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Ab wann dürfen Babys Granatapfel essen?

Mein 4-jähriger Sohn liebt sie, die kleinen, roten Kerne des Granatapfels. Immer mal wieder leisten wir uns darum einen – zugegeben nicht ganz günstigen – Bio-Granatapfel. Seit nun der Kleine Bruder auch essen darf, liegt die Frage natürlich nahe: „Darf ich mit ihm teilen?“. Granatapfelkerne scheinen mir nicht gerade die beste Wahl für Babys, immerhin könnten sie sich an den runden Kernen ernsthaft verschlucken. Doch ab wann dürfen Babys Granatapfel essen? Und darf ich sie ihm in anderer Form, z.B. püriert, schon früher geben?

Ich habe also gründlich recherchiert und herausgefunden: Für Babys und Kleinkinder, die gerade erst essen lernen, ist Granatapfel in seiner ursprünglichen Form nicht geeignet. Ungezuckerter oder selbst hergestellter Saft oder Püree aus Granatäpfeln dürfen Babys ab 6 Monaten essen. Früher sollten Säuglinge wenn möglich überhaupt keine andere Nahrung als Muttermilch oder ersatzweise industriell hergestellte Säuglingsmilch erhalten. Zumindest empfiehlt das die WHO (World Health Organisation) und genauso alle Beikostberater, die ich kenne.

Verschluckungsgefahr für Babys durch Granatäpfel

Der Grund, warum mein Baby keine rohen, ganzen Granatapfelkerne essen sollte, ist schnell erklärt: Es besteht Aspirationsgefahr. Das bedeutet, dass aus Versehen ein Granatapfelkern in die Luftröhre statt der Speiseröhre meines Kindes gelangen könnte. Wenn man bedenkt, dass die Atemwege bei Babys nur etwa den Durchmesser eines Stabilos haben, könnte ein Granatapfelkern diese unter Umständen verschließen, z.B. wenn sie geschwollen / verengt sind oder der Kern besonders groß. Ohne geeignete Erste-Hilfe-Maßnahmen würde mein Kind daran ersticken.

Das man sich verschluckt, also etwas sprichwörtlich in den falschen Hals bekommt, kann jedem Menschen passieren. Allerdings ist die Gefahr bei Babys und Kleinkindern höher. Denn sie haben weniger Erfahrung und Zungenfertigkeit. Außerdem werden sie leicht abgelenkt oder halten während des Essens nicht still. Durch ruckartige Bewegungen, stoßartiges Einatmen oder Unachtsamkeit kann dann etwas weiter nach hinten rutschen, als es eigentlich sollte.

Wie wahrscheinlich ist es, dass sich ein Baby verschluckt?

Dass ein kleines Baby keine Granatapfelkerne oder andere kleine, rutschige Früchte bekommt, ist also eine Schutzmaßnahme. Aber keine Sorge, dass Babys tatsächlich ersticken, passiert sehr selten. Denn in der Regel greift ein Schutzmechanismus des Körpers, bevor überhaupt etwas so weit nach hinten gelangt: Der Würgereiz wird ausgelöst. Das passiert bei Babys noch viel, viel weiter vorne als bei Kleinkindern oder gar Erwachsenen. Während wir erst würgen, wenn das Essen schon fast in der Kehle steckt, wird bei kleinen Essanfängern der Würgereflex etwa mittig auf der Zunge ausgelöst.

Das ist auch der Grund, warum Baby-led Weaning Kinder so häufig würgen oder gar erbrechen. Das sieht gefährlich aus, ist aber eigentlich ein toller Schutzmechanismus des Körpers. Und das erklärt auch, warum BLW-Kinder eigentlich besser vor dem Verschlucken geschützt sind als Breikinder: Sie dürfen unter dem Schutz dieses früh ausgelösten Würgereflexes üben, wie man sicher und richtig isst. Bei Babys, die mit 12 Monaten anfangen, feste Kost zu essen, ist der Punkt, an dem der Würgreiz ausgelöst wird, schon wieder weiter nach hinten gewandert.

Kann man sich auch an Brei verschlucken?

Gefährlich wird ein Verschlucken übrigens nur, wenn das Essen

  1. in die Luftröhre, statt in die Speiseröhre gelangt.
  2. die richtige Größe hat, um die Luftröhre zu verschließen.

Auch kleine Teile der Nahrung oder Brei können in die Luftröhre gelangen. Weiche, breiige oder kleine Nahrungsbestandteile in den Atemwegen sind nicht unmittelbar gefährlich. Das heißt, Dein Baby kann daran nicht ersticken. Allerdings können durch Überreste von Essen in den Atemwegen gefährliche Entzündungen, z.B. eine Lungenentzündung, ausgelöst werden.

Ab wann dürfen Babys pürierten Granatapfel essen?

Granatapfel in weicher oder flüssiger Form dürfen Babys schon früher essen. Wann genau, da scheiden sich die Geister. Denn Granatapfeln enthält, wie die meisten Fruchtsorten, viel Fruchtsäure. Diese kann beim Baby zu Hautausschlägen oder Rötungen in der Windelregion führen. Der Grund ist, dass der Verdauungstrakt von Säuglingen noch nicht ganz ausgereift ist und die Fruchtsäure nicht gut abbauen kann.

