Ab wann dürfen Babys Getreide essen?

Getreide dürfen Babys ab Beikoststart essen – auch in der Ernährung mit Brei wird Getreide recht früh als Milch-Getreide-Brei eingeführt. Allerdings eignet sich nicht jedes Getreide gleich gut für Babys, manche Sorten sind schwerer verdaulich.

Gluten für Babys – Ab wann?

Glutenhaltige Getreidesorten wie Weizen oder Dinkel sind in den letzten Jahren teilweise in Verruf gekommen. So denken manche, das Klebereiweiß Gluten wäre per se ungesund oder würde zwangsläufig eine Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie auslösen. Auch eine Weizenallergie kommt immer wieder vor. Tatsächlich empfehlen Ernährungsexperten aber, schon früh in kleinen Mengen glutenhaltiges Getreide in den Brei zu mischen – um den Körper daran zu gewöhnen. Das gilt allerdings nicht für Babys, die mit der Stoffwechselerkrankung Zöliakie zur Welt gekommen sind bzw. bereits entwickelt haben. Sie dürfen keinesfalls auch nur Spuren von Gluten zu sich nehmen!

Aktuelle Studien aus den USA weisen darauf hin, dass der beste Zeitpunkt, Kinder mit Gluten bekannt zu machen, zwischen 4-6 Monaten liegt. Wenn Babys erst nach dem 7. Monat mit Gluten in Berührung kommen, erhöht sich das Risiko, an Zöliakie zu erkranken, um 25%! Bei der Einführung von glutenhaltigem Getreide sollte allerdings erst einmal mit kleinen Mengen von ca. 7 g pro Tag gestartet werden. Das entspricht 1 TL Grieß oder 1 EL Flocken.

Welches Getreide dürfen Babys anfangs essen?

Breikinder bekommen meist Getreideflocken oder Schmelzflocken, die entweder schon im Brei verarbeitet sind oder die beim Herstellen untergemischt werden. Vor allem der Abendbrei für Babys wird oft einfach mit Schmelzflocken hergestellt, die sich in Verbindung mit Flüssigkeit einfach auflösen.

Baby Led Weaning Kinder dagegen erhalten Getreide in derselben Form, in der auch wir Erwachsenen es essen: Als Nudeln, Backwaren oder in Bratlingen oder anderen Gerichten verarbeitet. Da ist die Auswahl oft groß und gut zu wissen, welche Getreidesorten sich besonders gut für Babys eignen:

  • Hafer: Für mich ist Hafer das Getreide, das ich meinen Kindern am liebsten gebe. Es ist als Haferflocken oder als ganzes Korn relativ einfach und günstig in guter Bio-Qualität erhältlich. Da Hafer nicht so stark gezüchtet ist wie zum Beispiel Weizen, enthält es nicht so viel oder gar kein Gluten, dafür aber viel Eisen. Das Eisen kann gut aufgenommen werden und wird zum Beispiel für die Bildung roter Blutkörperchen benötigt. Eisenmangel ist eins der großen Schreckgespenste in der Babyernährung, mit dem gerechtfertigt wird, dass man ganz kleinen Babys schon Fleisch gibt.
  • Dinkel: Das Dinkelkorn ist dem Weizen recht ähnlich, denn es handelt sich um die Urform des Weizens. Dinkel enthält aber mehr Mineralstoffe und Vitamine. Ob der Dinkel grundsätzlich gesünder ist, oder sogar mehr Allergien und Unverträglichkeiten auslöst als der Weizen, ist nicht abschließend geklärt.
  • Weizen: Die allermeisten Backwaren und Fertigprodukte in unseren Supermärkten enthalten Weizen. Auch, wenn dieser überwiegend aus Stärke besteht und wenig zusätzlichen Nährwert bietet, vertragen die meisten Kinder ihn gut.
  • Reis: Auch Reis ist für die meisten Babys gut verträglich und außerdem allergenarm. Reis ist von Natur aus glutenfrei und liefert wertvolle B-Vitamine. Leider ist Reis manchmal mit Arsen belastet, selbst Produkte, die spiezell für Babys hergestellt wurden. Genau wie bei allen anderen Getreidekörnern hat Vollkornreis viel mehr Nährstoffe als weißer, geschälter Reis.
  • Hirse: Hirse enthält viel Eisen und Kieselsäure und ist von Natur aus glutenfrei. Eisen kann vor allem in Kombination mit Vitamin C, das zum Beispiel in Zitrusfrüchten oder roter Paprika steckt, gut vom Körper absorbiert werden. Hirse hat viel mehr Eigengeschmack als andere Getreidesorten. Besser als ganze Hirsekörner eignen sich für Babys Hirseflocken oder Instant-Hirsebrei. Diese Produkte sind durch industrielle Verarbeitung besser verträglich.
  • Mais: Auch Mais ist glutenfrei und enthält Eisen, Magnesium und viele weitere Mineralstoffe und Vitamine.
  • Roggen: Roggen ist älter als Weizen und enthält ebenfalls gluten. Der Geschmack ist recht herb, meist kennt man Roggen nur in Roggenbrot.
  • Gerste: Gerste enthält etwas weniger Gluten als Weizen und ist weniger bekannt.
  • Emmer / Urkorn: Dabei handelt es sich ebenfalls um ein Getreide aus der Weizenfamilie, das bereits vor vielen tausend Jahren kultiviert wurde. Es enthält viel Proteine und Mineralstoffe.

