Soll ich meinem Baby Tee geben?

Darf ich meinem Baby denn schon Tee geben? Bei meiner ersten Tochter Madeleine (geboren 2016) habe ich bei vielen Fragen, die ich mir gestellt habe, schlichtweg auf mein Bauchgefühl gehört. Und was soll ich sagen? Madeleine ist quicklebendig, gesund und bisher halbwegs gut erzogen. Mein Bauchgefühl ist folglich nicht so schlecht.

Nun hat man manchmal das Bedürfnis, doch so einiges nicht nur dem Gefühl zu überlassen. Bei Töchterchen Josepha (geboren 2019) lese ich zwischenzeitlich deshalb vieles interessehalber nach. Denn nur sein Bauchgefühl als Grund für etwas anzugeben ist doch etwas zu einfach. Darf ich nun meinem Baby Tee geben?

Darf ich meinem Baby Tee geben?

Bei der Beantwortung der Frage unterscheide ich zwischen Stillbabies und Babies die mit Pre-Milch versorgt werden.

Dürfen gestillte Babys Tee trinken?

Bei Stillbabies gilt: Die Muttermilch ist perfekt auf die Bedürfnisse des Babys abgestimmt. Es enthält alle notwendigen Nährstoffe, hat stets die richtige Konsistenz und Menge sowie die perfekte Temperatur. Zusätzliche Flüssigkeit ist in den ersten Monaten, solange noch nicht mit Beikost begonnen wurde, überhaupt nicht erforderlich. Selbst im Sommer, an besonders heißen Tagen, genügt dem Baby in der Regel Mamas Busen. Dies bestätigt mir sinngemäß auch der Ratgeber „Mutter und Kind“ von Dr. med. Hannah Uflacker aus dem Jahr 1956. Dort heißt es:

„In den ersten vier Lebensmonaten ist die Ernährung mit Muttermilch, falls die Milchmenge genügt und die Mutter sich richtig ernährt, völlig ausreichend.“

Hierzu möchte ich noch anmerken, dass ich nicht allen Empfehlungen und Anweisungen dieses Ratgebers blind nachkomme (z.B. der Vorgabe ab dem 5. Monat eine Brustmahlzeit durch Brei zu ersetzen). Immerhin sind manche Empfehlungen heute veraltet.

Zurück zum Thema: Zusätzliche Gabe von Flüssigkeit mittels Fläschchen kann beim Kleinen zur Saugverwirrung führen. Die Mama könnte durch die Gabe der Zusatzflüssigkeit und der Tatsache, dass das Baby damit anderweitig gesättigt und sein Saugdrang gestillt wird, weniger Muttermilch produzieren und somit der Still-Rhythmus gestört werden.

Die WHO (Wealth Health Organization) empfiehlt Babys sechs Monate lang ausschließlich zu stillen. Zum Thema Tee erklärt die WHO sogar, dass dieser die Eisenaufnahme stören kann.

Sollen Flaschenbabys Tee trinken?

Bei Babys, die mit Pre-Milch versorgt werden, gibt es ganz viele unterschiedliche Meinungen. Ich habe versucht, die Antwort im Supermarktregal in der Babyabteilung zu finden. Allerdings ist das sogar noch verwirrender. Auf den dort angebotenen Teepackungen stehen diverse bzw. teilweise gar keine Hinweise, ab wann man Tee geben darf.

Ich bin nach der Supermarkt-, Internet- und Literaturrecherche schlichtweg zu der Überzeugung gekommen, es ist genauso wie bei Stillbabys: Es genügt in den ersten Monaten ausschließlich die Pre-Milch.

Ab wann zusätzliche Flüssigkeit oder Tee geben?

Zu viel Tee kann gefährlich sein

Kleine Babys vor dem Beikoststart brauchen also keinen Tee. Im Gegenteil, zu viel Tee kann sogar gefährlich sein. Denn genau wie bei Wasser kann Tee im Übermaß den Natriumhaushalt eines Säuglings stören und zu einer Wasservergiftung führen. Das kann vor allem dann passieren, wenn das Kind eigentlich Hunger hat, aber stattdessen mit einem Fläschchen Tee „abgespeist“ wird.

Zusätzliche Flüssigkeit mit Beikoststart

Sobald mit der Beikost gestartet wird, würde ich dem Nachwuchs aber auch einen Becher Wasser mit anbieten. Schließlich guckt das Kleine ja auch was die übrigen Familienmitglieder so machen; sie sitzen mit am Tisch bei den Mahlzeiten und sehen die übrigen Familienmitglieder Teller und Tassen benutzen.