So wird manchmal empfohlen, rohes Obst erst ab 8 – 12 Monaten zu geben. Ich persönlich halte davon nichts und würde Granatapfel in verarbeiteter Form, also gepresst oder zerdrückt, ab dem 7. Lebensmonat geben. Das heißt, das nächste Mal, wenn mein Sohn fragt, werden wir aus den Granatapfelkernen mit der Gabel eine matschige Konsistenz zaubern und dann darf er mit seinem kleinen Bruder teilen.

Die ersten Male, wenn mein Baby Granatapfel isst, werde ich seine Reaktion gut beobachten. Wenn er weder allergische Reaktionen zeigt, noch mit Unwohlsein, Durchfall oder Bauchschmerzen reagiert, sehe ich keinen Grund, ihm die kleinen Leckerbissen vorzuenthalten. Zumal er alles essen will, was sein großer Bruder isst.

Nährstoffe und Eigenschaften des Granatapfels

Und tatsächlich ist der Granatapfel, der auch Grenadine genannt wird, ein wahres Superfood. Er ist voller Vitamine, Mineralstoffe und sekundärer Pflanzenstoffe. Wie die meisten Früchte enthält Granatapfel Vitamin C. Dafür könnte man allerdings auch einen Apfel essen und sogar eine Orange hat mehr Vitamin C. Viel ungewöhnlicher sind die Vitamine B1, B2, B6 und B9 (Folsäure). Folsäure braucht der Körper für das Nervensystem. Da sich das Gehirn und zentrale Nervensystem von Babys rasend schnell ausbildet, brauchen sie Folsäure besonders dringend.

Auch Vitamin E und Beta-Carotin sind im Granatapfel in großer Menge enthalten. Außerdem liefert er Kalium, Kalzium, Magnesium, Phosphor, Eisen, Natrium und Zink.

Und ganz wichtig: Der Granatapfel enthält so viel Antioxidantien wie keine andere Frucht. Antioxidantien schützen die Zellen vor freien Radikalen und verlangsamen damit den Alterungsprozess, sie beugen Krebs vor und stärken das Immunsystem.

Für Erwachsene und ältere Menschen hat Granatapfel noch viele weitere positive Wirkungen wie zum Beispiel den Schutz des Herz-Kreislauf-Systems.

Granatapfel kaufen und zubereiten

Damit Dein Kind wirklich von den Vorteilen des Granatapfels profitiert und nicht unnötig durch Pestizide und Düngemittel belastet wird, ist es wichtig, den Granatapfel immer in Bio-Qualität zu kaufen.

Aus regionalem Anbau gibt es den Granatapfel nicht, das solltest Du wissen. Die meisten Anbaugebiete liegen in östlichen Ländern, zum Beispiel im Iran, Irak oder Israel. Das heißt, der Granatapfel hat einen langen Weg hinter sich. Das ist nicht gerade klimafreundlich. Und auch, wenn der Granatapfel lange lagerungsfähig ist, gehen wertvolle Inhaltsstoffe verloren, je länger er nach der Ernte liegt.

Wenn Du Dich schon mal gefragt hast, wie Du die Kerne aus dem Granatapfel bekommen sollst, ohne dass danach die halbe Küche und insbesondere Deine Hände rot werden, bist Du damit nicht allein. Ich habe früher Gummihandschuhe benutzt, um die Granatäpfel zu entkernen. Heute weiß ich, es gibt zwei ganz einfache Methoden:

  • Halbieren und mit dem Löffel draufhauen: Teile den Granatapfel in der Mitte in eine obere und eine untere Hälfte. Stelle eine Schüssel in die Küchen Spüle und halte den Granatapfel mit der offenen Seite nach unten darüber, möglichst tief über der Schüssel. Dann schlägst Du mit einem Esslöffel hinten auf den Granatapfel. So fallen die Kerne heraus und die Spritzer bleiben im Spülbecken. Deine Hände bleiben ebenfalls sauber.
  • Das Schälen und Herauspulen unter Wasser: Wenn Du den kompletten Prozess in einer großen Schüssel unter Wasser erledigst, verdünnt sich eventuell herauslaufender Saft sofort und färbt nicht Deine Hände. Gleichzeitig schwimmen die weißen Zwischenhäute oben, während die Kerne sich absetzen. Am Ende musst Du nur das Wasser abgießen und hast die leckeren Kerne. Aber Achtung: Die Granatapfelkerne sollten nie länger als nötig unter Wasser bleiben. Denn Vitamine sind teils wasserlöslich und werden dadurch herausgespült.

In meiner Lebensmittel-Fibel für Babys findest Du zahlreiche Infos zu verschiedenen Lebensmitteln. Wenn Du eines nicht findest, schreib mir unbedingt einen Kommentar oder eine Nachricht, damit ich das ergänzen kann!

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Bild: bigstockphoto – Irishasel