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Darmbakterien aufbauen: Diese Lebensmittel sollte Dein Kind kennen

darmbakterien aufbauen

Neuere Erkenntnisse betonen immer mehr, wie wichtig eine gesunde Darmflora für die gesunde Entwicklung von Babys und Kleinkindern ist. Wenn wir bisher dachten, Darmbakterien aufbauen sei hauptsächlich für die Verdauung wichtig, werden wir nach und nach eines besseren belehrt. Nicht nur die körperliche, auch die psychische Gesundheit wird nachweislich von den Mikroben in unserem Verdauungssystem beeinflusst.

Was ist die Darmflora?

Im Mutterleib sind der Darm und auch die Haut eines Babys noch völlig frei von fremden Zellen. Doch schon während der Geburt beginnt die Besiedelung mit fremden Bakterien, Pilzen und anderen Mikroben. Dieser Prozess lässt sich nicht verhindern, weil kein Mensch in einer absolut sterilen Umgebung leben kann und sollte.

Welche Darmbakterien wir aufbauen, ob es “gute”, also hilfreiche oder “schlechte”, also solche mit nachteiligen Auswirkungen auf unsere Gesundheit sind, wird durch verschiedene Faktoren entschieden:

  1. Welche Mikroben gelangen zuerst in unser System?
  2. Mit welchen Mikroben kommen wir in Kontakt?
  3. Werden sie durch Antibiotika-Behandlungen getötet?
  4. Welche Nahrung finden die Mikroben vor?

Bei einer natürlichen Geburt erreichen unseren Darm zuerst die Mikroben aus der vaginalen Schutzflora und dem Verdauungstrakt der Mutter. Diese Bakterien haben die Mutter bis ins gebärfahige Alter begleitet und sind damit vermutlich förderlich. Bei Kaiserschnitten fehlen diese Mikroben, stattdessen siedeln sich Haut-Mikroben und Keime aus dem OP zuerst an. Der Platz für die richtigen Bakterien ist dann möglicherweise schon besetzt, wenn diese den Darm erreichen.

Leider ist es so, dass die Bakterienvielfalt in westlichen Gesellschaft etwa um 1/3 niedriger ist als in Naturvölkern und Stämmen mit ursprünglicherer Lebensweise. Es kann also sein, dass einige unserer Gesundheit förderlichen Bakterienstämme in unserer Umgebung gar nicht mehr vorkommen.

Grund hierfür ist zum einen eine ungünstige Lebensweise und Ernährung, zum anderen häufige Behandlungen mit Antibiotika in den vergangenen Jahrzehnten verantwortlich.

Darmbakterien aufbauen von Anfang an

Die ersten drei Punkte können wir in der Regel kaum beeinflussen. Trotzdem müssen wir als Eltern nicht bangend daneben stehen, sondern können die Darmbakterien unserer Kinder über die Ernährung beeinflussen – und zwar von Anfang an.

Stillen – so lange wie möglich

Über die Muttermilch werden nicht nur laufend hilfreiche, lebende Darmbakterien von der Mutter an das Baby übertragen, Muttermilch enthält auch “Futter” für die guten Mikroben. Der drittgrößte Bestandteil der Muttermilch sind langkettige Kohlenhydrate, die an sich nicht verdaulich sind. Erst im Dickdarm können sie von den Darmmikroben aufgespalten und in Energie verwandelt werden. So können die richtigen Bakterien sich ernähren und vermehren – und so ggf. weniger gute Verdrängen.

Hier gilt übrigens: Je mehr, desto besser – je länger, desto besser. Das heißt im Umkehrschluss auch, dass jede Muttermilch-Mahlzeit unseren Babys hilft, den Darm richtig zu schützen.

