Mein Kind isst nicht – was soll ich tun

Ein Thema, das leider immer wieder Eltern zur Verzweiflung treibt: Das Kind isst nicht bzw. isst „schlecht“. Was dahinterstecken kann und was Du tun kannst, wenn Dein Kind schlecht isst? Lies selbst. 

Dein Kind isst nicht? Mein Rat in aller Kürze

Zuerst der Einfachheit halber für alle schnell-Rat-suchenden-Mamas-und/oder-Papas die Antwort nachfolgend in Kurzform:

In vielen Situationen hilfreich: Keine Panik schieben! Das ist nie gut! Seid möglichst entspannt!

Solange es nicht zum Dauerzustand bzw. absoluter Essensverweigerung Eures Nachwuches kommt und das Kind sonst fröhlich und munter ist, solange braucht ihr normalerweise auch keinen Arzt aufsuchen. Wenn ihr Euch unsicher seid, dann geht doch lieber zum Arzt. Kann nie schaden, wenn man unsicher ist.

Ansonsten hier noch stichpunktartig:

  • Kind/er beim Essen zubereiten mit einbeziehen
  • Kinderkochbücher anschauen
  • zusammen einkaufen
  • zusammen kochen
  • zusammen Tisch decken
  • regelmäßige gemeinsame Essenszeiten am Tisch
  • Snacks reduzieren bzw. kurz vor dem Essen vermeiden
  • zuckerhaltige Getränke vermeiden
  • keine Streitereien oder unangenehme Gespräche am Tisch,
  • möglichst keine Ablenkungen dabei (TV/ Tablet/ Handy aus bzw. lautlos!)

Dein Kind isst schlecht: Das kannst Du tun

Nun die Version für all diejenigen Mamis und/oder Papis, die gerade zu den Glücklichen zählen, die

a) im Moment eines oder mehrere schlafende Kind/er haben und

b) selbst gerade Zeit und Muse haben und nicht selbst zu müde sind, um die ausführlicheren Antworten zu lesen.

Warum Du Dir vielleicht umsonst Sorgen machst

Es gibt Kinder, die futtern offenbar für ihr Leben gern. Ganz unkompliziert. Ohne Schwierigkeiten.

Ich hab das schon selbst gesehen! Auf Videobeweisen und sogar live. Leider oder natürlich war das nicht mein Kind. Vielleicht liegt das daran, weil die Mama des anderen Kindes so eine hervorragende und geniale Köchin ist? Vielleicht, weil bei anderen Müttern stets alles locker flockig ist und nur bei einem selbst Chaos herrscht? – Egal, woanders ist auch nicht immer alles in Butter.

Meine große Tochter Madeleine (geb. 2016), ist zwar meiner Ansicht nach perfekt, nur isst sie halt nicht immer perfekt. Nun, da könnte man sich jetzt ein Haufen Sorgen machen. Sogar eine Rabenmama wie ich macht sich zwischendurch mal intensiver Gedanken um den Nachwuchs.

Tatsache ist: Madeleine ist weit weg vom Babyspeck, aber auch nicht bedenklich dürr. An manchen Tagen könnte sie sich ausschließlich von Nudeln oder Spätzle ernähren, sogar mit Nachschlag. An anderen Tagen isst sie eher wie ein Spatz. Da könnte man ihr ein langes Frühstücksbuffet hinstellen und es wäre nicht das Passende dabei. An diesen Tagen muss ich geduldig sein. Zwang ist immer Fehl am Platz. Ein Kind ist eben keine Stopfmastgans.

Gründe, warum ein Kind nicht isst

In einem Infoblatt der St. Georg Klinik Eisenach, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin „Dr. Siegfried Wolff“ heißt es:

„Es gibt drei Gründe, warum ein Kind nicht isst. Es gibt nichts zu essen, das Kind hat keinen Hunger oder das Kind ist krank.“

In Europa kann man Ersteres ziemlich ausschließen. Letzteres Gott sei Dank meist auch. Wenn Dein Kind wirklich gar nicht isst, also nicht nur in Deinen Augen zu wenig, sondern das Essen komplett verweigert, solltest Du auf jeden Fall zum Arzt gehen. Dann kann eine körperliche oder psychische Erkrankung vorliegen.

Ein gesundes Kind dagegen isst, wenn es Hunger hat. Es liegt einfach mal wieder an und Erwachsenen, die eben wie so oft andere Vorstellungen haben.

Ein Kind deckt oftmals quasi nebenbei seinen Kalorienbedarf. ½ l Milch, ein Fruchtjoghurt, ein Schokoriegel und 150 ml Apfelsaft ergibt schon ca. 830 kcal (vgl. Kalorienbedarf s. „Wieviel Kalorien braucht mein Baby/Kind“) . Verhungern wird in Europa kein Kind müssen. Gott sei Dank!

