Ab wann dürfen Babys Orangen essen?

Mein 8 Monate altes Baby will essen, was wir essen. Wenn er das nicht darf, wird er wütend. Sehr wütend. Also hinterfrage ich neuerdings viele Emfpehlungen, bis wann ein Baby bestimmte Lebensmittel meiden sollte. Orangen, heißt es oft, sollte man im ersten Lebensjahr nicht geben. Doch stimmt das wirklich? Was steckt hinter der Empfehlung?

Tatsächlich spricht nichts dagegen, einem Baby ab dem 7. Lebensmonaten Orange anzubieten – vorausgesetzt, es verträgt sie. In den ersten 6 Lebensmonaten sollten Babys laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) ausschließlich gestillt werden oder nur PRE-Milch erhalten. Danach sollten Eltern Beikost einführen und gleichzeitig bis zum zweiten Geburtstag oder länger weiter stillen.

Du kannst also Orange als Fingerfood oder im Brei anbieten, solltest aber beobachten, wie Dein Säugling darauf reagiert.

Können Orangen Allergien auslösen?

Denn natürlich können Babys, wie auf fast alle Obstsorten, mit allergischen Symptomen reagieren. Dazu zählen Hautausschläge, aber auch gravierende allergische Reaktionen wie Atembeschwerden. Früher dachte man, Allergien könnte vorgebeugt werden, indem man im ersten Lebensjahr auf Lebensmittel mit hohem Allergiepotiential verzichtet. Heute weiß man, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Das Risiko, eine Allergie zu entwickeln, wird geringer, wenn ein Baby hin und wieder dem Allergen ausgesetzt ist – von Anfang an.

Nach den aktuellen Leitlinien des BZfE (Bundeszentrum für Ernährung) ist es im Rahmen der Allergieprävention also nicht notwendig, im ersten Lebensjahr auf Zitrusfrüchte zu verzichten. Allerdings, so weiter, sollten regional angebaute, heimische Obstsorten bevorzugt werden.

Orangen haben viel Fruchtsäure

Wenn Dein Säugling auf Orangen mit Rötungen im Mundbereich oder einem wunden Po reagiert, dann hat das aber meist nicht mit einer richtigen Allergie, sondern mit dem Säuregehalt der Zitrusfrucht zu tun. Denn wie alle Zitrusfrüchte hat die Orange besonders viel davon. Weil der Verdauungstrakt bei Babys noch nicht ganz ausgereift ist, haben sie manchmal Probleme, die Fruchtsäure abzubauen.

Kinder mit familiär bedingter Neigung zu Neurodermitis reagieren meist sensibel auf Fruchtsäure.

Aber nicht jede Rötung im Windelbreich muss gleich mit Obst zu tun haben. Vor allem durch die Benutzung von Feuchttüchern mit chemischen Zusätzen, manchmal auch durch das feucht-warme Milieu der Wegwerfwindel, wird die empfindliche Babyhaut in dieser Region gereizt.

Ab wann dürfen Babys Orangensaft trinken?

Orangen dürfen also, wenn sie gut vertragen werden, auch von Anfang an gegessen werden. Doch wie sieht es mit Orangensaft aus? Ist das nicht dasselbe wie Orangen? Tatsächlich gibt es einen gravierenden Unterschied zwischen Orangen und Orangensaft: Beim Pressen bleibt der Anteil an Zucker, Flüssigkeit und Säure zum Größten Teil erhalten, während die Fasern und damit die Ballaststoffe zurückbleiben bzw. heraus gefiltert werden. Die Flüssigkeit umspült die Zähne, wenn schon vorhanden, und die Säure greift den Zahnschmelz an. Der Zucker begünstigt die Bildung von Karies.

Deshalb solltest Du pure Fruchtsäfte als Getränk für Babys und auch Kleinkinder weitestgehend meiden. Das gesündeste Getränk, an das Du Dein Baby vorzugsweise gewöhnen solltest, ist Wasser. Auch ungesüßte Tees sind unproblematisch. Wenn Dein Kind später unbedingt Saft probieren möchte, dann immer in verdünnter Form, also als Schorle. Dabei sollte das Mischverhältnis mindestens 1:3 (1 Teil Saft, 3 Teile Wasser) betragen, besser noch 1:4 oder 1:6.

Vorsichtig solltest Du auch bei gekauftem Orangensaft und Orangennektar sein. Hier ist häufig zusätzlich Zucker zugesetzt. Zu viel Zucker ist für Babys und Kinder, wie auch für Erwachsene schädlich.

Im Brei finden Fruchtsäfte übrigens oft schon früher Verwendung. Denn das enthaltene Vitamin C begünstigt die Eisenaufnahme. Die Säure und der Zucker werden hier stark verdünnt, weil meist nur ein Esslöffel auf eine ganze Breimahlzeit verteilt wird.

Orange als Fingerfood, Mus, oder gekocht?

Ich würde meinem Baby Orangen immer am Stück anbieten. Denn bei Orangenmus bzw. Orangenpuree entsteht unter Umständen dasselbe Problem wie bei Orangensaft: Die Fasern werden durch das Pürieren zum Teil zerstört. Außerdem kann ein Baby viel schneller viel mehr davon essen.

Orangen am Stück als Fingerfood dagegen benötigen etwas Zeit. Wenn Dein Kind Probleme mit der Haut hat, kannst Du sie natürlich schälen. Ansonsten schneide sie einfach in der Mitte durch. So kann Dein Säugling am einen Ende festhalten und am anderen Saugen. Zurück bleibt am Ende meist die Haut, die er oder sie noch nicht kauen kann.

Zitrusfrüchte werden meist ungekocht serviert, aber natürlich kannst Du die Orange anfangs auch kochen. Das Kochen zersetzt einen Teil der Fruchtsäure und macht die Orangen damit einfacher zu verdauen.

Auf Orangen oder andere Zitrusfrüchte aus der Dose solltest Du nach Möglichkeit verzichten – sie sind fast immer mit Zucker konserviert und haben nur noch einen Bruchteil der wertvollen Inhaltsstoffe.

Nährstoffe und Eigenschaften der Orange

Zu diesen Inhaltstoffen gehören unter anderem die Vitamine A, C, B1, B2 und B3, sowie eine geringe Menge an Folsäure. Auch die Mineralien Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen und Phosphor finden sich in der orangen Zitrusfrucht.

Eine einzige Orange deckt bei einem Erwachsenen etwa 75% des täglichen Bedarfs an Vitamin C. Was aber die wenigsten wissen: Orangen enthalten wahnsinnig viele Ballaststoffe. Diese werden von der menschlichen Verdauung dringend benötigt. Eine Orange hat mehr als 10% des Tagesbedarfs eines Erwachsenen.

In meiner Lebensmittel-Fibel für Babys findest Du zahlreiche Infos zu verschiedenen Lebensmitteln. Wenn Du eines nicht findest, schreib mir unbedingt einen Kommentar oder eine Nachricht, damit ich das ergänzen kann!

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Bild: bigstockphoto – OlgaSiv