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Ab wann sollte ein Kind mit Messer und Gabel essen?

ab wann soll ein kind mit besteck essen

Häufig kommt diese Frage im Zusammenhang mit der Eingewöhnung eines Kindes in die Kita auf: Ab sollte eigentlich kann mein Kind mit Besteck essen können? Wann wird es ganz aufhören, die Hände als Hilfsmittel zu verwenden? Warum können andere Kinder das schon, aber meines nicht? Muss ich mein Kind mehr dazu anleiten?

Hände sind das natürliche Hilfsmittel

Tatsächlich ist Besteck etwas kulturell Bedingtes. Die Fähigkeit, mit Besteck zu essen, ist deshalb in der natürlichen Entwicklung eines Menschenkindes nicht verankert – sie muss bewusst erlernt werden. Während also die Hand-Mund-Koordination und die Aufnahme von Nahrung ganz von selbst und natürlich erlernt wird, erfordert das Essen mit Löffel und Gabel einen bewussten Lernprozess – und dauert deshalb viel länger. Kinder sehen, dass Erwachsene und ältere Geschwisterkinder mit Besteck essen und wollen das ausprobieren. Anfangs funktioniert das schlecht bis gar nicht. Nach wenigen Versuchen sind daher die meisten Kinder frustriert und greifen wieder auf die Hände zurück. Mit der Zeit verfeinern sie ihre motorischen Fähigkeiten dahingehend und können immer mehr mit Besteck essen.

Es gibt viele Kulturen und Regionen auf der Erde, wo nicht mit Löffel und Gabel gegessen wird. Dort lernen die Kinder, mit Stäbchen zu essen oder ein Leben lang die Hände zu benutzen. Denn die Hände sind die natürlichen Hilfsmittel, die uns zur Verfügung stehen. Deshalb ist es auch gut und richtig, dass ein Baby zuerst lernt, damit umzugehen und instinktiv auch die Nahrung mit den Händen aufnimmt. Das Essen mit den Händen hört bei Kindern in der Regel erst mit 3-4 Jahren auf. Auch an “Tischregeln” im engeren Sinne können sich Kinder dann erst halten. Kleinere Rituale wie “Hände waschen” oder “warten, bis alle sitzen”, können Kinder aber auch früher schon lernen.

Ab wann essen Kinder mit Besteck?

Um einen beladenen Löffel richtig zum Mund zu führen muss man das Handgelenk im Verlauf der Bewegung drehen. Probier die Bewegung ruhig mal aus. Diese Drehbewegung können kleine Kinder unter 18 Monaten aus anatomischen Gründen noch nicht durchführen. Erst später ist das Handgelenk richtig verknöchert und voll ausgereift. Deshalb drehen Kinder, wenn sie versuchen, den Löffel zum Mund zu bringen, ihn meistens kurz vor oder im Mund herum. Die Ladung landet dann entweder auf dem Lätzchen, oder bei geschickteren Kindern im Mund.

Manchen Kindern gelingt es auch früher schon, zu “löffeln”. Das ist aber dann nicht die typische Löffel-Bewegung, bei der sich das Handgelenk dreht. Diese Kinder nehmen den Löffel so in die Hand, dass die Dreh-Bewegung nicht nötig ist. Das sieht manchmal witzig oder unbeholfen aus und später wollen viele Eltern, dass die Kinder “richtig” essen.

Mit einer Gabel – vorausgesetzt, es ist eine “richtige” mit Metallzinken- können viele Kinder schon früher essen. Je nachdem, wie gut sich Lebensmittel auf der Gabel halten, haben Babys und Kinder diesen Vorgang sehr schnell erlernt.

Mit Messer und Gabel schneiden zu können dauert sehr lange. Mit einem Kindermesser Butter oder andere cremige Aufstriche auf ein Brot schmieren dagegen geht ab etwa 16 Monaten schon häufig ganz gut.

Wie bringe ich meinem Kind das Essen mit Messer und Gabel bei?

Vielleicht hast Du es Dir schon gedacht: Der genaue Zeitpunkt, wann ein Kind mit Besteck essen kann, ist individuell verschieden. Jedes Kind lernt unterschiedliche Dinge zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in seinem eigenen Tempo. Die gute Nachricht ist aber: Jedes Kind lernt früher oder später, mit Besteck zu essen. Vorausgesetzt natürlich, die Familie isst ebenfalls mit Besteck und bietet damit ein Vorbild, dem das Kind nacheifern möchte.

Neben dem individuellen Entwicklungsstand ist es auch förderlich, dem Kind Möglichkeiten zum Üben zu geben. Zugegeben, das bedeutet mehr Geklecker und damit mehr Aufwand für Dich als Elternteil, aber nur mit Übung kann ein Kind lernen. Hilfreich kann es auch sein, das Kind erst einmal Teile der ganzen Bewegung machen zu lassen und es beim Rest zu unterstützen. Wenn Du Deinem Baby ein paar Mal eine voll beladene Gabel gereicht hast und es diese erfolgreich zum Mund befördert hat, wird es geduldiger üben, auch selbst aufzuspießen. Denn der Rest klappt dann zumindest zuverlässig und sorgt häufiger für Erfolgserlebnisse.

Manchen Kindern hilft es auch, wenn Du den Bewegungsablauf einige Male mit ihnen zusammen durchgehst. Führe dabei die Hand deines Kindes, die den Löffel hält, vom Aufladen bis zum Mund und wiederhole das immer mal wieder. So weiß es zumindest schon, wie sich das anfühlt.

Von falschen Erwartungen frei machen

Vielleicht ist es Dir vor anderen, im Restaurant oder in der Kita unangenehm, dass Dein Kind noch nicht sauber essen kann? Du denkst, Dein Kind ist das einzige, das so lange braucht? Mach dir immer wieder bewusst, dass die meisten Kinder mindestens bis zum 4. Lebensjahr brauchen, um sauber essen zu können. Das ist normal – der Anspruch, dass Kinder möglichst früh perfekt essen sollen, ist ganz einfach überzogen und unnötig. Natürlich kann man sein Kind sehr früh dazu trimmen, die Hände wegzulassen und möglichst wenig Schmutz zu machen. Das entspricht allerdings nicht den Bedürfnissen und der natürlichen Entwicklung von Kindern und ist deshalb verbunden mit sehr viel Stress und Frustration auf beiden Seiten.

Mach dich frei von diesen falschen Erwartungen und gesteh Deinem Kind zu, genau das zu sein: ein Kind. Ein kleiner Mensch, der lernt und Fehler macht. Versuche, gedulig zu sein und mach Dir klar, dass diese Zeit nur ein ganz kleiner Teil eures gemeinsamen Lebens ist. Und diese Zeit wird vielleicht schneller vorüber sein, als dir lieb ist.

Und die anderen? Ganz ehrlich – wer erwartet, in unserer Welt nicht mit Kindern konfrontiert zu werden, wer ein Problem hat, weil diese laut, wild oder schmutzig sind, der sollte vielleicht zu Hause bleiben. Denn Kinder gehören zu jeder Gesellschaft, zu jedem Tierreich, zu jeder Kultur dazu – sonst gäbe es diese Kultur bald nicht mehr. Und Erwachsenen fällt es so viel leichter, auf die Bedürfnisse von Kindern Rücksicht zu nehmen, als anders herum.