Ab wann dürfen Babys Joghurt essen?
Joghurt kann im Rahmen der Beikost ab etwa 6 Monaten in geeigneter Form und Menge Bestandteil der Ernährung sein.
- im ersten Lebensjahr grundsätzlich nur die für den Milch-Getreide-Brei vorgesehene Menge von 200 ml pro Tag
- alternativ zu Milch kann Naturjoghurt (Vollfettstufe) verwendet werden
- zusätzliche Milchprodukte wie Joghurt/Fruchtjoghurt als Zwischenmahlzeit sollen im ersten Lebensjahr nicht gegeben werden.
>> Mehr dazu kannst Du auch in meinem Artikel über Milchprodukte lesen.
Naturjoghurt ist also grundsätzlich kein gefährliches Lebensmittel für Kinder. Allerdings enthalten Milchprodukte relativ viel Eiweiß, denn Kuhmilch enthält mehr und anderes Eiweiß als menschliche Muttermilch. Wird zusätzlich zum Milch-Getreide-Brei regelmäßig Joghurt, Quark oder andere Milchprodukte angeboten, kann die Proteinzufuhr unnötig hoch werden. Deshalb raten deutsche Empfehlungen von zusätzlichen milchhaltigen Zwischenmahlzeiten in der Beikostzeit ab.
Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass eine hohe Eiweißzufuhr im Säuglings- und Kleinkindalter, insbesondere aus Milch, mit einem erhöhten Risiko für späteres Übergewicht verbunden sein könnte. Deshalb wird empfohlen, die Eiweißzufuhr aus Kuhmilch und Milchprodukten im ersten Lebensjahr im empfohlenen Rahmen zu halten. Adipositas gilt als Risikofaktor für viele Zivilisationskrankheiten wie Diabetes Typ II und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Kuhmilch als Allergen
Wie jedes Milchprodukt kann auch Joghurt eine allergische Reaktion hervorrufen. Wenn in Deiner Familie eine Kuhmilcheiweiß-Allergie vorliegt und Du vorhast, solltest Du Joghurt darum vorsichtig einführen und Dein Kind gut beobachten. Wenn Du nur kurze Zeit zu stillen möchtest oder kannst, kann es z.B. Sinn machen, früh unter dem Schutz der Muttermilch (z.B. mit 6 Monaten) gelegentlich Milchprodukte zu geben.
>>Hier findest Du nähere Informationen zur Kuhmilchallergie bei Säuglingen.
Welcher Joghurt ist für Kleinkinder geeignet?
Fettreicher Naturjoghurt
Fettreduzierte Lebensmittel sind für Säuglinge und Kinder nicht die beste Wahl. Säuglinge haben einen hohen Energiebedarf und brauchen entsprechend energiereiche Lebensmittel. Darum sollte der Joghurt für Babys am besten mindestens 3,5% Fett enthalten. Auch Sahnejoghurt oder Griechischer Joghurt ist geeignet. Natürliche Fette sind eine gute Energiequelle und werden für zahlreiche Stoffwechselvorgänge benötigt. „Fett“ wird Dein Kind davon nicht, keine Sorge.
Joghurt aus Halbfettstufe (1,8% Fett) kannst Du ab und zu verwenden, wenn keine Vollfett-Variante verfügbar ist.
Keine Fruchtzwerge, Joghurt mit der Ecke und Co.
Egal, wann Du anfängst, achte darauf, welchen Joghurt Du kaufst. Denn leider enthalten vor allem Joghurts, die speziell für Kinder oder Babys ausgewiesen werden, Inhaltsstoffe, die genau für Kinder nicht geeignet sind – allen voran Zucker.
Solange Dein Kind diese Art von „Joghurt“ nicht kennt, wird es sie auch nicht vermissen. Du tust also der Gesundheit Deines Kindes einen großen Gefallen, wenn Du es möglichst lange dabei belässt. Denn darüber, dass zu viel Zucker für Babys und Kleinkinder ungesund ist, gibt es keinen Zweifel. Auch darüber, dass das aggressive Marketing von Herstellern ungesunder Lebensmittel mit der Zielgruppe Babys & Kleinkinder aufhören muss, herrscht längst Konsens. Leider haben Selbstverpflichtungen der Industrie bisher nicht viel gebracht und nur wertvolle Zeit verstreichen lassen.
