BLW Erfahrungen von Eltern breifreier Babys

meinungen B

Manchmal fragst Du Dich vielleicht, wie es anderen Eltern mit ihren BLW-Kindern so ergeht? Ob sie das „besser hinbekommen“ oder mit weniger doofen Sprüchen zu kämpfen haben? Ich habe Eltern nach ihren ersten BLW Erfahrungen gefragt.

Eltern erzählen: Unsere BLW Erfahrungen

Hanna: „Mein Mann war wie versteinert“

Schon als mein Sohn ein paar Wochen alt war, las ich ein Buch über die breifreie Einführung von Beikost. Als Mutter, die nach Bedarf stillt – und dieser Bedarf war bei meinem Sohn teilweise alle 30 Minuten – leuchtete mir schnell ein, warum das für mein Kind passender sein könnte, als Brei zu füttern. Außerdem hielt ich nicht viel von Fertig-Gläschen und selbst Brei einzukochen erschien mir auch etwas mühsam. Mit 5 Monaten merkte man immer deutlicher, wie er sich für unser Essen interessiert. Weil ich etwas von erhöhtem Allergierisiko und ausschließlichem Stillen für 6 Monate gehört hatte, hielten wir ihn noch davon ab. Insgeheim freuten wir uns aber beide auf „das erste Mal“ – obwohl, oder vielleicht gerade weil wir keinerlei Erfahrungen mit Baby Led Weaning hatten. Als er dann fast 6 Monate alt war, entschied ich eines Nachmittags, dass es jetzt so weit war. Ich hatte einen super Bio-Kürbis aus dem Garten meiner Eltern und machte daraus eine „richtige“ Lasagne für mich und meinen Mann und eine „Babylasagne“ für ihn. Die bestand nur aus Kürbisstücken und Lasagneplatten.

Mein Mann, etwas überrumpelt, bestand darauf, dass unser Sohn auf seinem Schoss sitzen sollte. Wir hatten uns immer vorgestellt, dass er vorsichtig untersuchen würde, was wir ihm da vorsetzen und es dann irgendwann zum Mund führen. Stattdessen nahm er auf der Stelle ein Stück Kürbis, das zudem etwas zu „matschig“ geraten war, vom Teller und warf es nach unten auf die Hose meines Mannes, ohne es auch nur anzusehen. Dann nahm er den kompletten Kinderteller, schwang ihn durch die Luft, sodass auch der restliche Kürbis auf meinem Mann bzw. dem Boden landete und knallte ihn ein paar Mal auf den Tisch. Danach warf er auch den Teller hinunter und war „fertig“.

Mein Mann saß da wie versteinert.

Alles war voller orangem Kürbis und er hatte wenig Lust, seine eigene Lasagne auch nur anzufangen. Ich musste lachen, doch er war wirklich gestresst angesichts so viel Gematsche und dem Kürbis überall. Danach gab es erst einmal ein paar Tage keine feste Nahrung mehr für den Kleinen und beim nächsten Mal waren wir besser vorbereitet.

Mit 14 Monaten kam unser Kind in die Kita. In diesem speziellen Konzept haben wir die Möglichkeit, gemeinsam mit unseren Kindern zu Mittag zu essen. Unser Sohn war es nach wie vor gewöhnt, mit den Händen zu essen und machte jeden Tag eine riesen Sauerei. Nach einigen Wochen wurde ich von der Erzieherin angesprochen, ob ich ihm nicht verbieten könne, mit den Händen ins Essen zu fassen. Immerhin könnten Kinder in dem Alter schon gut mit Löffel und Gabel essen. Seitdem mache ich den Platz meines Sohnes selbst sauber, damit sie nichts auszusetzen hat. Ich habe ihm nicht verboten, ins Essen zu fassen und später auch gelesen, dass Kinder erst mit 18 Monaten vernünftig mit Löffel und Gabel essen können.

