen und ihr seid ja selbst welche!

Und falls Euer Nachwuchs doch noch etwas länger als erhofft bevorzugt mit seinen Fingern ist, dann lasst Euch nicht stressen. In Indien z.B. heißt es: „Essen mit Besteck ist wie die Liebe über einen Dolmetscher“. Dort isst man nämlich überwiegend mit der Hand. Aber nur mit der rechten. Die linke Hand wird überwiegend – wie auch in vielen arabischen Ländern – nach dem Toilettengang statt Papier zur Reinigung benutzt. Im Essen hat sie auch nach dem Waschen daher nichts zu suchen. Und aus Asien kennen wir ja die Stäbchen. Das ist aber eine andere Art der Essensaufnahme, die wir Erwachsene Nicht-Asiaten selbst erst mal üben müssten, bevor wir unseren Nachwuchs in der Nutzung von Stäbchen einweisen. Besteck ist westliche Kultur und auch noch nicht soooo lange in Benutzung (aber das ist wieder eine andere Geschichte).

Hinweis:
Ich bin keine Ärztin, keine Hebamme, keine Doula, keine Stillberaterin und keine Erzieherin, ich bin stolze Mama von zwei wunderbaren Töchter. In meinen Beiträgen gehe ich stets von gesunden Müttern und gesunden Kindern aus. Sollten Zweifel bestehen z.B. bei der Menge der Muttermilch empfehle ich mit Fachkundigen persönlich das Gespräch zu suchen.

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Bild: bigstockphoto.com – LALS STOCK