An die richtige Ernährung gewöhnen

Sobald ein Baby anfängt zu essen, bilden sich Ernährungsgewohnheiten und Vorlieben. Darauf haben wir als Eltern sehr großen Einfluss. Denn erwiesenermaßen beeinflusst die Ernährung in den ersten Lebensjahren das gesamte restliche Leben. Das bedeutet zum Beispiel, dass ein Argument wie “Irgendwann bekommt er/ sie ohnehin Zucker.” in die falsche Richtung gedacht ist. Je weniger ungesundes und je mehr wertvolles Essen ein Kind zu sich nimmt, desto langfristiger profitiert es davon. Nicht nur unmittelbar, weil es mehr Nährstoffe und weniger Giftstoffe zu verwerten hat, sondern auch langfristig, weil die Mikrobenbesiedelung im Darm davon abhängt.

Baby Led Weaning und Darmflora

Wer sein Baby mit Brei füttert, kann anfangs recht gut steuern, was sich auf dem Löffel befindet. Bei Baby-Led-Weaning Kindern dagegen müssen auch wir Eltern die eigenen Gewohnheiten zu überdenken. Wenn das Baby von Anfang an am Familientisch mit isst, dann muss dieser Familientisch eben entsprechend gesund sein. Erwachsenen schadet das übrigens auch nicht.

Dann können wir Kinder frei entscheiden lassen, wie viel sie essen und ob sie z.B. ein bestimmtes Gemüse nicht mögen und dafür ein anderes lieber. Grundsätzlich können und müssen wir aber dafür sorgen, dass sie genug Ballaststoffe aufnehmen, indem Junk-Food, Zucker und Weißmehl gar nicht erst auf den Tisch kommen und die absolute Ausnahme bleiben.

Diese Lebensmittel fördern die Darmflora

Dafür sollten folgende Lebensmittel regelmäßig auf dem Tisch stehen – von Anfang an. Auf diese Weise siedeln sich gleich die richtigen Darmbakterien an bzw. können sich erfolgreich gegen andere behaupten. Unsere Kinder können gesunde Darmbakterien aufbauen.

  • Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen, Bohnen, Erbsen)
  • Bananen und anderes Obst
  • Zwiebel
  • kalte Kartoffeln (z.B. Kartoffelsalat, Bratkartoffeln)
  • kalter Reis (z.B. Sushi ohne rohen Fisch)
  • Vollkornprodukte oder Kleie
  • Joghurt, Kefir, Buttemilch und andere Probiotika
  • fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, saure Gurken
  • Samen, Kerne und Nüsse (gemahlen)
  • Knoblauch, Porree, Chichoree
  • Wurzelgemüse
  • Käse mit lebenden Bakterienkulturen, z.B. Gouda oder Cheddar

Gesunde Rezeptideen für Dein Kind findest Du in meiner Rubrik “Rezepte”

Was passiert bei einer schlechten Darmflora?

Die Auswirkungen eines falsch besiedelten Darms sind in der regel verheerend und sehr vielfältig. Wenn die Darmschleimhaut nicht von einer Schicht nützlicher Bakterien besiedelt ist, können Giftstoffe und pathogene Bakterien schnell in die Blutbahn eindringen. Chronische Erkrankungen, Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und ein schwaches Immunsystem sind die Folgen.

Außerdem stehen viele sogenannte Zivilisationskrankheiten in engem Zusammenhang mit der Mikrobenbesiedelung im Verdauungstrakt, z.B. Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, entzündliche Darmkrankheiten, Depressionen, Autoimmunerkrankungen, Autismus. Zudem zeigen Experimente mit Labormäusen, dass sich die Darmflora auch auf unser Gedächtnis, unsere Intelligenz, Stimmung, oder sogar Wesenszüge wie Introvertiertheit / Extrovertiertheit auswirkt. Manche Zustände lassen sich im späteren Leben durch eine gesündere Ernährungsweise und eine Darmsanierung, d.h. die Besiedelung mit förderlichen Darmbakterien, wieder ins Lot bringen. Andere, wie zum Beispiel Intelligenz oder Introvertiertheit, entwickeln sich vor allem im Säuglings- und Kindesalter und begleiten uns dann ein Leben lang.


Quelle: “Der Gute Darm. Was er wirklich braucht, um uns gesund zu erhalten. Das Neueste aus der Mikrobiom-Forschung.” von Dr. Justin Sonnenburg und Dr. Erica Sonnenburg. Südwest, 2016.  (Amazon Affiliate Link)

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