Babys und Zimt

Alles, was Du wissen musst

Vielleicht hast Du auch schon mal gehört, dass Zimt für Babys gefährlich werden kann? Ganz so tragisch ist die Sache zum Glück meistens nicht – aber es schadet nicht, die wichtigsten Fakten zum Thema Zimt für Babys zu kennen. Denn in seltenen Fällen kann es tatsächlich sein, dass Zimt Deinem Kind schadet.

Ab wann dürfen Babys Zimt essen?

Babys dürfen ab Beikostreife Zimt essen, solange es sich um hochwertigen Ceylon-Zimt in normalen Mengen handelt. Häufig wird Zimt auch erst ab 10 Monaten empfohlen, wobei es dafür eigentlich keinen Anlass gibt. Gefährlich kann Zimt für Dein Kind nur in zwei Fällen werden:

  1. Cassia-Zimt (Sammelbegriff für günstigere Zimtsorten aus China) wird über längeren Zeitraum in zu hohen Mengen gegessen.
  2. Das Baby isst Zimtpulver in großen Mengen trocken ohne Flüssigkeit, sodass es in die Atemweg gelangt.

Welchen Zimt dürfen Babys essen?

Grundsätzlich gibt es also zwei Arten von Zimt:

  1. Den hochwertigen Ceylon-Zimt aus Sri-Lanka
  2. Den weniger hochwertigen Cassia-Zimt aus China

Der Unterschied liegt unter anderem im Kumarin-Gehalt des Zimts. Kumarin ist ein pflanzlicher Duftstoff, der über längere Zeit und in hoher Konzentration zu Leberschäden führt. Bei sehr empfindlichen Menschen kann das schneller passieren, bei anderen etwas länger dauern. In den meisten Fällen ist die Schädigung zum Glück reversibel, d.h .die Leber regeneriert sich, wenn die hohe Zufuhr des Wirkstoffs aufhört.

Um sicher zu gehen, sollte Dein Baby also nur Ceylon-Zimt essen. Um welchen Zimt es sich handelt, ist nicht immer auf der Packung ausgewiesen. Wenn außer „Zimt“ keine Angabe zu finden ist, würde ich immer davon ausgehen, dass es sich um kumarinhaltigen Cassia-Zimt handelt. Ceylon-Zimt schildern die meisten Hersteller als solchen aus. An einer ganzen Zimtstange kannst Du den Unterschied übrigens gut erkennen: Eine Ceylon-Zimtstange besteht aus vielen fein bröselnden Schichten und sieh im Querschnitt aus wie eine Zigarre. Cassia-Zimt dagegen sieht aus wie eine eingerollte, einzelne Rindenschicht.

Wie viel Zimt dürfen Babys essen?

Um Gesundheitsschäden zu vermeiden, hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine täglich zugelassene Höchstdosis an Kumarin festgelegt:

0,1 Milligramm Kumarin pro Kilo Körpergewicht

Diese Menge an Zimt kann ein Mensch dauerhaft, also jeden Tag und sein Leben lang essen, ohne dass Schädigungen der Leber zu erwarten sind.

Was das genau für Babys bedeutet? Ein Kind mit 12 kg Körpergewicht dürfte also 1,2 mg Kumarin täglich zu sich nehmen. Wie schnell dieser Wert erreicht ist, hängt von der Zimtsorte ab, die Du verwendest. Ceylon-Zimt enthält weniger Kumarin und es kommt eigentlich nicht vor, dass der Grenzwert erreicht wird. Mit dieser Sorte ist Zimt im Kuchen für Babys also kein Problem.