Wenn Du für Dein Kind einen Joghurt mit Geschmack möchtest, mische doch einfach geeignetes, frisches Obst oder Tiefkühlfrüchte in den Joghurt!
Gute Qualität
Ansonsten würde ich gerade bei Milchprodukten empfehlen, auf Bio-Produkte, am besten mit Demeter-Siegel, zurückzugreifen. Denn in Joghurt aus kommerzieller Tiermilch finden sich leider Rückstände aller möglichen Substanzen wie Antibiotika oder Pestizide. Diese können in einem sich entwickelnden Organismus noch mehr Schaden anrichten als bei Erwachsenen.
Keine Rohmilchprodukte für Babys
Von Joghurt aus unbehandelter Rohmilch wird im Säuglingsalter abgeraten, da Bakterien enthalten sein können, die zu Durchfallerkrankungen führen. Das gilt, auch wenn Wissenschaftler vor einigen Jahren herausgefunden haben, dass Rohmilch gegen die Entwicklung von Allergien schützt. Gesundheit geht vor Allergieprävention.
Gute Alternative: Kokosjoghurt und andere vegane Joghurts
Sinnvoll erscheinen in diesem Zusammenhang vegane Joghurts für Babys und Kleinkinder. Vor allem Kokosmilch gilt als sehr gesundes Lebensmittel. Wenn man nun noch gesunde Joghurtkulturen (Probiotika für die Darmflora) verwendet, können Babys davon profitieren.
Kokosjoghurt würde ich bedenkenlos ab Beikostreife probieren lassen, zumal er auch ohne Zuckerzusatz sehr gut schmeckt. Mittlerweile gibt es auch Joghurts aus anderen pflanzlichen Milchalternativen wie Cashew-Joghurt, Hafer-Joghurt und natürlich Sojajoghurt. Sojajoghurt schmeckt ohne Süßungsmittel allerdings nicht besonders gut. Vor allem in Rezepten kann das aber trotzdem eine gute Zutat sein.
>> BLW-Rezepte mit (veganem) Joghurt
Wie können BLW-Babys Joghurt essen?

Bleibt am Ende nur noch die Frage nach dem Löffel für BLW-Kinder. Denn füttern soll man sie ja nicht unbedingt. Das Konzept von Baby Led Weaning basiert darauf, dass die Kleinen selbstständig und selbstbestimmt essen lernen. Für halbflüssige Konsistenzen wie Joghurt gibt es darum folgende Möglichkeiten:
- Joghurt mit den Händen essen lassen: Das ist für ganz kleine Säuglinge mit ca. 6 Monaten oft die einzige Option, denn sie können i.d.R. noch nicht mit irgendwelchen Esshilfen umgehen.
- Becher-Methode: nach einigen Wochen kannst Du anfangen, mit Deinem Kind mit einem Becher zu üben, dicke Flüssigkeiten wie Joghurt oder Suppe zu „trinken“.
- Ein Esslern-Löffel aus Silikon kann helfen, auch ohne die richtige Haltung des Löffels Joghurt in den Mund zu befördern.
- Babyled Feeding: Wenn das für Dich in Frage kommt, kannst Du Deinem Baby auch helfen. Zum Beispiel könnt ihr den Löffel gemeinsam zum Mund führen. Oder Du achtest sehr genau auf die Signale Deines Kindes, wann es bereit für das nächste Löffelchen ist.
In jedem Fall solltest Du cremigen, möglichst festen Naturjoghurt (nicht stichfest oder dünnflüssig) kaufen, um es Deinem Kind einfacher zu machen.
- Kindergesundheit-info: Empfehlungen zur Säuglingsernährung – besonders wichtig für die Aussage zur zusätzlichen Eiweißzufuhr durch Joghurt.
- Kindergesundheit-info: Beikost einführen – besonders wichtig für die konkrete Joghurt-/200-ml-Empfehlung.
- Gesund ins Leben: Milch und Milchprodukte in der Beikostzeit – Protein, Übergewichtsrisiko, Joghurt als Alternative im Milch-Getreide-Brei.
- BfR: Rohmilch – für den Abschnitt zu Rohmilchprodukten.
In meiner Lebensmittel-Fibel für Babys findest Du zahlreiche Infos zu verschiedenen Lebensmitteln. Wenn Du eines nicht findest, schreib mir unbedingt einen Kommentar oder eine Nachricht, damit ich das ergänzen kann!
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