Nachdem die Geschmacksnerven noch ganz anders als bei Erwachsenen sind genügt stilles Wasser oder Leitungswasser (Wasserqualität gegebenenfalls vorher testen lassen) absolut. Natürlich kann auch Tee stark verdünnt angeboten werden. Manchmal wird es sogar als Ritual empfohlen.

Meiner großen Tochter habe ich das erste Mal Tee stark verdünnt angeboten, als sie knapp über ein Jahr alt (also kein Baby mehr) und das erste Mal erkältet war. Ich selbst trinke zwar sehr gern Tee, aber meine große Tochter fordert ihn bisher lediglich, wenn sie erkältet ist oder mal Bauchweh hat.

Grundsätzlich gilt: Wasser und Tee dürfen nicht die Gabe von Milch für den Säugling ersetzen!

Welcher Tee für Babys?

Die Wahl des Tees hat meine große Tochter selbst übernommen. Ich habe lediglich den Laden meines Vertrauens (Naturladen) aufgesucht. Dort hat Töchterchen dann die Qual der Wahl bei den Tees gehabt. Es gibt dort nämlich speziell auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmte Tees, die auch noch kindgerecht bunt verpackt sind.

Wichtig ist meiner Meinung nach vor allem, dass kein Zucker enthalten ist und der Tee Bioqualität hat. Ich persönlich bevorzuge Hersteller, die in Deutschland produzieren und möglichst nachhaltig ihre Produkte verpacken.

Alle Teesorten eignen sich auch nicht fürs Kind. Vom schwarzen und grünen Tee ist abzuraten, wenn Eltern ihr Kind nicht nachtaktiv halten möchten (Teeingehalt in allen Mischungen, die schwarzen, grünen, weißen oder Roisboos-Tee enthalten!).

Pestizide im Tee

Leider liest man auch immer wieder von Pesitiziden und anderen Schadstoffen im Tee. Die Ökotest hat 2018 verschiedene Tees getestet, die extra als Babytee ausgeschildert sind. Die Ergebnisse waren leider nicht sehr gut.

Am Allerbesten für Kind, Geldbeutel und Umwelt wäre natürlich, seinen Tee selbst anzubauen, zu ernten, trocknen und dann zusammenzustellen. Aber in meinem Alltag konnte ich mir das Wissen hierzu noch nicht aneignen. Auch bin ich mir sicher, so schöne, kindgerechte Verpackung könnte ich meiner Tochter aus Eigenkreation nicht bieten.

Fazit: Nach den ersten 6 Monaten ist Tee Geschmackssache

In den ersten sechs Monaten bzw. vor Beginn der Beikost brauchen Babys also keinen Tee. Danach ist es Dir bzw. Deinem Kind überlassen.

Babys sind sehr individuell. Dies stelle ich tagtäglich auch bei meinen zwei Töchtern fest. Kein Kind ist wie das andere. Jedes hat seine eigene Persönlichkeit und Vorlieben und seine eigene Schnelligkeit in der Entwicklung. Wenn ich mal unsicher bin, hole ich mir Rat von meiner Mama und anderen Vertrauenspersonen oder auch Fachleuten wie Hebamme, Stillberaterin oder Kinderärztin.

Ich bin überzeugt davon, dass jede Mama intuitiv weiß, was ihr Kind gerade benötigt. Mit ein bisschen Gespür und Verstand erziehen wir Mamas unseren Nachwuchs zu ganz wunderbaren Persönlichkeiten. Mit Muttermilch oder mit Pre-Milch, mit Tee oder ohne Tee! Dafür in jedem Fall mit einem ordentlichen Schuss Liebe! Denn davon kann man nie genug geben.

Hinweis: Ich bin keine Ärztin, keine Hebamme, keine Doula, keine Stilberaterin und keine Erzieherin, ich bin stolze Mama von zwei wunderbaren Töchter. In meinen Beiträgen gehe ich stets von gesunden Müttern und gesunden Kindern aus. Sollten Zweifel bestehen z.B. bei der Menge der Muttermilch empfehle ich mit Fachkundigen persönlich das Gespräch zu suchen.


Bild: 

@zilvergolf – bigstockphoto.com

Quellen:

  • Ökotest Jahrbuch Kleinkinder 2018 ( https://www.oekotest.de/kinder-familie/15-Babytees-im-Test_110596_1.html )
  • Uflacker, Hannah Dr. med.: „Mutter und Kind“. 1956
  • Empfehlungen der WHO ( https://www.who.int/ )

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