Fleisch für Babys

Alles, was Du wissen musst

Gemäß gängigen Beikostempfehlungen wird Fleisch oft schon kurz nach dem Beikoststart in Breiform gegeben. Die Antwort auf die Frage, ab wann Babys Fleisch essen dürfen, scheint darum schnell beantwortet: Von Anfang an, also ab Beikoststart. 

Ab wann dürfen Babys Fleisch essen?

  • Babys dürfen ab Beikostreife Fleisch essen, also mit erfüllter Beikostreife.
  • Allerdings starten die meisten Eltern zunächst mit Gemüse. Das Baby wird mit einzelnen Gemüsesorten wie Karotte oder Pastinake an das Breiessen gewöhnt, danach erst werden Fleisch und Fisch eingeführt.
  • Eisen ist ein wichtiger Grund, warum Fleisch im klassischen deutschen Beikostplan vorgesehen ist. Die aktuellen DGE-Informationen bezeichnen die eisenreiche Beikost zwischen dem 5. und 7. Monat als wichtig. Der Gemüse-Kartoffel-Fleisch/Fisch-Brei liefert gut verfügbares Hämeisen, das vom Körper besser aufgenommen wird als Nicht-Hämeisen aus pflanzlichen Lebensmitteln.

Warum ist Fleisch in der Beikost interessant?

Fleisch kommt bei uns in vielen traditionellen und modernen Gerichten vor. Wenn auch das Baby Fleisch isst, ist es einfacher, für alle Familienmitglieder zu kochen. Grundsätzlich hat Fleisch den Vorteil, dass es einige sehr wichtige Nährstoffe liefert – und das in guter Bio-Verfügbarkeit. Das bedeutet, der Körper kann die Nährstoffe aus dem Fleisch gut aufnehmen. 

Eine fleischlose Ernährung ist in unserer Gesellschaft häufig mit Verzicht oder zusätzlichem Aufwand verbunden. 

Fleisch und Eisen

Ein weiterer guter Grund für Fleisch in der Beikost ist das gut bioverfügbare Eisen. Neugeborene verfügen zunächst über körpereigene Eisenvorräte, die nach den ersten 6 Lebensmonaten langsam abnehmen. Mit zunehmendem Alter bzw. dem Beginn der Beikost wird darum die zusätzliche Eisenversorgung über die Ernährung zunehmend wichtig.

Fleisch ist in der Beikost eine praktikable Möglichkeit, Eisen und hochwertiges Eiweiß zu liefern. Für eine ausgewogene Ernährung ist Fleisch trotzdem nicht zwingend erforderlich. Auch eine vegetarische Beikost ist möglich, wenn auf eine geeignete Auswahl und Kombination eisenreicher Lebensmittel geachtet wird.

  • Mittlerweile weiß man, dass Babys problemlos auch vegetarisch, d.h. ohne Fleisch, ernährt werden können. Dann solle man das Fleisch im Fleischbrei einfach durch eisenhaltiges Getreide (Vollkorn, Hafer, Hirse) ersetzen und mit Vitamin-C-reichem Obst oder Gemüse kombinieren, damit das Eisen besser aufgenommen werden kann.
  • Die Stiftung Kindergesundheit betont sogar, dass Vegetarier, die Milch und Eier essen, gesundheitlich von dieser Ernährung profitieren können. 
  • Die DGE hat kürzlich in einer Presseinformation konstatiert, dass vegan oder vegetarisch ernährte Kinder keine nennenswerten Unterschiede in der Entwicklung gegenüber mit Mischkost ernährten Kindern aufweisen. 

Einer der häufigsten Kritikpunkte an Baby Led Weaning bezieht genau auf die Sache mit dem Fleischbrei. Weil kleine Babys Fleisch ja nicht selbst kauen können, drohe ihnen ein Eisenmangel. Aber auch hier kann man den klassischen Fleischbrei problemlos durch vegetarische, eisenreiche Kost plus Vitamin C ersetzen. Eine Studie hat bei Babys keine Erhöhung des Eisenspiegels gezeigt, auch wenn regelmäßig starke fleischhaltiger Bei gefüttert wurde. Außerdem können Babys bei BLW auch einfach den eisenhaltigen Saft von Fleisch auch durch saugen und kauen heraus bekommen.