Wie Dein Kind Freude am Essen hat

Es gibt aber so einige Tipps, wie man dem Kind das Essen schmackhafter machen kann. Zumindest bei meinem Nachwuchs ist Nachfolgendes des öfteren hilfreich:

1. Kinderkochbücher

Nachdem Madeleine und ich sehr viel und sehr gerne lesen haben wir schnell herausgefunden, dass unsere Lieblingsbücherhelden auch Kochbücher geschrieben haben. Pumuckl, Astrid Lindgrens Helden, Pettersson und Findus zum Beispiel. Schön bebilderte Kochbücher mit allerlei Leckereien und leicht im Alltag umsetzbaren Rezepten. Für die Zutaten muss man auch nicht in teure Feinkostläden gehen. Sogar Gemüse kann man damit Kindern schmackhafter machen. Kartoffel-Karotten-Vulkan ist so ein beliebtes gesundes Mittagessen bei uns.

2. Gemeinsam Einkaufen

Wenn Madeleine und ich ein Rezept auserkoren haben gehen wir in die Speisekammer oder gemeinsam einkaufen, sofern wir die Zutaten nicht im Haus haben. (Aufgrund der Corona-Pandemie schicken wir schweren Herzens nun den Papa einmal die Woche alleine zum Einkaufen, wobei wir die Hoffnung nicht aufgeben, dass wir in absehbarer Zeit wieder wie gewohnt den Wochenmarkt mit all seinen schön angerichteten Lebensmitteln stürmen können und unseren Stammsupermarkt sowie den Naturladen aufsuchen dürfen.)

3. Gemeinsam Kochen

Madeleine benutzt liebend gern die Küchenschürze, die ich bereits als Kind getragen habe. Die mit der Biene Maja darauf. So darf Madeleine unter Anleitung zusammen mit Mama oder auch mal Papa Eier aufschlagen, rühren und Zutaten abwiegen helfen. Es macht ihr einen Riesenspaß.

Natürlich dauert das Kochen dann auch etwas länger und das ist auch nicht täglich kindgerecht umzusetzen, aber meist kochen wir gemeinsam. Auch gerne so, dass wir zweimal Essen haben und am nächsten Tag nur aufwärmen müssen.

Übrigens kann man manche Mahlzeiten mit Plätzchenausstechern, Gemüsegesichtern und dergleichen verfeinern bzw. kindgerechter anrichten.

4. Essenstisch decken/ dekorieren

Den Tisch kann Madeleine auch schon seit Langem selbständig decken. Da freut sie sich (zumindest noch). Insbesondere, wenn sie alles schön anrichten und mit Streuteilchen dekorieren darf.

Buntes, blumiges oder mit Kinderfiguren bedrucktes Geschirr sind zudem manchmal wahre Stimmungsaufheller. Übrigens gibt es sogar Warmhaltegeschirr, in das man heisses Wasser in einen durchsichtigen Zwischenboden füllt und dort dann bunte Figürchen schwimmen.

5. Regelmäßige gemeinsame Essenszeiten am Tisch und möglichst keine Snacks kurz vor dem Essen

Bei uns herrschen regelmäßige Essenszeiten. Nicht immer punktgenau, aber meist um die gleichen Uhrzeiten knurrt uns sowieso immer der Magen. Wir essen nicht nebenbei sondern am Tisch. Jeder hat seinen Sitzplatz. Snacks und Zuckerkram kurz vor dem Essen sind bei uns die große Ausnahme.

6. Schwierige Themen oder Ablenkung beim Essen vermeiden

Absolutes No-Go am Esszimmertisch sind schwierige Diskussionen oder gar Streiteren!

Der Fernseher hat bei uns sowieso wenig Betriebsstunden und schon gar nicht beim Essen. Laptop, Ipad und Handy liegen lautlos gestellt auf der Seite. Lediglich Zeitung, Zeitschrift oder Bücher liegen bei uns des öfteren mit am Tisch. Das ist zwar auch Ablenkung, aber für uns Lesesüchtigen ist es manchmal schwer, etwas davon auf die Seite zu legen (da sieht man mal wieder nicht perfekte Rabeneltern, aber ich steh dazu).

Und wenn all die vorstehenden schlauen Tipps nicht geholfen haben und ich Rabenmama am Wochenende deswegen erschöpft und genervt war und die Gesamtsituation schlichtweg doof war, dann hat übrigens der Rabenpapa stets noch ein weiteres Ass aus dem Ärmel geschüttelt. So hat ein Picknick, ein Stockbrot am Lagerfeuer, ein Essen bei Oma und ein Biergartenbesuch bereits erfolgreich Abhilfe geschaffen. Und wenn die Rabeneltern dann beide entspannt am Essen waren, dann kam auch stets beim Nachwuchs die Lust aufs Essen von ganz allein.

In diesem Sinne Mahlzeit!

Hinweis:
Ich bin keine Ärztin, keine Hebamme, keine Doula, keine Stillberaterin und keine Erzieherin, ich bin stolze Mama von zwei wunderbaren Töchter. In meinen Beiträgen gehe ich stets von gesunden Müttern und gesunden Kindern aus. Sollten Zweifel bestehen z.B. bei der Menge der Muttermilch empfehle ich mit Fachkundigen persönlich das Gespräch zu suchen.

Bildquelle: bigstockphoto.com – Milkos

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