Stefanie: „Dem Druck der anderen nicht nachgeben!“

„Alle“ sagten damals das Baby brauche Brei, weil es nicht mehr satt werden würde. Das Baby brauche Brei, damit es nachts durch schläft. Das Baby brauche Brei, damit die Eisenversogung gewährleistet wird. So und noch viele andere Sprüche durfte ich mir anhören. Mein Bauch sagte aber was anderes. Und so stillte ich trotzdem den kompletten 4. Monat und auch noch den ganzen 5. Monat. Die Stimmen der „anderen“ waren aber immer noch da und rumorten in meinem Kopf.
Mit 5,5 Monaten gaben wir unserer Maus erstmals abends Brei – in der versprochenen Hoffnung, sie würde endlich mal durchschlafen. Es war der Horror. Sie war die ganze Nacht wach und hatte Bauchschmerzen. Ok. Das war vielleicht nur die Umgewöhnung. Dachten wir zumindest. Also ein paar Tage später das gleiche wieder probiert. Keine Besserung – ein Kampf beim Essen und anschließend wieder Bauchschmerzen. Doch nicht nur sie fühlte sich offensichtlich nicht wohl – auch ich hatte ein schlechtes Gewissen und dieses untrübliche Gefühl „etwas falsch zu machen“.
Ich kann es leider nicht in Worte fassen – es war wohl einfach einer dieser Momente einer Mutter. Naja, daraufhin habe ich mich belesen und bin dabei auf BLW gestoßen. Neben den Tatsachen, dass ich mein Kind nicht füttern muss, es sich nach und nach im eigenen Ermessen selbst abstillt, es selbstständig alle möglichen Lebensmittel erkunden kann und dabei auch noch die Hand-Augen-Koordination gefördert wird, war es mir ein Vergnügen meinem Kind dabei zuzuschauen wie es wieder ein Stück unserer tollen, bunten Welt entdeckt und wir zudem alle zusammen essen können. Aber die „Nörgler“ (oder „Neider“?) hörten nicht auf zu reden. Das Baby würde nicht satt werden. Das Baby möchte sicher mal „was ordentliches“ essen. Probier doch wenigstens mal diesen Brei – oder jenen. Aber auch nach etlichen Gesprächen und Erklärungsversuchen kamen weiterhin die „anderen“ mit Sprüchen wie: „Das Baby möchte sicher mal Kartoffelbrei mit richtiger Butter drin.“ „Wieso bekommt das Baby kein Salz?“ „Nun kann es doch (endlich) mal ein Stückchen Kekse oder Kuchen probieren?“
Und als es dann bei uns das erste mal Spinat gab und ich diesen auch noch mit Knoblauch und Muskat würzte fanden die „anderen“ wohl nun endgültig ich bin durchgeknallt. Das sei nicht kindgerecht usw… Aber hey – die Sprüche wiederholen sich und werden irgendwann weniger! Und nachdem nun die „anderen“ unsere Maus beim Essen gesehen haben, kommen sie aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus. Das sieht ja schon so „erwachsen“ aus. Ich schmunzel dann immer in mich rein. Herrlich. Diese Blicke. Tja, was soll ich sagen. Ich würde es wieder so machen. Beim nächsten Mal jedoch mit der Ausnahme sofort auf mein Bauchgefühl zu hören und die Beikostreifezeichen abzuwarten. Wir haben damals einfach dem Druck der „anderen“ nachgegeben. Leider. Nun ist unsere Maus schon über 10 Monate, isst mal mehr mal weniger, wirft Essen auf den Boden und saut auch noch genauso viel rum wie am ersten Tag. Ja, wir müssen mehrmals täglich rund um den Esstisch wischen – aber das ist es mir wert. Dieser liebevolle Blick, wenn SIE UNS etwas zermatschte Gurke, ein Stück Pflaume oder bereits „vorgekautes“ Brot hinhält. Best Memories.
Ach ja…übrigens schläft sie immer noch nicht durch.