Du kannst Dein Kind außerdem in der Eisenaufnahme unterstützen, denn durch Enzyme in der Muttermilch wird die Eisenaufnahme erleichtert.

Welches Fleisch eignet sich für Babys?

  • In Frage komme laut Ratgebern bevorzugt Rind (enthält mehr Eisen), aber auch Lamm, Schwein und Geflügel in unverarbeiteter Form.
  • Wurst und stark verarbeitete Fleischprodukte sind nicht mit frischem Fleisch gleichzusetzen. Für Babys sind unverarbeitete, gut durchgegarte Fleischsorten die bessere Wahl.
  • Rohes Fleisch (Hackfleisch, Mett, Tatar) kommt für Babys nicht in Frage, denn es können gefährliche Bakterien enthalten sein, die erst durch das Garen abgetötet werden.
  • Qualität: Ob bio oder konventionell, bleibt letztlich eine persönliche bzw. finanzielle Entscheidung. Für die Ernährungssicherheit wichtiger sind eine gute Qualität, hygienische Verarbeitung und vollständiges Durchgaren. 

Wieviel Fleisch braucht ein Baby bzw. wie häufig?

  • Im klassischen deutschen Ernährungsplan wird der Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei regelmäßig angeboten.
  • Ein- bis zweimal pro Woche kann Fleisch dabei durch Fisch, vorzugsweise fettreichen Fisch, ersetzt werden. Fettreicher Fisch wie Lachs liefert die langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA und ist deshalb Bestandteil der Empfehlungen zur Beikost.
  • Grundsätzlich kannst Du Deinem Baby aber auch gar kein Fleisch oder nur sporadisch welches anbieten. Wichtig ist nicht unbedingt das einzelne Lebensmittel, sondern dass in der Ernährung Deines Kindes alle essentiellen Makronährstoffe (Fett, Proteine, Kohlenhydrate) sowie Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralien, sekundäre Pflanzenstoffe) vorkommen. 

Wie sollte Fleisch für Babys zubereitet werden?

  • vollständig durchgaren (braten, backen oder kochen)
  • keine rohen bzw. nicht ausreichend erhitzten Fleischprodukte
  • weiche, altersgerechte Konsistenz
  • keine harten Stücke, an denen sich das Kind verschlucken kann
  • bei BLW entsprechend der Entwicklung des Kindes anbieten
Rohes Fleisch ist für Babys nicht geeignet
Babys und kleine Kinder sollten kein rohes oder nicht vollständig durchgegartes Fleisch essen. Besonders rohes Hackfleisch, Mett und Tatar können Krankheitserreger enthalten. Fleisch sollte vollständig durchgegart werden.

Wie Fleisch für BLW zubereiten?

Für Kinder, die breifrei ernährt werden, solltest Du Fleischgerichte so zubereiten, dass Dein Kind sie selbstbestimmt mit den Händen essen kann: 

  • Fleischbällchen, Frikadellen oder Kroketten
  • Steakstreifen oder ein ganzes Stück Fleisch 
  • Hähnchenkeule oder anderes Fleisch am Knochen

Vermeide unbedingt, Formen von Fleisch anzubieten, bei denen sich Dein Kind verschlucken könnte. Zum Beispiel kleinere Stücke zähes Rindfleisch, das sich nicht ohne Backenzähne zerkleinern lässt, können eine Gefahr darstellen. 

>>Verschlucken und Ersticken: Erstickungsgefahr bei Baby Led Weaning

Wurst & Verarbeitetes Fleisch

Die IARC stuft verarbeitetes Fleisch als krebserregend für Menschen (Gruppe 1) ein. Wichtig zu sagen bleibt, dass diese Klassifikation die Stärke der Evidenz für eine krebserzeugende Wirkung, nicht die Höhe des individuellen Risikos beschreibt.