Bei Cassia-Zimt dagegen wurden Zimtsorten verwendet, die viel Kumarin enthalten. Durchschnittlich enthält Cassaia-Zimt laut BfR 3 mg Kumarin / Gramm Zimt. Das heißt, bei einem halben Teelöffel (2,5 Gramm) sind wir bereits bei 7,5 mg Kumarin – um ein Vielfaches mehr, als für ein Baby empfohlen wird. Leider ist der Kumaringehalt im Zimt nicht immer gleich, immerhin handelt es sich um ein Naturprodukt, auf das der Hersteller keinen Einfluss nehmen kann. So wurden bis zu fünfmal so hohe Konzentrationen gemessen wie der genannte Durchschnitt. Damit kämen wir mit einem halben TL  (2,5 g) Cassia-Zimt auf 25 mg Kumarin. Sogar für einen Erwachsenen ist dieser Wert kritisch – sofern er diese Menge auf längere Zeit täglich zu sich nimmt.

Baby hat Zimt gegessen – was nun?

Wenn Du davon also selten mal eine kleine Prise Zimt z.B. für Grießbrei verwendest, ist fast auszuschließen, dass irgendetwas passiert. Die Warnungen beziehen sich vor allem auf Produkte, die sehr viel Cassia-Zimt enthalten (z.B. gekaufte Zimtsterne) und bei denen die Gefahr besteht, dass ein Baby viel davon isst.

Übrigens wird Kumarin immer wieder auch eine krebserregende Wirkung zugeschrieben – stimmt das? Bei Versuchen mit Mäusen konnte tatsächlich ein Zusammenhang festgestellt werden, bei Menschen bisher nicht.

Trockener Zimt für Babys gefährlich

Wenn Dein Baby also mal ein Lebensmittel mit Zimt erwischt, musst Du Dir nicht gleich Sorgen machen. Anders sieht es aus, wenn es die ganze Dose Zimt in der Hand hat. Denn wer Zimtpulver ohne Flüssigkeit in größeren Mengen isst, kann daran ersticken. So habe ich von einem 4-jährigen gelesen, der nach dem Verzehr von Zimt gestorben ist. Das trockene Pulver im Rachen löst schnell einen Hustenreiz aus, wobei dann Zimt eingeatmet wird. In der Lunge kann es allergische Reaktionen auslösen oder eine schwere Lungenentzündung.

Dieser Erstickungstod durch die pulvrige Konsistenz von Zimt droht übrigens auch überwiegend jugendlichen Teilnehmern der sogenannten „Cinnamon-Challenge“. Ziel derselben ist es, einen Esslöffel Zimt ohne Flüssigkeit zu essen. Wenn Dein Baby puren Zimt gegessen hat, solltest Du ihm möglichst schnell etwas zu trinken geben.

Fazit: Zimt für Babys nur auf Dauer gefährlich

Und falls Du Dich jetzt fragst, was denn nun richtig ist im Umgang mit Zimt: Zunächst einmal keine Panik, wenn Dein Baby oder Kleinkind ein Lebensmittel mit Zimt gegessen hat, auch wenn es vermutlich Cassia-Zimt war. Es geht vor allem um die Dauerhafte Aufnahme hoher Kumarin-Konzentrationen. Damit das nicht passiert, solltest Du zuhause aber ausschließlich Ceylon-Zimt verwenden. Hier ist der Kumaringehalt so gering, dass bei normalem Gebrauch nichts passieren kann. Wenn Du auf der Verpackung keine Angabe über die Zimtart findest, kannst Du davon ausgehen, dass kumarinhaltiger Cassia-Zimt verwendet wurde. Denn dieser ist wesentlich preisgünstiger als Ceylon-Zimt.

Beim Stillen ist Zimt übrigens kein Problem, das Kumarin gelangt nicht in die Muttermilch.

In meiner Lebensmittel-Fibel für Babys findest Du zahlreiche Infos zu verschiedenen Lebensmitteln. Wenn Du eines nicht findest, schreib mir unbedingt einen Kommentar oder eine Nachricht, damit ich das ergänzen kann!

Quelle:

  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Fragen und Antworten zu Cumarin in Zimt und anderen Lebensmitteln. Aktualisierte FAQ vom 27. September 2012