Franzi: „Bei Brei presste sie die Lippen zusammen und fing an zu weinen“

Als meine Kleine ca. 5 Monate alt war, stand ich euphorisch in der Küche und habe die verschiedensten, leckersten Breie gekocht, da das Interesse an Essen bei unserer Tochter stieg. Leider wurde der Brei bis auf das letzte Krümelchen wieder hervor gewürgt. Ich dachte mir dann, dass es einfach noch zu früh ist. An unserem Essen hatte sie aber weiterhin großes Interesse, so dass sie immer etwas auf die Hand bekam. Daran lutschte sie und beförderte es wieder nach draußen. Das meiste landete also auf dem Boden, aber manchmal fand ich auch etwas davon in der Windel. Dann gab es auch Tage, an denen sie einfach gar nichts Essen wollte. Ich habe einfach weiter gestillt wie bisher auch. Das Einzige, was sie immer wirklich gegessen hat, waren Orangenstückchen. Die hat sie ausgelutscht und die Haut wieder ausgespuckt. So kam es vor dass sie auch einfach nur Orange aß.
So mit 7 Monaten probierte ich es nochmal mit Brei. Diesmal auch mit Gläschen. Nun presste sie beide Lippen zusammen und fing an zu weinen. Ich wollte sie nicht unter Druck setzen und versuchte auch mich selber nicht unter Druck zu setzen. Zu dem Zeitpunkt entdeckte ich die Babyled Weaning Seite. Ich machte ihr also Gemüsewaffeln, Zucchinipuffer und bot ihr Gemüsesticks und Hirsekringel an. Zusätzlich durfte sie immer von unserem Essen probieren. Auch hier landete das Meiste auf dem Boden.
Doch jetzt, mit 8,5 Monaten, habe ich das Gefühl es tut sich etwas. Sie scheint mit mehr Appetit zu essen und schluckt tatsächlich auch Sachen runter. Sie trinkt auch etwas weniger Mutter Milch als vorher, was ich dann abpumpe. Da sie ja Brei verweigert, kann ich ihr kein Fleisch füttern. Zähnchen hat sie noch keine.
Nun machte ich mir Sorgen um die Eisenversorgung. Irgendwo hatte ich gelesen, Kinder ab 6 Monaten bräuchten 20-30 g Fleisch am Tag. Ich habe den Kinderarzt bei der U5 darauf angesprochen. Er meinte, ich solle es weiter mit Brei versuchen. Das ist für uns keine Lösung. Also konsultierte ich nochmal meine Mutter (FA und IBCLC): „Muttermilch enthält zwar wenig Eisen, dafür aber Lactoferrin, was das Eisen zum Kind transportiert. Industriemilch muss massiv mit Eisen angereichert werden, weil nur ein Bruchteil vom Kind verwertet werden kann (fehlendes Lactoferrin). Wenn du wirklich Sorgen hast, kann man auch den Eisengehalt bestimmen (Blutabnahme; was du sicher vermeiden möchtest). Wenn dann tatsächlich ein Mangel vorliegt, kann man Eisentropfen geben. Ich würde aber deinem Kind vertrauen, dass sie weiß, was sie braucht. Brei-Nahrung ist in vielen Ländern ganz ungebräuchlich für Babys. Nur die Deutschen stehen da so drauf.“ Ich werde mir also ab sofort weniger Sorgen machen und mehr Vertrauen haben. Die Kleine ist nämlich fit und munter und macht keinen Eindruck, dass es ihr an irgendwas fehlen sollte.