Zusätzlich enthalten Wurstwaren und verarbeitetes Fleisch meistens viel Salz, Konservierungsstoffe und andere Zusatzstoffe, die gesundheitlich bedenklich sein können. 

Ob Du als Erwachsener solche Produkte verzehren möchtest, musst Du selbst entscheiden. Für Babys und Kleinkinder würde ich sie keinesfalls auf den Speiseplan setzen. 

Vegetarische Alternativen zu Fleisch

Wenn Du Dein Kind, wie ich, überwiegend fleischlos ernähren möchtest, darfst Du nicht einfach das Fleisch streichen und anbieten, was sonst als Beilage gegessen wird – es sei denn, Du achtest schon immer auf eisenreiche Ernährung. 

Stattdessen solltest Du gezielt Eisenquellen und eisenreiche Gerichte kombiniert mit Vitamin C (z.B. Apfel, Orange, Zitronensaft) anbieten. Als pflanzliche Eisenquellen kommen zum Beispiel in Frage:

1. Hafer- oder Hirseflocken

Das BZfE nennt ausdrücklich Vollkornflocken aus Hafer oder Hirse als vegetarische Alternative zum Fleisch im Babybrei. Diese solltest Du mit Gemüse oder Kartoffeln und etwas Beikostöl kombinieren. 

  • Besonders praktisch für den Gemüse-Kartoffel-Brei.
  • Beide liefern Eisen; gerade Hafer ist eine gute pflanzliche Eisenquelle.

2. Hülsenfrüchte

Gut geeignet sind beispielsweise rote Linsen, Erbsen, Bohnen oder Kichererbsen, entsprechend weich gekocht und fein verarbeitet. Sie liefern sowohl Protein als auch Eisen.

3. Tofu oder Tempeh

Naturtofu kann ebenfalls Bestandteil einer vegetarischen Beikost sein. Auf Räuchertofu und stark gewürzte/verarbeitete Tofuprodukte solltest Du vorerst verzichten. 

Was ich nicht als „Fleischersatz“ für ein Baby nehmen würde: Fertigprodukte wie vegetarische Burger, veganes Hack, Seitan, veganer oder vegetarischer Aufschnitt, vegane Streichwurst usw. sind keine gute Wahl für Säuglinge. Solche Produkte können relativ viel Salz enthalten und sind häufig stärker verarbeitet.

Fazit: Babys dürfen, müssen aber kein Fleisch essen

Fleisch kann ab Beginn der Beikost angeboten werden und ist eine Quelle für gut verfügbares Eisen. Es ist für eine ausgewogene Beikost jedoch nicht zwingend erforderlich: Eine vegetarische Beikost ist möglich, wenn insbesondere auf eine ausreichende Eisenversorgung geachtet wird. In den deutschen Empfehlungen kann Fleisch im Gemüse-Kartoffel-Brei durch Vollkorngetreide wie Hafer- oder Hirseflocken ersetzt werden.

Wenn Du Fleisch anbietest, sollte es vollständig durchgegart, weich und altersgerecht zubereitet sein. Rohes Fleisch ist für Babys nicht geeignet.

Ob und wie häufig Fleisch auf dem Speiseplan steht, ist hängt von eurer Familienernährung ab. Entscheidend ist insgesamt eine abwechslungsreiche, nährstoffreiche, ballaststoffreiche Beikost.

In meiner Lebensmittel-Fibel für Babys findest Du zahlreiche Infos zu verschiedenen Lebensmitteln. Wenn Du eines nicht findest, schreib mir unbedingt einen Kommentar oder eine Nachricht, damit ich das ergänzen kann!

Quellen:

Altersempfehlungen für andere Fleischprodukte

Bild: bigstockphoto.com - zilvergolf

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