Was ist Baby Led Weaning eigentlich?

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Seitdem die britische Hebamme Gill Rapley Baby Led Weaning “entdeckte” und 2008 ein Buch dazu veröffentlichte, ist diese Art der Beikosteinführung auf dem Vormarsch. Doch was ist Baby Led Weaning eigentlich genau? Und seit wann gibt es das wirklich?

Was ist Baby Led Weaning?

“Weaning” bedeutet übersetzt “Entwöhnung”. Gemeint ist die Entwöhnung von der Milchnahrung und die Gewöhnung an feste Nahrung. Im Rahmen des Beikostplans zum Füttern mit Brei wird häufig suggeriert, dass diese Entwöhnung von den Eltern angeregt und nach Plan durchgeführt werden müsste. Dass die Gewöhnung an feste Kost eine natürliche und im Menschen angelegte Entwicklung ist, wird übersehen. Immerhin kann mit Hilfe von Brei und Fütterungsplänen die Entwöhnung schneller stattfinden, als sie vom Kind aus angeregt wurde. So muss die Mutter nach 8-12 Monaten nicht mehr für Stillmahlzeiten zur Verfügung stehen und kann wieder in den Job zurückkehren oder sich anderen Dingen widmen.

Aber was ist Baby Led Weaning? Das Konzept vom “baby-led” Weaning, also von der baby-gesteuerten Entwöhnung, besagt, dass viele Elemente dieser Umstellung auf feste Nahrung vom Kind selbst bestimmt und gesteuert werden sollen. Die Nahrungsmittel werden dem Baby daher nur angeboten, nicht gefüttert oder gar aufgezwungen. In den ersten Wochen und vielleicht Monaten gelangt so nicht viel Nahrung in den kindlichen Magen – das Baby lebt weiterhin von Milch. Das ist völlig normal und natürlich. Dies berücksichtigt unter anderem auch das natürliche Abstillalter von Babys, das zwischen 2,5 und 7 Jahren lebt. Auch wenn viele Mütter nicht so lange stillen wollen, kann es also sein, dass ein Kind noch lange zusätzliche Nahrung in Form von Flaschenmilch verlangt. Im Rahmen von Baby Led Weaning ist das kein Problem.

Was genau passiert beim BLW?

Das Baby darf, zuerst auf dem Schoss der Eltern und, sobald es stabil sitzen kann, im Hochstuhl am Familientisch sitzen. Es darf zusehen, wenn alle essen und wenn es dazu bereit ist, auch selbst die ersten Versuche wagen. Wann die Beikostreife erreicht ist, wird dabei nicht vom Alter abhängig gemacht, sondern von der Entwicklung und dem Interesse des Babys. Oft wird mit 6 Monaten das erst Mal feste Nahrung angeboten. Aber nicht viele Babys essen kurz danach schon größere Mengen, viele ernähren sich bis zum 1. Geburtstag oder länger vorzugsweise von Milch. Aus aktuellen Erkenntnissen spricht nichts dagegen, sofern die Eltern die Geduld aufbringen können.

Beim Baby Led Weaning wird das Kind nicht gefüttert, weder mit dem Löffel noch mit den Händen. Es lernt selbständig, die Nahrung in den Mund zu befördern und entscheidet auch selbst, welche und wie viel der angebotenen Nahrungsmittel es wie schnell essen möchte. Der größte und wichtigste Teil der Ernährung und Nahrungsaufnahme findet so lange weiterhin über die Milch statt, bis das Kind genug feste Nahrung aufnimmt und sich sozusagen selbst langsam abstillt.

Der Ursprung von Baby Led Weaning

Tatsächlich ist diese Art der Beikosteinführung nichts neues. Viel neuer in der Menschheitsgeschichte ist das spezielle Kochen von konsistenz- und geschmacksarmen Babybreien. Damit wurde vermutlich etwa im 17.-18. Jahrhundert begonnen. Knochenfunde und Untersuchungen zeigen, dass in dieser Zeit auch die ersten Deformationen und Fehlbildungen im Kieferbereich auftragen – das wird häufig als Hinweis darauf gesehen, dass den Menschen als Babys dann nur noch Brei gefüttert wurde. Die Entwicklung des Kiefers konnte nicht mehr durch Kauen gefördert werden.

Das heute unter “Baby Led Weaning” bekannte Anbieten von Nahrungsmitteln in kleinen Häppchen hat dagegen vermutlich eine viel längere Traditition in der Geschichte der Menschen als Breikost. Viele Jahrtausende gab es gar nicht die Möglichkeit, Brei herzustellen. Und genetisch gesehen sind wir immer noch die Menschen aus diesen Zeiten – Tradtitionen aus modernen Zivilisationen mit festen Kochstellen gibt es erst wenige Jahrtausende.

Häufig finden Eltern auch ohne vorherige Lektüre oder bewusste Entscheidung zum Baby Led Weaning. Irgendwann fängt ein Baby, das auf dem Schoss der Eltern sitzt, einfach an, nach der Nahrung auf dem Teller zu greifen und sie sich in den Mund zu schieben. Viele Eltern lassen das dann ganz intuitiv zu und stellen fest, dass das viel besser funktioniert, als Brei zu füttern.

Meine Erfahrung
Als ich ein Baby war, war Breikost sehr weit verbreitet. Ich selbst wurde 6 Monate voll gestillt. Als ich dann mit 6 Monaten beherzt in den Nudelteller meiner Mutter griff und mir sofort einige davon in den Mund steckte, hinderte sie mich nicht daran. Ihr Bauchgefühl sagte ihr, dass ich das nicht tun würde, wenn es nicht richtig wäre. Also aß ich von da an am Familientisch mit und sie musste keinen Brei für mich kochen. Wenige Zeit später wollte ich nicht mehr an der Brust trinken, sondern hatte mich selbst ganz abgestillt und wollte nur noch feste Nahrung essen. Die meisten Menschen, denen meine Mutter später davon erzählt hat, haben ihr nicht geglaubt. Zu fest war der Glaube verankert, dass Kinder mit 6 Monaten keine feste Nahrung essen können.

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