Nicole: Nennenswerte Portionen erst mit 1 Jahr

Bei meinem Töchterchen Madeleine war es lange lange Zeit ausschließlich Muttermilch, von der sie sich ernährte. Sie zeigte erstmals mit 8 Monaten Interesse am Essen und entschied sich, Spätzle zu ihrem ersten Essen und schließlich auch zu ihrem Lieblingsessen zu ernennen. Richtig regelmäßig und halbwegs nennenswerte Portionen aß sie jedoch erst mit über 12 Monaten. Bis dahin war Muttermilch und ab dem 7. Monat auch Ziegenmilch die Hauptnahrung. Bei Madeleine waren bzw. sind bis heute keinerlei Mangelerscheinungen oder gar Entwicklungsverzögerungen aufgetreten. Sie hat weder Über- noch Untergewicht. Während Madeleine eher länger mit dem ersten richtigen Essen gewartet hatte, scheint Töchterchen Josepha mit ihren 5 Monaten bereits schon am Tisch mit essen zu wollen und hat auch schon eifrig Banane, Apfel, Gelbe Rübe (Übersetzung: Möhre), Nudeln und Pfannkuchen auf deren Beschaffenheit geprüft und gelutscht.

Mein eigener Beikost-Start

Aus der Praxis eines Papas, nämlich meines Papas: Mein leider bereits verstorbener Papa würde über all die „Gscheidhaferl und hungrigen Geldesel – studiert oder net“ (Übersetzung: klugen Menschen und Kapitalisten mit höherem oder niedrigerem Bildungsabschluss) und deren gesamtes „Gschwätz“ (Übersetzung: Gerede/Vorträge) nur lachen. Mein geliebter Papa war ein Mann der Tat und machte stets das seiner Meinung nach Richtige. Zurück also in die 80er Jahre: Eines Tages saßen Papa und ich mutterseelenallein (die war nämlich gerade mit meinem großen Bruder unterwegs) am heimischen Esszimmertisch. Und wie wir so da sitzen und vor uns hin staunen, da knurrt es plötzlich. Nachdem wir jedoch zu dem Zeitpunkt weder Hund noch Katze hatten, musste es wohl Papas Magen sein. Und dieses Knurren war Zeit seines Lebens gefährlicher als jedes Vierbeiner Geknurre! Papa und schlechte Laune wegen Hunger, das ging gar nicht! Papa wusste sich jedoch zu helfen und deckte den Tisch mit allerlei Köstlichkeiten für eine deftige Brotzeit. Da saß er nun und aß genüsslich! Doch da knurrte es erneut! Etwas leiser allerdings. Eher ein zaghaftes Knurren. Nachdem in der kurzen Zeit weder Katze noch Hund bei uns Unterschlupf gesucht haben, musste es wohl ein weiterer hungriger Magen sein. Und nachdem kein anderer in der Wohnung war erkannte mein Papa schnell, dass das Knurren aus dem Magen seiner sechs Monate jungen Tochter kam. Und der Nachwuchs mit leerem Magen, dass war sogar noch unerträglicher als Papa „mit einem Loch im Bauch“. Schließlich tat die hungrige Tochter dem Papa nicht nur leid sondern auch seine eigenen empfindlichen Ohren. Kurzerhand legte er mir ein Stück Breze (mit oder ohne Salz darauf, das lässt sich nicht mehr rekonstruieren) und ein Stück Käse auf ein Tellerchen. Und schwups schon ebbte mein Geknurre und Geheule ab. Breze und Käse mussten von mir Feinschmecker ausgiebig untersucht und getestet werden. Meine Mama fiel damals wohl aus allen Wolken, als sie entdeckte, wie mein Papa schnell und unkompliziert den bis dato nur mit Muttermilch gestillten Nachwuchs ruhig und zufrieden gestellt hat. Aber es muss wohl auch eine Wonne gewesen sein, mir beim Essen entdecken zuzusehen und so überzeugte ich meine Eltern davon, mich breifrei zu ernähren. Und das ganz ohne aufwändige Recherche in der Literatur oder im Internet. Breifrei als günstigere und unkompliziertere Variante sein Kind satt zu bekommen.
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