Pseudogetreide im ersten Jahr ungeeignet

Quinoa, Amaranth und Buchweizen werden auch als Pseudogetreide bezeichnet, sind also kein Getreide im engeren Sinne. Sie enthalten weniger Stärke und mehr hochwertige Proteine – allerdings auch Substanzen wie Gerbstoffe, mit denen die Verdauung von Babys noch nicht so gut umgehen kann. Denn diese Stoffe hemmen Verdauungsenzyme bzw. die Aufnahme wichtiger Mineralstoffe. Andere Stoffe können die Darmschleimhaut reizen oder den kindlichen Nieren schaden.

Dazu gibt es aber meines Wissens keine stichhaltigen Beweise bzw. Studien. Es handelt sich lediglich um Empfehlungen mancher Experten. Andere dagegen sehen in der gelegentlichen Verwendung von Pseudogetreide für Babys kein Problem. Solltest Du Deinem Baby also schon manchmal Buchweizen oder Quinoa essen lassen, wird sicherlich nichts schlimmes passieren.

Hirse ist kein Pseudogetreide und für Babys keinesfalls schädlich. Allerdings gab es vor einigen Jahren vereinzelt Probleme mit verunreinigten Hirseerzeugnissen, darunter auch Babyprodukte. Dabei wurden Unkrautpflanzen, die in unmittelbarer Nachbarschaft der Hirse wachsen, mit verarbeitet. Diese enthielten pflanzliche Abwehrstoffe (Tropanalkaloide), die für Menschen ungesund sind. Allerdings kam es damals keinesfalls zu Vergiftungen, sondern ledigliche zu vorsorglichen Produktrückrufen.

Kein rohes Mehl für Babys?

Oft wird auch empfohlen, rohes Getreide und Mehl und damit auch selbst gequetschte Getreideflocken zu vermeiden. Denn rohes Getreide ist schwerer verdaulich und könnte unter Umständen mit Bakterien verunreinigt sein.

Welches Getreide bei Verstopfung beim Baby?

Im Zusammenhang mit Getreide kommt es manchmal zu Verstopfung, weil die Ballaststoffe im Bauch aufquellen. Achte darauf, dass Dein Baby genug Flüssigkeit aufnimmt. Reis ist gut geeignet bei Magen-Darm-Problemen wie Durchfall oder Bauchschmerzen.

In meiner Lebensmittel-Fibel für Babys findest Du zahlreiche Infos zu verschiedenen Lebensmitteln. Wenn Du eines nicht findest, schreib mir unbedingt einen Kommentar oder eine Nachricht, damit ich das ergänzen kann!

Quellen:

  • María Inés Pinto-Sánchez,Elena F. Verdu,Edwin Liu,Premysl Bercik,Peter H. Green,Joseph A. Murray,Stefano Guandalini,Paul Moayyedi. Gluten Introduction to Infant Feeding and Risk of Celiac Disease: Systematic Review and Meta-Analysis. The Journal of Pediatrics. Elsevier. January 2016.
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: https://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/fachinformationen/amaranth-quinoa-buchweizen-kinderernaehrung/